Oberst Dr. Gustav Wolff

Photo von Gustav Wolff
Gustav Wolff
Bild: Dorotheum

Personalia

Geboren:

28. April 1870, Wien

Gestorben:

26. März 1963, Wien

Beruf:

Soldat

Verfolgung:

Haft 21.03.1938 - 09.08.1938,
Haft 09.11.1939 - 18.12.1939,
Haft 04.01.1944 - 16.12.1944

Ehrungen:

Orden der Eisernen Krone III. Klasse mit Kriegsdekoration

Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Kriegsdekoration

Militärverdienstmedaille (Signum Laudis)

Karl-Truppenkreuz

Eisernes Kreuz II. Klasse

Mitgliedschaften

Kaisertreue Volkspartei (Wolff-Verband)/Schwarz-gelbe Legitimisten, Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Gustav Wolff (in der Geburtsmatrikel 'Wolf') kommt in Wien als ehelicher Sohn des Generalsekretärs des Montan-, Eisen- und Maschinenindustrievereins Viktor Wolff und seiner Gattin Gabriele, geborene Schreiber, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er ein Gymnasium in Wien, wo er 1889 maturiert.

Anschließend entscheidet er sich für die Laufbahn eines Berufsoffiziers und absolviert die Technische Militärakademie in Wien.

Am 18. August 1892 wird Wolff zum Leutnant ernannt und dem Genieregiment Nr. 2 zugeteilt. 1893/94 absolviert er die Infanterie-Equitation in Klosterneuburg. Am 1. Mai 1895 erfolgt seine Beförderung zum Oberleutnant. Von 1895 bis 1897 besucht er die Kriegsschule und qualifiziert sich damit für höhere militärische Verwendungen. Nach deren Absolvierung wird er zeitweise für den Generalstabsdienst herangezogen. Im gleichen Jahr inskribiert er Philosophie und Geschichte an der Universität Wien, schließt aber sein Studium nach acht Semestern nicht ab.

Am 1. Mai 1900 wird Wolff zum Hauptmann 2. Klasse und am 1. Mai 1903 zum Hauptmann 1. Klasse befördert. Am 16. Juli 1906 heiratet er Maria Klein. Aus der Ehe gehen eine Tochter und ein Sohn hervor.

1908/09 ist er an der Infanteriekadettenschule Königgrätz tätig. Anschließend dient er beim Infanterieregiment Nr. 49 und übernimmt dort unter anderem Aufgaben als Bataillonskommandant. 1910 ist er in Brünn als Kommandant einer Unteroffiziersbildungsschule eingesetzt. Am 1. Mai 1912 erfolgt seine Beförderung zum Major.

Während des Ersten Weltkriegs steht Gustav Wolff im aktiven Dienst. Im Mai 1915 wird er nach seinen späteren Angaben am Unterschenkel verwundet und kehrt nach einem mehrwöchigen Spitalsaufenthalt in den Dienst zurück. Am 1. August 1917 wird er zum Oberst befördert. In weiterer Folge führt er das Infanterieregiment Nr. 22. Die militärischen Vormerkblätter dokumentieren Einsätze an der italienischen Front, unter anderem im Bereich Melette, Costalatta und Asiago sowie später an der Piave.

Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg scheidet Gustav Wolff aus dem aktiven Militärdienst aus. Der Zusammenbruch der Monarchie bedeutet für den überzeugten k.u.k. Berufsoffizier einen fundamentalen persönlichen und politischen Einschnitt. Im März 1919 wird er pensioniert.

Bereits Anfang 1919 beginnt sich Wolff intensiv politisch zu betätigen. Zunächst erhält er von der Bürgerlich-Demokratischen Partei Unterstützung für die Zeitung 'Die Staatswehr'. Er versucht insbesondere ehemalige Offiziere politisch anzusprechen und entwickelt sich zunehmend zum Vertreter eines konsequenten österreichischen Legitimismus.

1920 gehört Gustav Wolff zu den Begründern der Partei der Schwarz-gelben Legitimisten. In einer späteren Aussage bezeichnet er sich selbst als 'Begründer der Idee'. Er selbst wird als komplett unpragmatisch, unflexibel und kompromisslos charakterisiert, was dazu führt, dass nach internen Streitigkeiten, aus der Partei der Schwarz-gelben Legitimisten, 1922 die Kaisertreue Volkspartei (Wolff-Verband) hervorgeht, deren führender Kopf und Obmann Gustav Wolff ist.

