Franz Cikanek sen.
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 10.05.1943 - 08.10.1943,
Ermordet am 08.10.1943
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Franz Cikanek wird als Sohn eines sozialistischen Arbeiterehepaares in Elbekostelec in Böhmen [heute Kostelec nad Labem in Tschechien] geboren. Er besucht dort die Volks- und Bürgerschule und absolviert im Anschluss eine Lehre als Korbflechter. Danach arbeitet er zuerst in Warnsdorf [heute Varnsdorf in Tschechien] und zieht 1909 nach Wien um dort diesem Handwerk nachzugehen. In dieser Zeit tritt er der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) [heute SPÖ] bei; tritt später aber wieder aus. 1917 wird er zum IR 28 in den Ersten Weltkrieg eingezogen und dient an der österreichisch-italienischen Front.
Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg arbeitet er wieder als Korbflechter in Wien. 1923 heiratet er die hollabrunner Witwe Vinzenzia Hrabanek, geborene Kudela, die eine Tochter und den Korbflechterbetrieb ihres verstorbenen Ehemannes in die die Ehe einbringt. Er zieht nach Hollabrunn in Niederösterreich und übernimmt den Betrieb seiner Ehefrau. Mit Vinzenzia Cikanek hat er einen Sohn, Franz Cikanek jun., und eine Tochter.
Als Gegner des Nationalsozialismus und überzeugter Österreicher tritt er 1937 der Vaterländischen Front bei. Am 12. März 1938 muss Franz Cikanek sen. den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs erleben, als das nationalsozialistische Deutsche Reich in Österreich einmarschiert.
Gemeinsam mit den Töchtern und Franz Cikanek jun., hören Franz Cikanek sen. und Vinzenzia Cikanek vom Frühjahr 1940 bis April 1943 mehrmals wöchentlich die deutschsprachigen und tschechischen Sendungen des englischen Rundfunks, den Schweizer Sender ‘Beromünster’ sowie bis zum Zusammenbruchs Frankreichs einen französischen Sender, die sogenannten ‘Feindsender’.
Sein Sohn verbreitet das Gehörte und von den Eltern aus dem tschechischen Übersetzte in der Schule an Klassenkameraden weiter. Klassenkameraden geben es ihren Eltern weiter, die dies bei der Gestapo anzeigen.
Bereits Ende April 1943 kursieren in Hollabrunn Gerüchte, dass eine Verhaftung durch die Gestapo unmittelbar bevorsteht, weshalb die Familie Cikanek das Hören von 'Feindsendern' einstellt.
Am 10. Mai 1943 wird Franz Cikanek sen., Vinzenzia Cikanek, Franz Cikanek jun. sowie die beiden Töchter von der Gestapo verhaftet. Die beiden Töchter werden bald entlassen, den anderen Familienmitgliedern wird der Prozess gemacht.
In einem Prozess vor dem Sondergericht am 17. August 1943 werden Franz Cikanek sen. zum Tode und seine Frau Vinzenzia zu fünf Jahren Zuchthaus wegen Rundfunkverbrechen verurteilt. In einem weiteren Prozess vor dem Sondergericht wird Franz Cikanek jun. am 29. August 1944 wegen Wehrkraftzersetzung zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt.
Franz Cikanek sen. wird am 8. Oktober 1943 im Landesgericht Wien durch das Fallbeil ermordet.
Quellen
Landesarchiv NÖ
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
