Kaisertreue Volkspartei (Wolff-Verband)/Schwarz-gelbe Legitimisten

Die Kaisertreue Volkspartei, nach ihrem langjährigen Obmann Oberst Gustav Wolff auch 'Wolff-Verband' genannt, gehörte zu den eigenständigsten legitimistischen Organisationen der Ersten Republik. Sie ging aus der Partei der Schwarz-gelben Legitimisten hervor, trat wiederholt zu Wahlen an, blieb dabei jedoch ohne Mandat und entwickelte ihre eigentliche Bedeutung als dauerhaftes organisatorisches Milieu eines österreichisch-patriotischen, katholisch geprägten und habsburgisch-legitimistischen Lagers. Ab 1934 wurde die Organisation als Kaisertreuer Volksverband weitergeführt und in die Vaterländische Front eingebunden; später schloss sie sich dem Eisernen Ring an. Nach der Besetzung Österreichs im März 1938 fanden sich zahlreiche frühere Mitglieder und Sympathisanten des organisierten legitimistischen Milieus im Widerstand gegen das NS-Regime wieder, insbesondere waren viele ehemalige Mitglieder der Kaisertreuen Volkspartei (Wolff-Verband) in der Illegalen Österreichischen Kaisertreuen Front (IÖKF).

1918/19 bis 1920: Entstehung der Partei der schwarz-gelben Legitimisten

Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg sammelten sich in Österreich verschiedene monarchistische und legitimistische Gruppen. Der ehemalige k.u.k. Oberst Gustav Wolff begann bereits Anfang 1919 mit einer intensiven politischen Tätigkeit. Zunächst gab er die Zeitschrift 'Die Staatswehr' heraus, die sich insbesondere an ehemalige Offiziere und Militärbeamte richtete. Im Jahr 1920 gründete Wolff die 'Partei der Schwarz-gelben Legitimisten'

Das Programm der Partei der Schwarz-gelben Legitimisten forderte die Wiederherstellung staatlicher Autorität durch die Restauration der monarchischen Staatsform unter dem legitimen Herrscher, den Abbau des Klassenhasses, christliche Verständigung sowie die Pflege eines eigenständigen österreichischen Volksbewusstseins. Gustav Wolff vertrat dabei keine ausschließlich aristokratische Vorstellung von Restauration. Nach den polizeilichen Erhebungen betonte er, dass die Wiedererrichtung der Monarchie nicht nur 'von oben', sondern auch 'von unten' erfolgen müsse, und sprach wiederholt von einem 'Volks- und Arbeiterkaiser'. Er versuchte ausdrücklich, auch unter Arbeitern Anhänger zu gewinnen.

Um 1921 erreichte die Bewegung nach Gustav Wolffs eigener späterer Angabe etwa 6.000 Mitglieder, davon ungefähr 4.000 in Wien, und verfügte über Ortsgruppen in fast allen Wiener Bezirken. Die Polizeibehörden hielten zugleich fest, dass Wolffs kompromissloser Führungsstil und Konflikte mit anderen legitimistischen Gruppen einer breiteren Kooperation im Wege standen.

1922/23: Übergang zur Kaisertreuen Volkspartei

Aus der Partei der Schwarz-gelben Legitimisten ging in den frühen 1920er-Jahren die 'Kaisertreue Volkspartei' hervor. Der Wiener Polizeibericht von 1928 datierte den Übergang auf 1922 und hielt fest, dass die Bezeichnung Kaisertreue Volkspartei zuvor bereits als Untertitel der älteren Partei verwendet worden war. Auch die biographische Darstellung Gustav Wolffs auf gedenkort.at beschreibt 1922 als den entscheidenden organisatorischen Übergang. In Teilen der Forschung wird dagegen 1923 als Zeitpunkt der formellen Umbenennung genannt. 

Die Partei wurde zunehmend mit der Person Gustav Wolffs identifiziert. Die Bezeichnung 'Wolff-Verband' erschien nicht nur in Fremddarstellungen, sondern auf den eigenen Drucksorten der Organisation. Ein im Wiener Stadt- und Landesarchiv erhaltener Stimmzettel trug ausdrücklich die Aufschrift 'Kaisertreue Volkspartei (Wolff-Verband)'.

