Franz Rudolf Cikanek jun.

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 10.05.1943 - 18.05.1943,
Haft 15.06.1943 - 13.12.1943,
Haft 18.09.1944 - 03.04.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Franz Rudolf Cikanek jun. wird als ehelicher Sohn des Hollabrunner Korbflechtermeisters Franz Cikanek sen. und seiner Ehefrau Vinzenzia, geborene Kundela, geboren. Vinzenzia Cikanek ist verwitwet und bringt eine Tochter in die Ehe mit. Neben Franz Cikanek jun. und der Tochter aus erster Ehe haben Franz Cikanek sen. und Vinzenzia Cikanek noch eine weitere Tochter.
Franz Cikanek jun. besucht die Volksschule und im Anschluss das Gymnasium in Hollabrunn. Als er 11 Jahre alt ist marschiert die deutsche Wehrmacht in Österreich am 12. März 1938 ein. Damit geht das freie und unabhängige Österreich unter.
Franz Cikanek sen. ist Gegner des Nationalsozialismus, war Mitglied der SDAP [heute: SPÖ] und der Vaterländischen Front und will sich nicht mit dem Ende Österreichs abfinden.
Gemeinsam mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern hört Franz Cikanek jun. vom Frühjahr 1940 bis April 1943 mehrmals wöchentlich die deutschsprachigen und tschechischen Sendungen des englischen Rundfunks, den Schweizer Sender ‘Beromünster’ sowie bis zum Zusammenbruch Frankreichs einen französischen Sender, die sogenannten ‘Feindsender’.
Franz Cikanek jun. erzählt das Gehörte an Klassenkameraden weiter. Diese geben es ihren Eltern weiter, die dies bei der Gestapo anzeigen.
Die deutschen Soldaten in Stalingrad seien Teppen, denn infolge ihres Widerstands und ihres Aushaltens hätten sie nichts anderes zu erwarten als den sicheren Tod. Die Deutschen hätten bis zum Herbst 1943 den Krieg verloren.
Im ehemaligen Österreich sei die Arbeitslosigkeit künstlich durch die NSDAP herbeigeführt worden, um die Bevölkerung für den Nationalsozialismus zu gewinnen. Dadurch hätten die Agenten des Altreiches dann leichtes Spiel gehabt und das Volk gegen die österreichische Regierung aufwiegeln können.
Im Protektorat hätten die Deutschen ganze Dörfer ausgerottet, um die Tschechen zu dezimieren. Dem Führer seien bei seiner Fahrt durchs Protektorat Blumensträusse mit darin verborgenen Messern zugeworfen worden.
Bereits Ende April 1943 kursieren in Hollabrunn Gerüchte, dass eine Verhaftung durch die Gestapo unmittelbar bevorsteht, weshalb die Familie Cikanek das Hören von 'Feindsendern' einstellt.
Am 10. Mai 1943 werden Franz Cikanek jun., Vinzenzia Cikanek und Franz Cikanek sen. sowie die beiden Töchter von der Gestapo verhaftet. Die beiden Töchter werden bald entlassen, den anderen Familienmitgliedern wird der Prozess gemacht. Franz Cikanek jun. ist zuerst kurz im Mai 1943 inhaftiert und dann einzweites Mal zwischen Juni 1943 und Dezember 1943. Er befindet sich zu diesem Zeitpunkt gerade in der 6. Klasse des Gymnasiums Hollabrunn und muss die Schule abbrechen.
In einem Prozess vor dem Sondergericht am 17. August 1943 wird Vinzenzia Cikanek wegen Rundfunkverbrechens zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Ihr Ehemann wird im gleichen Prozess zum Tode verurteilt und am 8. Oktober 1943 im Landesgericht Wien hingerichtet.
Franz Cikanek jun. wird am 29. April 1944 der Prozess vor dem Sondergericht gemacht, bei dem er zu einem Jahr Zuchthaus wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt wird.

Am 18. September 1944 tritt er seine Haft in der Haftanstalt Kaiser-Ebersdorf in Wien an. Aus dieser wird er am 3. April 1945 entlassen.
Nach der Befreiung Österreichs im Mai 1945 besucht er einen Überbrückungskurs an der Universität Wien um die Matura zu erlangen. Danach absolviert er die Lehrerbildungsanstalt in Wiener Neustadt und tritt im Juni 1946 seinen Dienst als Lehrer in der Volksschule Hollabrunn an. Er engagiert sich in der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich. 1954 heiratet er schließlich. Als Volksschullehrer geht er in den Ruhestand und verstirbt sehr jung mit 63 Jahren. Er findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Hollabrunn.
Orte
Wohnort:
Quellen
Landesarchiv NÖ
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
