Universitätsprofessor Dr. Ernst Florian Eduard Leopold Stephan Wenzel Winter

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 14.03.1938,
Flucht April 1938,
Widerstand - Dienst in der US-Army 06.03.1943 - 11.03.1946
Ehrungen:
American Service Medal
Asiatic-Pacific Service Medal
Good Conduct Medal
World War II Victory Medal.
Egon Ranshofen-Wertheimer Preis
Weltmenschpreis in Pfaffstätten
Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Ernest Florian Eduard Leopold Stephan Wenzel Winter kommt in Wien als ältestes Kind des Schriftstellers und späteren Wiener Vizebürgermeisters Ernst Karl Winter und dessen Ehefrau Margaretha Maria, geborene Svoboda, zur Welt. Er wächst in einem ausgesprochen politischen Elternhaus auf. Sein Vater zählt zu den prononciertesten Vertretern eines eigenständigen österreichischen Staats- und Nationsbewusstseins und bekämpft sowohl den Nationalsozialismus als auch die Okkupationspläne Österreichs durch das Deutsche Reich. In der Wohnung der Familie verkehren Persönlichkeiten wie Alfred Missong, August Maria Knoll, Hans Karl Freiherr Zessner von Spitzenberg und Engelbert Dollfuß. Winter erlebt die politischen Diskussionen seines Vaters daher bereits als Jugendlicher unmittelbar mit.
Nach der Volksschule besucht Ernst Florian Winter das Gymnasium in der Klostergasse im 18. Wiener Gemeindebezirk und engagiert sich im katholischen 'Bund Neuland'.
Am 12. März 1938 erlebt Ernst Florian Winter, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Die Familie ist aufgrund des politischen Engagements von Ernst Karl Winter sehr gefährdet. Er befand sich auf einer Bundesländer-Tour in Steyr, flüchtete aber am 11. März 1938 in die Schweiz. Als die Gestapo Ernst Karl Winter am 14. März 1938 in seinem Wohnhaus verhaften möchte und dieser nicht zugegen ist, verhaften sie den 14-jährigen Ernst Florian Winter. Durch Intervention seiner Mutter wird er noch am gleichen Tag entlassen, er weiß jedoch, dass er weiterhin sehr gefährdet ist.
Daher flüchtet Ernst Florian Winter im April 1938 zu seinem Vater in die Schweiz. Seine Mutter und seine Geschwister folgen. Über Frankreich und Großbritannien gelangt die Familie schließlich im Oktober 1938 in die Vereinigten Staaten von Amerika und lässt sich in Tenafly, New Jersey, nieder.
In den Vereinigten Staaten setzt Ernst Florian Winter seine Ausbildung fort. Von Oktober 1938 bis Mai 1941 besucht er die High School in Tenafly, New Jersey. Anschließend studiert er am Columbia College in New York.
Am 6. März 1943 wird Ernst Florian Winter in die amerikanischen Streitkräfte aufgenommen; am 13. März 1943 beginnt sein aktiver Dienst. Er dient als 'Interpreter' [Anm.: Dolmetscher] bei der Headquarters Company des 343rd Infantry Regiment. Seine Army Serial Number lautet 32 772 796.
Im Frühjahr 1945 wird er mit seiner Einheit nach Europa verlegt. Ernst Florian Winter gehört damit zu jenen österreichischen Emigranten, die in den Streitkräften der Alliierten unmittelbar zur Niederlage des nationalsozialistischen Deutschen Reiches beitragen.
Im Mai 1945 kehrt er als amerikanischer Soldat nach Österreich zurück. Nach seiner späteren Erinnerung überschreitet er im Innviertel als erster austro-amerikanischer Soldat die österreichische Grenze.
Damit erlebt Ernst Florian Winter die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 nicht nur als ehemaliger österreichischer Flüchtling, sondern selbst als Soldat einer alliierten Armee.
Nach dem Einsatz in Europa wird seine Einheit in den asiatisch-pazifischen Raum verlegt. Seine Militärunterlagen weisen sowohl Dienst im europäischen als auch im pazifischen Kriegsschauplatz aus. Am 11. März 1946 wird Private First Class Ernst F. Winter in Fort Dix, New Jersey, ehrenhaft aus der U.S. Army entlassen.
Ernst Florian Winter setzt sein Studium an der Columbia University fort und heiratet am 29. März 1948 in Cresskill/Closter, New Jersey, Johanna Franziska von Trapp, eine Tochter von Georg Ritter von Trapp und Agathe Whitehead und Mitglied der berühmten Trapp-Familie. Er wird in weiterer Folge Vater von sieben Kindern.
An der Columbia University beschäftigt sich Ernst Florian Winter insbesondere mit Politik, internationalen Beziehungen und österreichischer Zeitgeschichte. 1951 schließt er einen Master of Arts mit einer vergleichenden Untersuchung der Regierungen Karl Renners von 1918 und 1945 ab. 1954 folgt seine Promotion mit einer Arbeit über die österreichische Landwirtschaft zwischen 1848 und 1953. Danach unterrichtet er an der Universität in Columbia.
1960/61 folgt Ernst Florian Winter einer Einladung nach Österreich, um am Aufbau der Politikwissenschaft mitzuwirken. Von September 1961 bis September 1963 arbeitet er als außerordentlicher Universitätsprofessor an der Universität Salzburg bzw. am Internationalen Forschungszentrum Salzburg. Von Oktober 1963 bis Oktober 1964 ist er am Institut für Höhere Studien in Wien tätig. Er tritt der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.
Am 1. Juni 1964 wird Ernst Florian Winter von Außenminister Bruno Kreisky zum ersten Direktor der Diplomatischen Akademie Wien nach dem Zweiten Weltkrieg bestellt. Er gehört damit zu den maßgeblichen Persönlichkeiten beim Wiederaufbau der österreichischen diplomatischen Ausbildung nach 1945. Diese Funktion hat er bis 1967 inne.
Zwischen 1968 und 1970 ist Ernst Florian Winter Direktor der Sozialwissenschaft der UNESCO in Paris. Sein Freund Henry Kissinger hatte ihn für diese Tätigkeit vorgeschlagen. Gleichzeitig ist er ab 1968 Verhandlungsführer zwischen den USA und der Volksrepublik China. Er ist zwischen 1970 und 1972 Mitglied des UN-Komitees der Vereinigten Staaten zur Erarbeitung einer neuen China-Strategie. Im Jänner 1972 gehört er als erster US-Amerikaner zu einer ausgewählten Gruppe, die vom damaligen chinesischen Premierminister Zhou Enlai zu einem zweimonatigen Aufenthalt am Institut der Außenpolitik der Volksrepublik China eingeladen wird. 1974 ist Ernst Florian Winter im Rahmen von UNEP-FAO Vorsitzender der ersten Mission der UN-Vertretung in China. Im darauffolgenden Jahr leitet er die China-Mission der UNEP-WHO. Von 1972 bis 1978 führt ihn seine Tätigkeit bei der UNEP regelmäßig als Chefberater nach Nairobi. 1975 ist Ernst Florian Winter Gründungsmitglied der Resources and Industries Associates Group und fungiert als Leiter der Abteilung für Landwirtschafts- und Umwelttechnologien in New York City und Vancouver. Dieses Amt hat er bis 1994 inne. Zwischen 1989 und 1994 ist er als ranghoher Mitarbeiter der UNIDO in Wien tätig.
Weitere politische Aufträge der Vereinten Nationen führen ihn unter anderem nach Genf, Russland und in die Mongolei. Insgesamt hat er in 83 Ländern gelebt und gearbeitet.
Ab den 1990er Jahren bewirtschaftet Ernst Florian Winter im Osttiroler Defereggental ein biologisches Selbstversorgerareal. Außerdem engagiert er sich für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen Landwirtschaft im Kosovo, weshalb er jährlich in diese Region reist. Dort lehrt er auch an der University of Business and Technology in Priština.
Ernst Florian Winter verstirbt mit 90 Jahren in Wien und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Gersthof.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Diplomatische Akademie Wien unter www.da-vienna.ac.at
Austria Forum unter www.austria-forum.org/af/AustriaWiki/Ernst_Florian_Winter
Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Florian_Winter