Wahlkandidaturen und Wahlergebnisse

Die Kaisertreue Volkspartei versuchte mehrfach, ihre politische Tätigkeit auch in Wahlen umzusetzen. Dabei blieb sie jedoch durchgehend eine Splittergruppe und errang kein einziges Mandat. Die amtlichen und zeitgenössischen Wahlstatistiken zeigen folgende Ergebnisse:

Nationalratswahl vom 21. Oktober 1923:Die Kaisertreue Volkspartei trat mit einer eigenen Liste an und erhielt österreichweit 1.235 Stimmen, das entsprach 0,03 Prozent der gültigen Stimmen. Ein Mandat erreichte sie nicht.

Wiener Gemeinderatswahl vom 21. Oktober 1923:Auch bei der gleichzeitig abgehaltenen Wiener Gemeinderatswahl kandidierte die Partei eigenständig. Sie erhielt 1.058 Stimmen und blieb ohne Mandat.

Nationalratswahl vom 24. April 1927:Bei dieser Wahl trat die Kaisertreue Volkspartei nicht mit einer eigenen Kandidatenliste an. Die amtliche Wahlstatistik hielt ausdrücklich fest, dass sie – anders als 1923 – nicht mehr mit einem eigenen Wahlvorschlag hervortrat.

Nationalratswahl vom 9. November 1930:Die Kaisertreue Volkspartei kandidierte wieder mit einer eigenen Liste. Österreichweit entfielen jedoch nur 157 Stimmen auf die Kaisertreue Volkspartei; ein Mandat wurde nicht erzielt.

Wiener Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahlen vom 24. April 1932:Die Kaisertreue Volkspartei trat nochmals eigenständig an und erhielt 346 Stimmen. Auch diese Kandidatur blieb ohne Mandat.

Bei der Nationalratswahl 1923 erhielt die Kaisertreue Volkspartei nach der amtlichen Statistik des Bundesministeriums für Inneres 1.235 Stimmen beziehungsweise 0,03 Prozent und blieb ohne Mandat. Für die gleichzeitig abgehaltene Wiener Gemeinderatswahl sind 1.058 Stimmen überliefert; auch hier gewann die Partei kein Mandat.

Für die Nationalratswahl 1927 trat die Kaisertreue Volkspartei nicht mit einer eigenen Kandidatenliste an. Die amtliche Wahlstatistik hob ausdrücklich hervor, dass die Partei – anders als 1923 – nicht mehr selbständig kandidierte.

Bei der Nationalratswahl 1930 kandidierte die Kaisertreue Volkspartei erneut, erzielte aber österreichweit nur 157 Stimmen und blieb wiederum ohne Mandat.

Bei den Wiener Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahlen vom 24. April 1932 erhielt die Kaisertreue Volkspartei 346 Stimmen. Auch diese Kandidatur blieb mandatslos.


Die Partei als Wolff-Verband und die Parteiadresse

In den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren entwickelte sich die Kaisertreue Volkspartei immer stärker zu einer auf Gustav Wolff zugeschnittenen Organisation. Die 1928 angefertigten Polizeierhebungen berichteten, dass die ursprünglich mehrere tausend Anhänger umfassende Bewegung infolge interner Auseinandersetzungen nur mehr einige hundert Anhänger besessen habe. Trotzdem entfaltete die Partei ab 1931 wieder eine sehr rege Versammlungs- und Propagandatätigkeit. Die im Archiv des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien erhaltenen Flugblätter dokumentierten nahezu fortlaufend Monarchistenversammlungen, Festveranstaltungen, Gedenkmessen, Wallfahrten und politische Kundgebungen.

Als Hauptleitung wurde auf zahlreichen Drucksorten die Adresse 'Wien XVIII., Gentzgasse 138' beziehungsweise 'Gentzgasse 138, II/15' angegeben. Diese Parteiadresse war zugleich die private Wohnadresse Gustav Wolffs. Damit waren Parteizentrale und Wohnung des Parteiführers faktisch identisch, was die starke personelle Bindung des Verbandes an Wolff zusätzlich unterstrich.

1931 bis 1933: Monarchistische Massenarbeit und österreichischer Patriotismus

Die erhaltenen Flugblätter aus den Jahren 1931 bis 1933 zeigten eine hohe Veranstaltungsdichte. Gustav Wolff trat regelmäßig als Parteiobmann oder Parteipräsident und Hauptredner auf. Die Veranstaltungen verbanden die Forderung nach der Rückkehr Otto von Habsburgs mit katholischen, sozialen und österreichisch-patriotischen Themen. Wiederkehrende Formeln wie 'Mit dem Christuskreuz voran zur Monarchie!' machten die katholische Prägung deutlich.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland im Jänner 1933 wurde die österreichische und antideutsche Stoßrichtung der Organisation noch deutlicher. Die Partei thematisierte den Nationalsozialismus als Gefahr für Österreich und stellte die Monarchie als Schutz der staatlichen Eigenständigkeit dar. Diese österreichisch-patriotische Haltung wird auch durch die Erinnerungen des späteren Widerstandskämpfers Julius Kretschmer bestätigt, der die Partei der schwarz-gelben Legitimisten beziehungsweise die Kaisertreue Volkspartei als eine der politischen Strömungen bezeichnete, die für ein freies und selbständiges Österreich eingetreten seien.

1934: Fahnenweihe der Kaisertreuen Volkspartei

Zu den markantesten öffentlichen Ereignissen der Partei gehörte die Fahnenweihe im Frühjahr 1934. Ein Flugblatt kündigte für den 30. April 1934 zunächst eine große vaterländische Kundgebung 'für die baldige Rückkehr der Kaiserlichen Familie in die Heimat' an. Gleichzeitig wurde für Sonntag, den 6. Mai 1934, die Fahnenweihe angekündigt.

Die Fahne überlebte die Besetzung Österreichs und die Kriegswirren und wurde 2018 im Wiener Dorotheum versteigert.

1934: Vom Parteiverband zum Kaisertreuen Volksverband in der Vaterländischen Front

Im Frühjahr 1934 verwendete die Organisation noch die Bezeichnung 'Kaisertreue Volkspartei (Oberst-Wolff-Verband i. d. Vaterländ. Front)'. Im Laufe des Jahres setzte sich dagegen die Bezeichnung 'Kaisertreuer Volksverband' beziehungsweise 'Kaisertreuer Volksverband (vorm. Kaisertreue Volkspartei) i. d. Vaterländischen Front' durch.

Damit wandelte sich die frühere Partei in den Kaisertreuen Volksverband (Oberst-Wolff-Verband in der Vaterländischen Front) um. Gustav Wolff blieb Verbandsobmann, die Gentzgasse 138 blieb die Hauptleitung, und die monarchistische Zielsetzung wurde nicht aufgegeben. Noch 1935 propagierten die Flugblätter offen die Rückkehr des Kaisers und bezeichneten die Organisation teilweise als 'Oberst-Wolff-Verband in der Vaterländischen Front'.

1935 bis 1937: Kaisertreuer Volksverband und Eiserner Ring

Der Kaisertreue Volksverband blieb in den Jahren 1935 bis 1937 mit Gedenkfeiern, Geburtstagsveranstaltungen für Otto von Habsburg, Vorträgen und österreichischen Kundgebungen aktiv. Zwischen Gustav Wolffs Organisation und dem stärker aristokratisch-konservativ geprägten Reichsbund der Österreicher beziehungsweise dem Dachverband Eiserner Ring hatte lange Konkurrenz bestanden. Eine wissenschaftliche Darstellung datiert den endgültigen Anschluss von Wolffs Organisation an das legitimistische Einheitslager auf den 20. November 1937.

Die Flugblätter von Anfang 1938 bestätigten den Zusammenschluss: Die Organisation trat nun unter anderem als 'Kaisertreuer Volksverband im Eisernen Ring' auf und veranstaltete ihre Versammlungen zugleich 'im Einvernehmen mit der Vaterländischen Front'.

