Dr. Norbert Bettelheim

Photo von Norbert Bettelheim
Norbert Bettelheim (Archiv Corps Marchia)

Personalia

Geboren:

10. Juni 1893, Mödling bei Wien

Gestorben:

26. Februar 1970, Wien

Beruf:

Rechtsanwalt

Verfolgung:

Tätigkeitsverbot 31.12.1938,
Flucht 27.01.1939 - März 1946

Mitgliedschaften

Corps Marchia Wien, Corps Raetia Wien, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich, Reichsbund der Österreicher

Lebenslauf

Norbert Bettelheim kommt in Mödling bei Wien als einziger Sohn neben zwei Schwestern des jüdischen Ehepaares, dem Direktors des Röhrenwalzwerke Albert Hahn, Bernhard Bettelheim und Berta, geborene Brünner, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er das Akademische Gymnasium im 1. Wiener Gemeindebezirk, wo er 1912 maturiert. Im gleichen Jahr inskribiert er Jus an der Universität Wien, tritt dem Corps Raetia Wien bei, wird in den Krieg eingezogen und mustert als Offizier ab. Im März 1918 wird er zum Doktor der Rechtswissenschaften promoviert, konvertiert zum Evangelischen Glauben A.B. und wird Mitglied der Studentenverbindung Corps Marchia Wien. 1918 heiratet er Maxymiliane Maria Brüll-Neuda. 1919 kommt sein Sohn Walter Botho zur Welt. 1925 erkrankt Norbert Bettelheim schwer an der Basedowschen Krankheit, was ihn sein Leben lang begleiten wird.

Nachdem sich Norbert Bettelheim als Rechtsanwalt selbständig gemacht hat wird 1928 sein zweiter Sohn Werner Hanns geboren. Der überzeugte Gegner des Nationalsozialismus beteiligt sich im Juli 1934 aktiv bei den Vaterländischen Verbänden an der Niederschlagung des nationalsozialistischen Putschversuchs, bei dem Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ermordet wird. Als Mitglied der Vaterländischen Front ist er Rechtskonsulent der Ortsgruppe Wieden und zusätzlich Syndikus des Reichsbunds der Österreicher. Sein Sohn Walter Botho verstirbt im Dezember 1934.

Am 12. März 1938 muss er erleben, wie das freie und unabhängige Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Norbert Bettelheim als ‘Volljude’ gilt. Per 31. Dezember 1938 wird er von den neuen Machthabern aufgrund seiner jüdischen Abstammung von der Liste der Rechtsanwälte gestrichen.

Unmittelbar danach, Anfang Jänner 1939, flüchtet Norbert Bettelheim mit seiner Familie aus Österreich und reist am 27. Jänner 1939 in Frankreich ein. Bis 1. April 1939 befindet sich die Familie in Paris bevor sie sich Auxerre niederlässt. Überleben kann die Familie ausschließlich durch Zuwendungen eines Komitees von Exilanten. Mit dem Überfall auf Polen und dem damit verbundenen Ausbruch des II. Weltkrieges meldet sich Norbert Bettelheim sofort freiwillig zur französischen Armee um mit der Waffe für Österreichs Freiheit zu kämpfen.

Es werden jedoch alle Deutschsprachigen in Frankreich vorerst interniert und die Familie Bettelheim ab 29. Oktober 1939 in das Lager Marmagne, ein kleines Dorf in der Umgebung von Montbard, gebracht. Vom diesem Anhaltelager werden sie im Juli 1940 in das Lager Vernet und im August in das Anhaltelager Cortus, in der Nähe von Cahors, überstellt. Im September 1940 werden sie Entlassen und Norbert Bettelheim meldet sich erneut zum Militärdienst, wird aber Ende September 1940 aufgrund des abermaligen Ausbruchs der Basedowschen Krankheit ausgemustert. Am 10. Februar 1941 verstirbt seine Ehefrau Maxymiliane im Exil in Frankreich.

Norbert Bettelheim laboriert an dem abermaligen Ausbruch der Basedowschen Krankheit bis 1942. Als er geheilt ist, tritt er der Résistance unter dem Kommandanten der Gruppe Dordogne-Süd, General Bernard bei. In Faux beteiligt er sich aktiv an Aktionen gegen die deutsche Besatzungsmacht.

In Frankreich erlebt Norbert Bettelheim die Befreiung Österreichs 1945. Im März 1946 kehrt er mit seinem Sohn zurück nach Österreich und nimmt sofort die Arbeit als Rechtsanwalt wieder auf. Norbert Bettelheim reaktiviert seine Studentenverbindungen. Im Jahre 1948 tritt er der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Norbert Bettelheim ist in der Folge eine der tragenden Säulen seiner Studentenverbindungen.

Als Rechtsanwalt geht er in Pension und verstirbt im 77. Lebensjahr in Wien.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Archiv der Universität Wien

Archiv der Studentenverbindung Marchia und Raetia

Matricula Online

Archiv der IKG

Archiv der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Norbert Bettelheim

Rechtsanwalt
* 10. Juni 1893
Mödling bei Wien
† 26. Februar 1970
Wien
Tätigkeitsverbot, Flucht