Dr. Nikolaus Oskar Hovorka von Zderas

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 18.03.1938 - 24.05.1938,
KZ Dachau 24.05.1938 - 27.09.1939,
KZ Mauthausen 27.09.1939 - 22.07.1942,
Strafkompanie 22.07.1942 (kurze Zeit),
Widerstand (unentdeckt)
KZ-Nummer:
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Nikolaus Hovorka Edler von Zderas kommt in Teslić in Bosnien als Sohn des Arztes Oskar Hovorka Edler von Zderas zur Welt. Bald zieht die Familie nach Wien, wo Nikolaus Hovorka Edler von Zderas nach der Volksschule das Akademische Gymnasium in besucht. Er maturiert 1921 und inskribiert Geschichte, Philosphie, Biologie und Medizin an der Universität Wien, an der Sorbonne in Paris und in Berlin.
1924 wendet sich Nikolaus Hovorka Edler von Zderas dem Journalismus zu. Er gründet die Zeitschrift 'Berichte zur Kultur- und Zeitgeschichte' und arbeitet zwischen 1925 und 1930 als Redakteur bei der christlich-sozialen Zeitschrift 'Reichspost'. In dieser Zeit arbeitet er sehr eng mit dem Herausgeber der Zeitung Friedrich Funder zusammen, der ihm zeitlebens ein enger Freund bleibt. Danach wird er Chefredakteur der Tageszeitung 'Das kleine Blatt' sowie Herausgeber der 'Sozialpolitischen Korrespondenz'. Ehrenamtlich ist der gläubige Katholik in der Volksbildung, der Katholischen Aktion (KA) und der Christlichsozialen Partei (CSP) aktiv. Auch Alfred Maleta zählt zu seinem engen Freundeskreis.
Der österreichische Patriot erkennt sehr früh die Gefahr des in Deutschland aufkommenden Nationalsozialismus und engagiert sich publizistisch gegen diesen. 1932 erscheint sein Werk 'Zwischenspiel Adolf Hitler'. 1934 tritt Nikolaus Hovorka Edler von Zderas der Vaterländischen Front bei. Spätere Publikationen von ihm sind neben Broschüren unter anderem: 'Adolf Hitler - Blut oder Geist', 'Wer verrät die Deutschen Südtirols?', 'Die Wahrheit über Danzig', 'Nietzsche, Führer oder Verführer', 'Österreich und die Weltpresse', 'Österreich muss sein!', 'Beiträge zum Nazispiegel', 'Österreichs europäische Sendung' oder 'Kreuzworträtsel Europa'. Mit Maria Baronin von Letfuchs ist er liiert.
Am 12. März 1938 muss Nikolaus Hovorka Edler von Zderas erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Bereits am 18. März 1938 wird er von der Gestapo verhaftet und am 24. Mai 1938 in das KZ Dachau deportiert. Seine Freundin Maria Baronin von Letfuchs schreibt in dieser Zeit vergebens an alle Behörden, um ihn aus der 'Schutzhaft' frei zu bekommen.
Als mit dem Überfall des Deutschen Reichs auf Polen das KZ Dachau kurzfristig für die SS geräumt wird, erfolgt seine Überstellung in das KZ Mauthausen. Er wird in den Kommandos Straßenbau, Betonierer, Steinbruch, Erdbewegung und Revier (Ambulanz, Laboratorium, Röntgen, Massage und physikalische Therapie) eingesetzt.
Am 22. Juli 1942 wird Nikolaus Hovorka Edler von Zderas aus dem Konzentrationslager entlassen und noch am gleichen Tag zur Wehrmacht, in eine Strafkompanie, eingezogen. Aufgrund seiner medizinischen Kenntnisse wird er von der Strafkompanie nach kurzer Zeit in ein Feldlazarett verlegt. Auf Fronturlaub heiratet er am 27. August 1942 Maria Baronin von Letfuchs. 1943 kommt seine Tochter zur Welt.

Dass ich seinerzeit neben meinem Berufsstudium sozusagen als "Freizeitgestaltung" auch Medizin studiert hatte, rettete mir so im KZ das Leben und gab mir dort die Möglichkeit, hunderten Kameraden die Gesundheit und das Leben zu erhalten, jetzt bewahrte sie mich innerhalb der "deutschen Wehrmacht" davor, etwas tun zu müssen, was mit einem Gewissen und meiner Überzeugung unvereinbar gewesen wäre. Und doch muss ich Ihnen sagen: physisch war diese Zeit gegenüber dem KZ eine Erleichterung, moralisch-seelisch war sie eine schwerere Belastung. Dort geab einem das Gefühl, politischer Märtyrer zu sei, einen gewissen seelischen Auftrieb. Hier war der Zwang, als Träger der deutschen Uniform Alalphabeten und Kanibalen die Ehrenbezeugung zu leisten, eine tägliche seelische Folter.
Nikolaus Hovorka Edler von Zderas wird zuerst an der russischen Front und danach in Frankreich eingesetzt. Dort nimmt er Kontakt mit der französischen Resistance auf und gibt ihnen Information weiter. So kann er zur vorzeitigen Befreiung von Lons-le-Saunier im September 1944 beitragen. In Frankreich gerät er in amerikanische Kriegsgefangenschaft.
Nikolaus Hovorka Edler von Zderas erlebt in Frankreich die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Im September 1945 kann er schließlich nach Wien heimkehren. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Nachdem der Versuch die Zeitung 'Berichte zur Kultur- und Zeitgeschichte' wieder zu gründen scheitert, wird er 1950 Chefredakteur der katholischen Wochenzeitung 'Offenes Wort'. Im gleichen Jahr kommt sein Sohn zur Welt. 1955 gewinnt ihn sein Jugendfreund Alfred Maleta als Chefredakteur der Zeitung des Österreichischen Arbeiter- und Angestelltenbundes (ÖAAB) 'Die Freiheit'. Ehrenamtlich ist er weiterhin in der Volksbildung aktiv.
Nikolaus Hovorka Edler von Zderas erleidet zwei Herzanfälle, wovon der zweite tödlich ist. Er verstirb mit 65 Jahren in Wien und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Döbling.
Du warst uns in böser Zeit ein mutiger, treuer Kamerad, und wer dich näher gekannt, hat an dir das geschärfte Empfinden für Recht und Gerechtigkeit, die leidenschaftliche Anteilnahme am Los der besitzlosen Massen und deine mutige religiöse Haltung geschätzt.
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Wien.Geschichte.Wiki unter www.geschichtewiki.wien.gv.at/Nikolaus_Hovorka
Die Furche vom 4. Jänner 1967, Seite 4
Arolsen Archives
Matricula Online
Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche
