Kurt Othmar Pollak

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Kurt Pollak
Bild: Landesarchiv NÖ

Personalia

Geboren:

17. Februar 1924, Wien

Gestorben:

5. April 1987, St. Pölten

Beruf:

Beamter

Verfolgung:

Haft 29.02.1944 - 06.04.1945

Mitgliedschaften

Mischlingsliga in Wien, Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Kurt Othmar Pollak kommt in Wien als ehelicher Sohn des zum katholischen Glauben konvertierten Vertreters Richard Pollak und Josefine Johanna, geborene Hrabernik, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er eine Hauptschule, mit dem Ziel im Anschluss auf das Technische Gewerbemuseum (TGM) zu gehen. Seine private Leidenschaft ist das Musizieren.

Am 12. März 1938 muss der 14-jährige Schüler erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Kurt Pollak als 'Mischling I. Grades' bzw. ‘Halbjude’ gilt.

Kurt Pollak kann im Sommersemester 1938 noch die Hauptschule abschließen, ein Besuch des Technischen Gewerbemuseums (TGM) wird ihm aber aus 'rassischen Gründen' verwehrt. Daher besucht er zwischen 1939 und 1941 eine Wirtschaftsschule und arbeitet im Anschluss bei der Firma Kerner & Benetsch als kaufmännischer Angestellter. 1940 wird die Ehe der Eltern geschieden; sein Vater wird später in das KZ Ausschwitz deportiert und dort ermordet.

Über seinen Bruder Robert Pollak wird Kurt Pollak im Juni 1943 für die Widerstandsgruppe Mischlingsliga in Wien (MLW) als Mitglied geworben. Er nimmt an mehreren Ausflügen teil und zahlt seine Mitgliedsbeiträge. Nachdem sein Bruder für die militärische Ausbildung zuständig ist, nimmt er auch an der Ausbildung teil. Nach internen Zerwürfnissen tritt Kurt Pollak gemeinsam mit seinem Bruder im Spätherbst 1943 aus der Organisation aus.

Nach der Enttarnung der Mischlingsliga in Wien (MLW) wird Kurt Pollak am 29. Februar 1944 von der Gestapo verhaftet und in einem Prozess vor dem Volksgerichtshof am 20. und 21. September 1944 wegen 'Vorbereitung zum Hochverrat' zu zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Er verbüßt die Strafe im Landesgericht Krems, wo er gesundheitlich sehr leidet.

Kurt Pollak wird am 6. April 1945 von der Roten Armee in Krems befreit. Dort erlebt er die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er kehrt zurück nach Wien , tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei und absolviert 1948 die Externistenmatura. An ein Studium ist aus finanziellen Gründen nicht zu denken. 1949 beginnt er im Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen im Außendienst zu arbeiten. 1952 heiratet er Maria Hohenauer und wird in weiterer Folge Vater zweier Kinder. Im gleichen Jahr zieht er nach Obergrafendorf in Niederösterreich.

Seine gesundheitlichen Probleme verschlimmern sich in den folgenden Jahren, weshalb er ab 1961 nur mehr Innendienst versehen kann.

Als Beamter geht Kurt Pollak in Pension und verstirbt mit 63 Jahren in St. Pölten.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Landesarchiv NÖ

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Matricula Online

Kurt Pollak

Beamter
* 17. Februar 1924
Wien
† 5. April 1987
St. Pölten
Haft