Vinzenzia Cikanek (geb. Kundela)

Personalia

Geboren:

1. Jänner 1886, Krzepitz

Gestorben:

12. November 1971, Hollabrunn

Beruf:

Hausfrau

Verfolgung:

Haft 10.05.1943 - 29.04.1945

Lebenslauf

Vinzenzia Kundela wird als eheliche Tochter von Betreibern einer Milchwirtschaft in Krzepiz in Böhmen [heute Tschechien] geboren. Sie besucht eine deutsch-tschechisch gemischtsprachige Volksschule. Nach dem Schulbesuch arbeitet sie bis 1904 im elterlichen Betrieb, geht dann als Dienstmagd nach Wien und Klosterneuburg-Weidling. 1909 heiratet sie den Korbflechter Thomas Hrabanek, zieht zu ihm nach Hollabrunn und hat eine gemeinsame Tochter mit ihm. In Hollabrunn betreibt er einen Korbflechterbetrieb. Thomas Hrabanek fällt im Ersten Weltkrieg.

1923 heiratet sie den Korbflechtermeister Franz Cikanek sen. und nimmt seinen Namen an. Er führt ab diesem Zeitpunkt den Betrieb ihres verstorbenen Ehemannes. Gemeinsam haben sie noch eine Tochter und den Sohn Franz Cikanek jun.

Das ehemalige SDAP-Mitglied Franz Cikanek sen. ist überzeugter Gegner des Nationalsozialismus und tritt 1937 der Vaterländischen Front bei.

Am 12. März 1938 muss Vinzenzia Cikanek den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs erleben, als das nationalsozialistische Deutsche Reich in Österreich einmarschiert.

Gemeinsam mit den Töchtern und Franz Cikanek jun., hören Vinzenzia Cikanek und Franz Cikanek sen. vom Frühjahr 1940 bis April 1943 mehrmals wöchentlich die deutschsprachigen und tschechischen Sendungen des englischen Rundfunks, den Schweizer Sender ‘Beromünster’ sowie bis zum Zusammenbruchs Frankreichs einen französischen Sender, die sogenannten ‘Feindsender’.

Ihr Sohn verbreitet das Gehörte und von den Eltern aus dem tschechischen Übersetzte in der Schule an Klassenkameraden weiter. Klassenkameraden geben es ihren Eltern weiter, die dies bei der Gestapo anzeigen.

Bereits Ende April 1943 kursieren in Hollabrunn Gerüchte, dass eine Verhaftung durch die Gestapo unmittelbar bevorsteht, weshalb die Familie Cikanek das Hören von 'Feindsendern' einstellt.

Am 10. Mai 1943 wird Vinzenzia Cikanek, Franz Cikanek sen., Franz Cikanek jun. sowie die beiden Töchter von der Gestapo verhaftet. Die beiden Töchter werden bald entlassen, den anderen Familienmitgliedern wird der Prozess gemacht.

In einem Prozess vor dem Sondergericht am 17. August 1943 wird Vinzenzia Cikanek wegen Rundfunkverbrechen zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Ihr Ehemann wird im gleichen Prozess zum Tode verurteilt und am 8. Oktober 1943 im Landesgericht Wien hingerichtet. In einem weiteren Prozess vor dem Sondergericht wird Franz Cikanek jun. am 29. August 1944 wegen Wehrkraftzersetzung zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt.

Vinzenzia Cikanek ist bis 29. April 1945 in der Haftanstalt Aichach in Bayern inhaftiert und wird dort von den Amerikanern befreit. Sie kehrt heim nach Hollabrunn und eröffnet den Korbflechterbetrieb wieder 1947. Sie führt den Betrieb bis zur Pensionierung und verstirbt in Hollabrunn mit 85. Ihre letzte Ruhestätte findet sie am Friedhof in Hollabrunn.

Orte

Wohnort:

Galgasse 25 (Hollabrunn)

Quellen

Landesarchiv NÖ

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Vinzenzia Cikanek

Hausfrau
* 1. Jänner 1886
Krzepitz
† 12. November 1971
Hollabrunn
Haft