Sein politisches Ziel ist die Wiederherstellung der Monarchie unter dem Haus Habsburg. Er vertritt die Auffassung, Kaiser Karl habe 1918 nicht auf seine Herrscherrechte verzichtet; nach dessen Tod betrachtet er Otto von Habsburg als legitimen Kaiser.

Sein politisches Ziel ist die Wiederherstellung der Monarchie unter dem Haus Habsburg. Er vertritt die Auffassung, Kaiser Karl habe 1918 nicht auf seine Herrscherrechte verzichtet; nach dessen Tod betrachtet er Otto von Habsburg als legitimen Kaiser.

Photo der Fahne der Kaisertreuen Volkspartei
Fahne der Kaisertreuen Volkspartei
Bild: Dorotheum

Ich stehe ebenso wie der Univ.-Prof. Kehlsen auf dem Standpunkt, dass die gegenwärtige republikanische Staatsform Österreichs auf revolutionärem Wege zustande gekommen ist, nicht aber auf legalem Wege. Kaiser Karl hat niemals abgedankt, er hat nur de facto seine Regierungsgeschäfte niedergelegt und seinen Völkern die Entscheidung über die künftige Staatsform überlassen. EIn solcher Volksentscheid hat aber tatsächlich nicht stattgefunden, sondern es wurde von den Abgeordneten des alten Reichsrates ohne dass sie hiezu legitimiert gewesen wären (sie waren ja nicht frisch gewählt) die republikanische Staatsform ausgerufen.

Gustav Wolff bei einer Vernehmung am 22. Mai 1928

Gustav Wolffs politischer Legitimismus verbindet sich mit einem ausgeprägten Antimarxismus. Sozialdemokratie und Kommunismus lehnt er entschieden ab. Gleichzeitig grenzt er sich nach seinen eigenen Angaben von deutschnationalen und antisemitischen Gruppierungen ab. 1926 ändert er den Namen der Zeitschrift 'Die Staatswehr' auf 'Schwarz-Gelb', stellt aber das Blatt 1927 ein. Ab 1928 bringt er das periodische Druckwerk 'Das Volk' heraus.

Gustav Wolffs autoritärer Führungsstil führt dazu, dass die Partei, die um 1921 etwa 6000 Mitglieder (davon 4000 Mitglieder in Wien) hat, um 1928 noch über wenige hundert Mitglieder verfügt.

Nachdem er seine politische Arbeit mit Fanatismus verfolgt, beginnen bereits 1921 Eheprobleme. Im Oktober 1927 zieht er zu seiner Freundin Eleonore Klaus, die Scheidung erfolgt 1928.

Photo von Gustav Wolff an seinem Schreibtisch 1926 oder 1927
Gustav Wolff an seinem Schreibtisch 1926 oder 1927
Bild: ÖNB

Im Frühjahr 1928 gerät Gustav Wolff im Zusammenhang mit dem in Österreich festgenommenen ungarischen Kommunisten Béla Kun in ein Hochverratsverfahren. Die Kaisertreue Volkspartei fordert dessen Auslieferung nach Ungarn. In einem Flugblatt werden für den Fall der Nichtauslieferung weitreichende politische Konsequenzen bis hin zu einem militärischen Vorgehen Ungarns gegen Österreich in den Raum gestellt. Gustav Wolff ist als für den Inhalt Verantwortlicher genannt. Er bestreitet, der Verfasser zu sein, weigert sich jedoch unter Berufung auf das Redaktionsgeheimnis, andere Beteiligte preiszugeben. Er wird am 10. Mai 1928 verhaftet und bleibt bis zu seinem Verfahren wegen Hochverrats am 18. Juli 1928 in Haft, wo er zu einem Jahr schwerem Kerker verurteilt wird. Der Strafantritt ist bis Oktober 1928 ausgesetzt und wird bis dahin amnestiert.

Als wesentliche Rechtsfolge ist in der späteren Strafregisterauskunft der Verlust seiner Charge als Oberst vermerkt. Seine Pensionsberechtigung wird ihm später gnadenweise mit Wirkung vom 5. Oktober 1933 wieder zuerkannt.

Nicht die 'Roten' sind meine Feinde; die bezeigen mir mehr Achtung. Meine Feine sind die Großdeutschen und die Deutschnationalen, die gegen mich hetzen, weil ich mir meine schwarz-gelbe Gesinnung nicht austreiben lasse, solange ich lebe. Die Reichsdeutschen sind die Totengräber der Monarchie gewesen und die, die immer nach Berlin geschielt haben. Dr. Lueger hat diese Gesellschaft richtig beurteilt, er hat die Deutschnationalen abgeorfeigt, weil er sie als die Erzfeinde Österreichs erkannt hat und nicht die 'Roten'. Wie der Arbeiter gesehen hat, gehört hat, wie und was die oben an der Krippe sitzenden über das Kaiserhaus schimpfen, haben sie halt auch geschimpft. Nur die intelligenten Kreise haben den Samen der Zwietracht gesät.

Gustav Wolff bei seinem Verfahren wegen Hochverrat am 17. Juli 1928

Obwohl die Kaisertreue Volkspartei (Wolff-Verband) bei Wahlen antritt, kann sie niemals auch nur ein Mandat gewinnen und bleibt komplett erfolglos. Die Auftritte Gustav Wolffs werden mitunter von Gästen als belustigend und amüsant empfunden. Er ist jedoch strikter und entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und des Deutschnationalismus.

Nach 1934 erfolgt die Umbenennung der Kaisertreuen Volkspartei (Wolff-Verband) in Kaisertreuer Volksverband (Oberst Wolff Verband in der Vaterländischen Front). In der Zeit zwischen 1934 und 1938 finden unzählige Veranstaltungen des Kaisertreuer Volksverbandes (Oberst Wolff Verband in der Vaterländischen Front) statt, welcher sich in den Eisernen Ring eingegliedert hat.

Am 12. März 1938 erlebt Gustav Wolff mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs. Als exponierter Legitimist und Obmann des kaisertreuen Volksverbandes gerät er unmittelbar ins Visier der nationalsozialistischen Machthaber.

Bereits am 21. März 1938 wird Gustav Wolff aufgrund seiner Tätigkeit in der legitimistischen Bewegung verhaftet. Erst am 9. August 1938 wird er aus der Haft entlassen. Eine weitere Verhaftung erfolgt zwischen dem 9. November 1939 und dem 18. Dezember 1939, sowie zwischen dem 4. Jänner 1944 und dem 16. Dezember 1944. Die letzte Haft erfolgt wegen Ermittlungen in Zusammenhang mit der Nichtanzeige eines hochverräterischen Unternehmens. Wahrscheinlich geht es hierbei um die Illegale Österreischische Kaisertreue Front in der viele Mitglieder der ehemaligen Kaisertreuen Volkspartei (Wolff-Verband) tätig sind.

Die erste Haft hat für den bereits 68-jährigen Gustav Wolff erhebliche gesundheitliche Folgen. Ein späteres amtsärztliches Gutachten hält fest, dass sich seine Beschwerden infolge der Aufregungen, mangelhaften Ernährung und 'zeitweise tätlichen Insulte (Stöße)' wesentlich verschlechtern. Nach der Haft kann er nur mehr mit einem Stock gehen und keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen.

Photo eines Plakats für eine Veranstaltung des Kaisertreuen Volksverbandes für eine Veranstaltung vom 9.02.1938 für die Unabhängigkeit Österreichs
Plakat für eine Veranstaltung des Kaisertreuen Volksverbandes für eine Veranstaltung vom 9. Februar 1938 für die Unabhängigkeit Österreichs
Bild: Archiv Institut für Zeitgeschichte

In Wien erlebt Gustav Wolff im April 1945 die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Nach der Befreiung Österreichs tritt er der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Er nimmt wieder sein Studium auf und promoviert 1947 zum Thema 'Gewaltsame Flußübergänge der Kriegsgeschichte des 19. Jahrhunderts'.

1954 heiratet er seine langjährige Lebensgefährtin Eleonore Klaus. Er verstirbt mit 92 Jahren in Wien.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)

Archiv Universität Wien

Archiv Institut für Zeitgeschichte - Universität Wien

Archiv Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB)

Dorotheum

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Gustav Wolff

Soldat
* 28. April 1870
Wien
† 26. März 1963
Wien
Haft