Anfang 1938: Unabhängigkeit Österreichs und Ende der legalen Tätigkeit

In den letzten Wochen des unabhängigen Österreichs trat die politische Stoßrichtung des Kaisertreuen Volksverbands besonders deutlich hervor. Am 9. Februar 1938 lud der Kaisertreue Volksverband zu einer Massenversammlung unter der Parole 'Die Unabhängigkeit Österreichs und die Kaiser-Idee'

Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 12. März 1938 und der Besetzung Österreichs endete die legale Tätigkeit des Verbandes. Gustav Wolff wurde bereits am 21. März 1938 aufgrund seiner legitimistischen Tätigkeit verhaftet. 

Vom Wolff-Verband zur Illegalen Österreichischen Kaisertreuen Front

Die Geschichte des organisierten legitimistischen Milieus endete 1938 nicht. Zahlreiche frühere Mitglieder, Funktionäre und regelmäßige Besucher der Kaisertreuen Volkspartei beziehungsweise verwandter legitimistischer Verbände wurden später im Widerstand gegen das NS-Regime aktiv. Besonders deutlich wurde diese personelle Kontinuität bei der Illegalen Österreichischen Kaisertreuen Front (IÖKF).

Leopold Hof war 1935 der Kaisertreuen Volkspartei beigetreten und dort Bezirksobmann für den 13. und 14. Wiener Gemeindebezirk geworden. Im Herbst 1939 gründete er gemeinsam mit Leopold Eichinger die Illegale Österreichische Kaisertreue Front (IÖKF). 

Weitere Beispiele bestätigten diese Kontinuität: Maria Pasching war 1934 der Kaisertreuen Volkspartei beigetreten und wurde später Bezirksfrauenschaftsleiterin der Illegale Österreichische Kaisertreue Front (IÖKF) im 17. Wiener Gemeindebezirk. Alois Damborsky hatte in den 1920er-Jahren regelmäßig Versammlungen der Kaisertreuen Volkspartei besucht; 1939 wurde er von Leopold Eichinger für die Österreichische Kaisertreue Front (IÖKF) geworben. Die Österreichische Kaisertreue Front (IÖKF) verbreitete zwischen 1940 und 1942 zehntausende Flugzettel gegen das nationalsozialistische Regime und für ein unabhängiges Österreich, möglichst in monarchischer Form.
 

Quellen

  • Archiv des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien
  • Bundesministerium für Inneres: Amtliche Wahlstatistik
  • Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
  • Forschungsdarstellung „The Promotion of Austrian Legitimism“ (CORE): zum sozialen Profil des Wolff-Verbandes, den gescheiterten Wahlkoalitionen 1923/1927 und zum Anschluss an das legitimistische Einheitslager am 20. November 1937
  • Wiener Stadt- und Landearchiv (WStLA)
  • Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)

9 Opfer

Alois Damborsky

Angestellter
* 5. Juni 1892
Wien
† 29. Oktober 1965
Wien
U-Boot, Haft

Otto Günther

Redakteur und Verleger
* 20. April 1895
Wien
† 17. Juni 1963
Wien
Haft, Flucht, KZ Buchenwald, KZ Dachau

Leopold Hof

Invaliditätspensionist
* 9. November 1898
Pressbaum
† 18. Februar 1944
München-Stadelheim
Haft, Ermordet

Erich Kessler

Schriftsteller und Finanzbeamter
* 25. September 1910
Przemysl
† 22. April 1981
Wien
Tätigkeitsverbot, Haft

Josefine Kleinscheg

Angestellte
* 21. Februar 1887
Marburg
† 5. Dezember 1973
Herzogenburg
Haft

Oskar Kronawetter

Beamter und Kellner
* 19. November 1895
Kirchschlag in der Buckligen Welt
† 30. März 1973
Wien
Entlassung, Haft

Maria Pasching

Kauffrau
* 16. Jänner 1883
Hagenberg
† 21. Mai 1965
Wien
Haft

Gustav Wolff

Soldat
* 28. April 1870
Wien
† 26. März 1963
Wien
Haft

Josef Wotypka

Pharmazie-Assistent
* 18. Februar 1899
Wien
† 10. Mai 1971
Wien
Tätigkeitsverbot, Haft