Anna Baumgarten (geb. Adelsberger)

Photo von Anna Baumgarten
Anna Baumgarten
Bild: DÖW

Personalia

Geboren:

20. Mai 1905, Wien

Gestorben:

24. Juni 1984, Wien

Beruf:

Angestellte

Verfolgung:

Haft 04.10.1940 - 20.12.1942

Mitgliedschaften

Österreichische Freiheitsbewegungen, Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Anna Adelsberger kommt in Wien als eheliche Tochter von Josef Adelsberger und Anna, geborene Gebhart, zur Welt. Nach der Volksschule besucht sie die Bürgerschule und im Anschluss zwei Klassen der Handelsschule. 1922 fängt sie bei einer Wiener Firma zu arbeiten an. 1927 heiratet sie den jüdischen Egon Baumgarten, die Ehe scheitert jedoch bereits drei Jahre später im Jahre 1930. Seinen Nachnamen behält sie jedoch. Anna Baumgarten ist Gewerkschaftsmitglied und tritt 1934 in die Vaterländische Front ein.

Die überzeugte Österreicherin muss am 12. März 1938 erleben, wie das freie und unabhängige Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht untergeht. Mit der nationalsozialistischen Einführung der Kirchensteuer tritt Anna Baumgarten aus der katholischen Kirche aus.

Über ihre langjährige Freundin Stefanie Skokan kommt Anna Baumgarten im Februar 1940 in Kontakt mit der Österreichischen Freiheitsbewegung um den Widerstandskämpfer Karl Lederer. Sie zahlt regelmäßig Mitgliedsbeiträge und betätigt sich als Sprengelkassierin.

1940 gelingt es Karl Lederer, Verbindung mit der "Österreichischen Freiheitsbewegung" um den Augustiner-Chorherrn Roman Karl Scholz und zur ‘Großösterreichischen Freiheitsbewegung’ um den Rechtsanwalt Jakob Kastelic aufzunehmen.

Erkennungsdienstliche Erfassung der Gestapo von Anna Baumgarten
Erkennungsdienstliche Erfassung der Gestapo von Anna Baumgarten
Bild: DÖW

Ab Juli 1940 werden gut 300 Personen dieser Widerstandsgruppen vom Gestapo-Spitzel und Burgschauspieler Otto Hartmann verraten (Otto Hartmann wird in der Folge 1947 zu lebenslanger Haft verurteilt und 1957 begnadigt) und Anna Baumgarten am 4. Oktober 1940 verhaftet. In der Gestapohaft tritt sie wieder in die Kirche ein.

Über das Polizeigefängnis in der Elisabethpromenade, dem Landesgericht I und dem Gefängnis in der Schiffamtsgasse in Wien kommt sie in die Haftanstalt Stein. In dieser Haftanstalt ist sie ein Jahr in Einzelhaft, danach leistet sie Zwangsarbeit in einer Weberei. Am 20. Dezember 1942 wird Anna Baumgarten auf freien Fuß gesetzt. In der Haft erleidet sie schwere gesundheitliche Schäden, die sie ihr Leben lang begleiten werden.

Anna Baumgarten kehrt zurück nach Wien und findet eine Anstellung bei einer Firma. Am 31. Oktober 1944 wird ihr schließlich der Prozess vor dem Wiener Landesgericht wegen ‘Vorbereitung zum Hochverrat’ und ‘Mitwirkung an der Neubildung einer Partei’ gemacht und sie zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die Strafe für sie fällt milder aus, da ihr nur das Einkassieren von Mitgliedsbeiträgen nachgewiesen werden kann. Nachdem sie bereits über zwei Jahre in Haft war, gilt die Strafe als bereits verbüßt. Im November 1944 wird ihr Wohnhaus bombardiert, wobei sie ihr gesamtes Hab und Gut verliert.

Anna Baumgarten erlebt in Wien die Befreiung Österreichs im Mai 1945. In der Wiedererrichteten Republik Österreich tritt sie der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Sie arbeitet in der Firma bis zu ihrem Pensionsantritt. Sie heiratet niemals wieder und verstirbt mit 79 Jahren kinderlos in Wien. Sie findet ihre letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Baumgarten.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Archiv der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich (KPV)

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Anna Baumgarten

Angestellte
* 20. Mai 1905
Wien
† 24. Juni 1984
Wien
Haft