Hans Georg Heintschel von Heinegg

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 23.07.1940 – 05.12.1944,
Ermordet am 05.12.1944
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Hanns Georg Heintschel von Heinegg kommt in Groß Knieschitz in Böhmen [heute: Kněžice in Tschechien] als ehelicher Sohn des Wollwarenfabrikanten Wolfgang Heintschel von Heinegg und Berta, geborene Hallama, zur Welt. Das Schloss Kneschitz im Böhmerwalt, auf dem er geboren wird und mit seinen drei Schwestern lebt, hatte die Familie 1897 erworben, hergerichtet und war dort 1906 von Wien hingezogen.
1926 müssen seine Eltern die Güter und das Schloss wegen Überschuldung verkaufen und ziehen zurück nach Wien. Dort besucht er die Volksschule und ab 1928 das Theresianum in Wien, wo wer 1937 maturiert. Danach tritt er in das Priesterseminar der Jesuiten, dem Canisianum in Innsbruck ein.
Am 12. März 1938 muss der gläubige Katholik und überzeugte Österreicher erleben, wie das freie und unabhängige Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht untergeht. Im November 1938 wird das Priesterseminar von den antiklerikalen Nationalsozialisten geschlossen und Hanns Georg Heintschel von Heinegg muss das Priesterseminar verlassen und das Theologiestudium abbrechen. Bereits zu dieser Zeit wirbt er im Freundeskreis für seine Ideale: Freiheit und Menschenwürde. Hanns Georg Heintschel von Heinegg zieht im Juni 1939 nach Wien zurück und findet Arbeit im Statistischen Amt, in Erwartung seiner Einberufung zur Wehrmacht.
Gemeinsam mit seinem ehemaligen Klassenkameraden aus dem Theresianum, Gerhard Fischer von Ledenice, tritt er der Österreichischen Freiheitsbewegung um den Augustiner-Chorherren Roman Karl Scholz bei, den er in Wien kennengelernt hat.
Vielleicht ist es notwendig, dass die Hand Gottes uns sehr hart anfaßt.
In der Österreichischen Freiheitsbewegung übernimmt Hanns Georg Heintschel von Heinegg bald führende Positionen innerhalb der Bewegung ein. 1940 gelingt es Roman Karl Scholz mit der Österreichischen Freiheitsbewegung um Karl Lederer und der Großösterreichischen Freiheitsbewegung um Jakob Kastelic aufzunehmen.
Ab Juli 1940 werden gut 300 Personen dieser Widerstandsgruppen vom Burgschauspieler Otto Hartmann verraten (Otto Hartmann wird in der Folge 1947 zu lebenslanger Haft verurteilt und 1957 begnadigt) und Hanns Georg Heintschel von Heinegg am 23. Juli 1940 verhaftet. Im Juli 1941 wird er von Wien in das Zuchthaus nach Anrath an die holländische Grenze verlegt, im November 1941 nach Krefeld, wo er bis Anfang März 1943 in der Zelle sitzt, ehe er wieder nach Anrath kommt und im Herbst 1943 zurück nach Wien verlegt wird. In der Haft wird ihm ein Schreibverbot erteilt.
In einem Verfahren vor dem Volksgerichtshof wird er am 23. Februar 1944 wegen ‚Vorbereitung zum Hochverrat‘ zum Tode verurteilt.
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Wir alle müssen uns erst bewähren. Hier sammeln wir nur… Nur der Wartende reift, und jede Läuterung bedarf des Steines, der auf uns geworfen wird.
Ich bin bereit zum Sterben – und Leben. Gruß an alle Getreuen. Alle mögen beten. Gott ist sehr gnädig. Auch Leiden ist eine Gnade, denn es kommt aus Liebe und führt zu Liebe. Gott segne Euch!
Innigst Euer Hanns Georg
Hanns Georg Heintschel von Heinegg aus der Todeszelle

In der Todeszelle motiviert er noch einen Jungkommunisten zur hl. Beichte. [Anm.: Wahrscheinlich kurz vor dessen Exekution.]
Dann bin ich zum ersten und letzten Male Seelsorger geworden.
Hanns Georg Heintschel von Heinegg wird durch das Fallbeil am 5. Dezember 1944 um 18:31 Uhr im Wiener Landesgericht hingerichtet. Danach wird seine Leiche anonym am Wiener Zentralfriedhof auf der Gruppe 40 verscharrt.
Nach dem Krieg wird die Gruppe 40 zu einer Gedenkstätte für alle dort ruhenden Opfer des Nationalsozialismus.
Orte
Wohnort:
Sterbeort:
Ehrung:
Wirkungsstätte:
Quellen
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Erzdiözese Wien unter www.erzdioezese-wien.at/unit/offenekirche/hoffnungspilgern/hoffnungszeugen/hannsgeorgheintschel
Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen unter kulturstiftung.org/biographien/heintschel-heinegg-hanns-georg
