Ing. Karl Johannes Emil Karasek

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 28.08.1938 - 12.09.1938,
Haft 07.02.1943 - 15.04.1945,
KZ Dachau 15.04.1945 - 29.04.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Karl Johannes Emil Karasek kommt in Wien als ehelicher Sohn des Tischlermeisters Karl Karasek und seiner Gattin Emma, geborene Bach, zur Welt. Die Eltern seiner Mutter waren vom Judentum zum katholischen Glauben konvertiert.
Nach dem Besuch der Volksschule besucht er die Realschule und im Anschluss die Staatsgewerbeanstalt für Hochbau- und Kunstgewerbe. Er schlägt eine technische Laufbahn ein und arbeitet als Bauingenieur beziehungsweise Architekt-Ingenieur und unter anderem als Bauleiter in Linz. Er engagiert sich beim Reichsbund der Österreicher und tritt im Jahr 1930 dem steirischen Heimatschutz bei.
Am 12. März 1938 erlebt Karl Karasek, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen er als 'Mischling I. Grades' bzw. ‘Halbjude’ gilt. Zu dieser Zeit arbeitet er bei den Österreichischen Saurer-Werken als Bau-Aufsichtsorgan. Am 28. August 1938 wird er von der Gestapo festgenommen und von seinem Arbeitgeber noch am selben Tag entlassen. Nachdem die Verhaftung später als politisch bedingte Haft anerkannt wird, kann davon ausgegangen werden, dass diese mit seiner Tätigkeit im Heimatschutz zu tun hat. Nach seiner Entlassung arbeitet von 16. Oktober 1939 bis 1. Jänner 1940 er bei der Firma R. Dittmar. Am 2. Dezember 1939 heiratet er Maria Kovatschitsch und wird Vater einer Tochter.
Nachdem Karl Karasek bis 31. August 1940 arbeitslos ist, findet er wieder Arbeit bei der Heimstätte Donauland, der Treuhandstelle für Wohnungs- und Kleinsiedlungswesen. Zwischendurch leitstet er von 3. Juni bis 4. Oktober 1941 seinen Wehrdienst ab. Bereits am 5. Oktober 1941 setzt sich sein Beschäftigungsverhältnis wieder fort.
Karl Hans Karasek ist Stammgast im Gashaus des Franz Lambert [heute: Pürstner]. Dort lernt er Ende 1940 den Rechtsanwalt Karl Wanner kennen. Über diesen stößt er zur Lamberti-Runde, die er in der Folge allwöchentlich besucht. Obwohl er kurz zum Militärdienst eingezogen und später in Linz beschäftigt ist, kommt er so oft als möglich zu den Zusammenkünften. Er ist überzeugter Legitimist und vertritt die Idee eines unabhängigen Österreichs nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Unrechtsregimes. Karl Hans Karasek möchte sowohl ehemalige Mitglieder des Heimatschutzes als auch Marxisten sammeln, um gegen den Nationalsozialismus aktiv zu werden.
Er war dabei und in der Behandlung politischer und militärischer Tagesfragen neben Dr. Wanner einer der Wortführer, so dass man ihn sogar als den Stellvertreter Dr. Wanners ansah.
Als die Lamberti-Runde im Jänner 1942 der Antifaschistischen Freiheitsbewegung Österreichs (AFÖ) um den Pfarrer Anton Granig und den ehemaligen Landtagsabgeordneten Karl Krumpl beitritt, ist Karl Hans Karasek bei den Gesprächen mit Karl Wanner dabei. Er hat ebenfalls Kontakt zu Eduard Pumpernig, der ihm unter anderem von den Kontakten zur Ehefrau von Kurt von Schuschnigg, dem ehemaligen autoritären Kanzler in der Kanzlerdiktatur zwischen 1934 und 1938, erzählt. Nicht bewiesen werden kann der Vorwurf, Eduard Pumpernig zugesagt zu haben, Sprengstoff für Anschläge zu besorgen.
Als die Antifaschistischen Freiheitsbewegung Österreichs (AFÖ) auffliegt, wird Karl Karasek am 7. März 1943 verhaftet. Sein Arbeitgeber, die Heimstätte Donauland, hält zunächst an dem Beschäftigungsverhältnis fest und zahlt noch Bezüge aus. Nachdem Karasek weiterhin in Haft bleibt, spricht das Unternehmen mit Wirkung vom 23. März 1943 die fristlose Entlassung aus.
In einem Prozess vor dem Volksgerichtshof am 15. August 1944 wegen 'Vorbereitung zum Hochverrat' wird Karl Karasek zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis 15. April 1945 befindet er sich im Zuchthaus Straubing, bevor er in das KZ Dachau deportiert wird. Dort wird er am 29. April 1945 von der US-Army am 29. April 1945 befreit.
Nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 lebt Karl Karasek weiter in Wien. Nach seiner Rückkehr ist er noch kurz bei der Heimstätte Donauland beschäftig, bevor er sich versucht als Kraftverkehrsunternehmer eine Existenz aufzubauen. Mit einer Notkonzession der Bezirkshauptmannschaft Mistelbach richtet sich Karl Karasek eine Autobusverbindung zwischen Wien und Mistelbach ein, die am 1. Dezember 1946 ihren Betrieb aufnimmt. Zunächst steht ihm nur ein aus einem Fahrzeugwrack wiederaufgebauter Autobus zur Verfügung.

Im Jahr 1947 schafft er ein weiteres beschädigtes Fahrzeug an, lässt es instand setzen und kann im Herbst 1947 bereits zwei Autobusse einsetzen. Nach der Rückkehr früherer Konzessionsinhaber verliert Karasek im April 1948 die Konzession für die Strecke Wien–Mistelbach. Im Juli 1948 erhält er eine Konzession für eine weitere Autobuslinie zwischen Speising und Lainz; wegen mangelnder Rentabilität stellt er diese Linie am 13. April 1949 wieder ein.
Karl Karaseks berufliche Situation wird zusätzlich durch eine schwere körperliche Behinderung erschwert. Infolge eines Zusammenstoßes verliert er das rechte Bein und trägt eine Oberschenkelprothese. Längere Wegstrecken kann er nur mit einem Stock bewältigen. Dadurch sind insbesondere weit abgelegene Baustellen für den Bauingenieur nur schwer erreichbar.
Im September 1953 unternimmt Karl Karasek nochmals einen konkreten Versuch, in seinem Beruf Fuß zu fassen. Vom 1. bis 16. September 1953 hält er sich für eine Beschäftigung bei der Firma Franz Rosenbaum in Salzburg-Lehen auf. Die Arbeit kann er jedoch wegen der Geländeverhältnisse mit seiner Oberschenkelprothese nicht bewältigen und kehrt nach Wien zurück. Anfang 1954 ist er arbeitslos. Er bemüht sich um Unterstützung für die Anschaffung eines Motorrollers, mit dem er weiter entfernte Baustellen erreichen und wieder als Bauingenieur arbeiten möchte.
Eine dauerhaftere berufliche Wiedereingliederung gelingt später. Ab 25. April 1955 ist Karasek als Bautechniker beim Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Bundesstraßenverwaltung – Autobahn, beschäftigt.
Karl Karasek lebt weiterhin in Wien, wo er auch mit 56 Jahren verstirbt. Er findet seine letzte Ruhestätte am Wiener Zentralfriedhof. Seine Ehefrau Maria überlebt ihn um 30 Jahre und verstirbt 1997.
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
KZ-Gedenkstätte Dachau unter www.kz-gedenkstaette-dachau.de
Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche
