Amtsdirektor Julius Herbst

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 12.03.1938,
Entlassung 31.01.1939
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Julius Herbst kommt in Mank in Niederösterreich als ehelicher Sohn des Schmiedemeisters Jacob Herbst und seiner Gattin Johanna, geborene Aschauer, zur Welt. Nach der Volksschule wechselt er auf das Gymnasium in St. Pölten, verläßt dies aber nach der Unterstufe.
Am 10. Oktober 1903 tritt er in den Dienst der Post- und Telegraphendirektion für Wien und Niederösterreich. Nachdem er zuerst in Wien arbeitet, wird er 1915 zum Postmeister in Kirchberg am Walde in Niederösterreich bestellt. 1924 heiratet er die Postbedienstete Frieda Langegger, die mit der Hochzeit kündigt und zu Hause bleibt. In weiterer Folge wird Julius Herbst Vater dreier Söhne. Danach wird er Postmeister in Pürbach. Er engagiert sich in den 1920ern und 1930ern in der Christlichsozialen Partei (CSP).
Um 1930 wird Julius Herbst Postamtsvorstand der Stadt Melk in Niederösterreich. 1934 tritt der überzeugte österreichische Patriot der Vaterländischen Front bei und wird 1935 zum Bürgermeister von Melk ernannt. Als Bürgermeister kann er in Melk jedoch niemals große Popularität gewinnen, zumal er nicht in der Stadt geboren wurde und als Außenstehender gesehen wird.
1935 und 1936 verleiht er als Bürgermeister die Ehrenbürgerschaft von Melk unter anderem an Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg, Vizekanler Ernst Rüdiger Fürst von Starhemberg, Landeshauptmann Josef Reither und Otto von Habsburg-Lothringen. Als Bürgermeister und Postamtsvorstand von Melk geht er energisch und mit voller Härte gegen illegale Nationalsozialisten vor und unterbindet nationalsozialistische Veranstaltungen.
Am 12. März 1938 erlebt Julius Herbst, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Noch am Tag der Besetzung Österreichs wird er verhaftet und im Rathaus in Melk eingesperrt. Nur aufgrund seines energischen Protestes wird er noch am gleichen Tag aus der Haft entlassen, aber vom Dienst als Postamtsvorstand suspendiert.
In meiner Eigenschaft als Bürgermeister und Postamtsvorstand von Melk, weil ich verschiedene Nazi-Aktionen in Melk und in der Wachau in der Verbotszeit vereitelt habe, wurde ich gleich beim NS Umsturz am 12. März 1938 der zusammengetrommelten Volksmeute (paar tausend Personen) durch einen besoffenen hühnenhaften SA-Mann und einen fanatischen Nazi-Gendarm ausgeliefert und sodann in Melk (Rathaus) in Haft gesetzt. Auf meine Proteste hinauf wurde ich abends aus der Haft entlassen, dafür aber meines Dienstes enthoben und schließlich fristlos entlassen. Später erkämpfte ich mir eine Teilpension und wurde Versicherungsbeamter. Ich sollte noch mehrmals verhaftet werden, entging denselben jedoch durch Flucht. Ich war jahrelang Kandidat für Dachau (laut Drohung der Statthalterei Wien).
Um einer weiteren Verhaftung in Melk zu entgehen zieht die Familie überhastet nach Wien. Dort findet Julius Herbst Anstellung bei der 'Ostmark“ Versicherungs-AG' [später Bundesländer-Versichung, heute: UNIQA Insurance Group].
In Wien erlebt Julius Herbst die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.
Am 11. Mai 1946 wird Julius Herbst rehabilitiert und Postamtsvorstand des Postamtes für den 8. Wiener Gemeindebezirk. Am 22. Mai 1946 wird er zum Bezirksrat für den Ersten Wiener Gemeindebezirk gewählt. Diese Funktion hat er bis 20. Februar 1950 inne.
Am 30. Mai 1950 tritt Julius Herbst in den Ruhestand und verstirbt einen Tag vor seinem 81 Geburtstag in Wien. Er findet seine letzte Ruhestätte am Wiener Zentralfriedhof.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Archiv der Stadt Krems
Bezirksvorstehung für den 1. Bezirk
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