DDr. Heinrich Adolf Franz Siegel

Personalia

Geboren:

14. November 1900, Brünn

Gestorben:

5. Juli 1940, Oppeln

Beruf:

Beamter der Finanzprokuratur

Verfolgung:

Widerstandskämpfer (unentdeckt)

Mitgliedschaften

Österreichische Freiheitsbewegungen

Lebenslauf

Heinrich Adolf Franz Siegel kommt in Brünn in Mähren [heute: Brno in Tschechien] als ehelicher Sohn des Universitätsprofessors Carl Siegel und seiner Gattin Bertha, geborene Mrha, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er in Wien und Gmunden das Gymnasium und maturiert im März 1918 mit Auszeichnung. Im Wintersemester 1918/19 inskribiert er Chemie an der Universität Wien und der Universität Freiburg, wo er am 3. März 1933 zum Doktor der Chemie promoviert wird. Danach ist er als technischer Volontärsassistent für Chemie an der Technischen Hochschule Karlsruhe tätig.

Im Jahre 1924 kehrt Heinrich Siegel nach Wien zurück und inskribiert Jus an der Universität Wien. Er wird am 14. November 1928 zum Doktor der Rechte promoviert. Er heiratet Mathilde Rücker und wird in weiterer Folge Vater einer Tochter und eines Sohnes.

Heinrich Siegel leistet bei verschiedenen Gerichten seine Gerichtspraxis und ist anschließend bis Mitte 1930 bei verschiedenen Rechtsanwälten als Konzipient tätig. Am 22. September 1930 tritt er in den Dienst der österreichischen Finanzprokuratur. Am 22. Februar 1934 besteht er seine Rechtsanwaltsprüfung und tritt in weiterer Folge der Vaterländischen Front bei, wobei er sich nicht politisch engagiert. Ideologisch ist er der liberalen Weltanschauung zuzuordnen und pflegt auch Kontakt zu intellektuellen Juden. Am 10. Dezember 1936 tritt Karl Lederer in den Dienst der österreichischen Finanzprokuratur.

Am 12. März 1938 muss Heinrich Siegel erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Obwohl er nach Außen hin angepasst agiert, sammelt er um sich Personen, die ebenfalls in Opposition zum nationalsozialistischen Regime stehen. Im Rahmen dessen spricht er auch seinen Kollegen Karl Lederer an.

[…] Dr. Siegel soll um diese Zeit bereits einen Kreis von Männern um sich versammelt haben, die vermöge ihrer geistigen Fähigkeiten uns sonstigen Stellungen im öffentlichen Leben in der Lage gewesen wären, durch ihren Einsatz im entscheidenden Moment Chaos zu meistern. Über Anregung des Dr. Siegel sollte nun Dr. Lederer seinerseits ebenfalls Ausschau nach solchen Männern halten und diese dann in einer bestimmten Form um sich sammeln. […]

Aus dem Schlussbericht der Gestapo über Karl Lederer

Karl Lederer gründet in weiterer Folge die Österreichische Freiheitsbewegung, die parallel zur Österreichischen Freiheitsbewegung um den Augustiner-Chorherr Roman Karl Scholz und die Großösterreichische Freiheitsbewegung um Jakob Kastelic entsteht. 1940 arbeiten die drei Gruppen an einem Zusammenschluss.

Heinrich Siegel ist anfangs involviert, rückt aber am 21. Oktober 1939, nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges freiwillig ein. Als Unterfeldwebel wird er in Oppeln [heute: Opole in Polen] stationiert, wo er an Bauchtyphus (Typhus abdominalis) erkrankt. Er verstirbt an dieser Krankheit am 5. Juli 1940.

Ab Juni 1940 werden gut 300 Personen dieser Widerstandsgruppen vom Burgschauspieler Otto Hartmann verraten (Otto Hartmann wird in der Folge 1947 zu lebenslanger Haft verurteilt und 1957 begnadigt) und die Mitglieder der Widerstandsgruppen sukzessive verhaftet. Viele, darunter auch Karl Lederer, werden von den Nationalsozialisten ermordet.

Orte

Wohnort:

Quellen

Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Archiv der Universität Wien

www.myheritage.com

Heinrich Siegel

Beamter der Finanzprokuratur
* 14. November 1900
Brünn
† 5. Juli 1940
Oppeln
Widerstandskämpfer (unentdeckt)