Dr. Karl Maria Alfred Lederer

Photo von Karl Lederer
Karl Lederer
Bild: DÖW

Personalia

Geboren:

22. September 1909, Wien

Gestorben:

10. Mai 1944, Wien

Beruf:

Beamter der Finanzprokuratur

Verfolgung:

Haft 20.06.1940 - 10.05.1944,
Ermordet am 10.05.1944

Lebenslauf

Karl Maria Alfred Lederer kommt in Wien als ehelicher Sohn des Angestellten des Creditanstalt-Bankvereins Gustav Alfred Lederer und seiner Gattin Maria Johanna, geborene Woksch (manchmal auch Woschek geschrieben), zur Welt. Sein aus Budapest stammender Vater kommt aus einer jüdischen Familie und war am 22. August 1889 zum katholischen Glauben konvertiert. Nach der Volksschule besucht Karl Lederer das Gymnasium in der Gymnasiumstraße 83 im 19. Wiener Gemeindebezirk, wo er 1928 maturiert.

Noch im Jahr seiner Matura inskribiert Karl Lederer Jus an der Universität Wien und wird im Juli 1933 zum Doktor der Rechte promoviert. Ab Dezember 1933 absolviert er seine Gerichtspraxis im Justizpalast und am Bezirksgericht Wien Innere Stadt. Ende 1934 tritt er der Vaterländischen Front bei und Anfang 1936 für zwei Monate einer ihr nahestehenden Organisation. Im Dezember 1936 tritt Karl Lederer in den Dienst der österreichischen Finanzprokuratur. Als österreichischer Patriot ist er strikter Gegner des Nationalsozialismus. 1937 verstirbt sein Vater.

Am 12. März 1938 erlebt Karl Lederer mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht den Untergang des freien und unabhängigen Österreich. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen er als 'Mischling I. Grades' bzw. ‘Halbjude’ gilt.

Im Herbst 1938 gründet Karl Lederer gemeinsam mit dem ebenfalls in der Finanzprokuratur arbeitendem Heinrich Siegel die Widerstandsgruppe 'Österreichische Freiheitsbewegung'. Ziel der Widerstandsgruppe ist die Loslösung des besetzten Österreichs von Hitler-Deutschland und die Wiedererrichtung eines unabhängigen Österreichs. Seine Decknamen sind 'Dr. Wohlbruch' und 'Lorenz'. Über seinen Bekannten, den Burgschauspieler Fritz Lehmann erfährt er von einer gleichnamigen Widerstandsbewegung um den Augustiner-Chorherren Roman Karl Scholz. Bei gemeinsamen treffen vereinbaren sie eine intensive Zusammenarbeit. Sie entwerfen ein gemeinsames Statut und ein Programm. Die Widerstandsbewegungen produzieren Flugzettel und verteilen diese. Ende Februar 1939 wird Karl Lederer als 'Mischling I. Grades' aus der Finanzprokuratur entlassen. 1940 gelingt es Kotakt mit der 'Großösterreichischen Freiheitsbewegung' um Jakob Kastelic aufzubauen.

Ab Juni 1940 werden gut 300 Personen dieser Widerstandsgruppen vom Burgschauspieler Otto Hartmann verraten (Otto Hartmann wird in der Folge 1947 zu lebenslanger Haft verurteilt und 1957 begnadigt) und Karl Lederer am 20. Juni 1940 von der Gestapo verhaftet. In einem Prozess vor dem Volksgerichtshof am 2. und 3. März 1944 wird er wegen 'Vorbereitung zum Hochverrat' zum Tode verurteilt. Das Urteil wird im Landesgericht Wien am 10. Mai 1944 durch das Fallbeil vollstreckt.

Karl Lederer wird zuerst am Wiener Zentralfriedhof in der 'Gruppe 40' verscharrt. Nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik, wird er exhumiert und am Friedhof in Wien-Döbling beigesetzt.

Orte

Wohnort:

Ehrung:

Gedenktafel (Wien), Gedenktafel (Wien)

Quellen

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Matricula Online

Karl Lederer

Beamter der Finanzprokuratur
* 22. September 1909
Wien
† 10. Mai 1944
Wien
Haft, Ermordet