Johanna Josefine Leopoldine Aloisia Horsky (geb. Färber)

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Tätigkeitsverbot 03.04.1940
Haft 24.07.1944 - 24.01.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Johanna Josefine Leopoldine Aloisia Färber kommt in Wien als eheliche Tochter des Briefträgers Josef Färber und seiner Gattin Anna, geborene Göttler, zur Welt. Nach dem Besuch der Volks- und Bürgerschule arbeitet sie zuerst im Haushalt ihrer Eltern und ist später als Kontoristin tätig.
Nachdem ihr Vater aus dem Ersten Weltkrieg kriegsversehrt heimkehrt, bekommt er nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg im Jahre 1918 eine Lizenz für eine Trafik in der Belvederegasse 22, im 4. Wiener Gemeindebezirk. Nach seinem baldigen Tod übernimmt die Trafik ihre Mutter. 1922 heiratet Johanna Horsky den ÖBB-Beamten Rudolf Horsky; die Ehe bleibt jedoch kinderlos. Rudolf Horsky verstirbt bereits 1926.
Nach dem Tod der Mutter übernimmt schließlich Johanna Horsky die Trafik. 1934 tritt die gläubige Katholikin und patriotische Österreicherin der Vaterländischen Front bei und ist förderndes Mitglied einer der Vaterländischen Front nahestehenden Kampforganisation gegen den Nationalsozialismus.
Bereits 1930 nahm sie Bernhard Birk als Mieter in ihre Wohnung auf. Der in Deutschland geborene Bernhard Birk ist Mitglied von strikt anti-nationalsozialistischen Studentenverbindungen, Bezirksleiter einer der Vaterländischen Front nahestehenden Kampforganisation gegen den Nationalsozialismus und Redakteurs bei der Zeitschrift 'Schönere Zukunft' und später beim 'Neuigkeits-Weltblatt'. Er hat eine unnachgiebige, entschiedene und strikte den Nationalsozialismus ablehnende Haltung. Nach der Besetzung Österreichs wird er sofort verhaftet und in das KZ Dachau und das KZ Flossenbürg deportiert.
Am 12. März 1938 erlebt Johanna Horsky den Untergang des freien und unabhängigen Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht. Nachdem sie Bernhard Birk zwischen 1930 und 1938 bei sich aufgenommen hat, kündigt ihr der Oberfinanzpräsident Wien am 3. April 1940 die Lizenz für ihre Trafik.
Da Sie als Lizenzinhaberin der obigen Tabak-Trafik von Standpunkte der NSDAP absolut untragbar sind, wird Ihnen die Tabak-Trafik in Wien IV, Belvederegasse 22 gemäß § 57 Absatz 3 der Trafikantenvorschrift als unerwünschte Vertragspartnerin der Verschleißbehörde vertragsmäßig dreimonatig gekündigt.
Johanna Horsky lebt danach als Privatier in Wien. Am 13. Oktober 1943 fährt sie in Begleitung einer Freundin mit der Pressburger Bahn von Wien nach Engerau. Bei einer Zwischenstation setzt sich das NSDAP Mitglied Minkendorfer, die ein Parteiabzeichen trägt, in das Abteil. Johanna Horsky macht ihre Begleitung durch ein entsprechendes abwertendes Handzeichen auf das Parteiabzeichen aufmerksam. Danach erzählt von einer eine Familie, die in einem Splittergraben bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen ist, während ihr Wohnhaus unbeschädigt blieb und hinterfragt die Sinnhaftigkeit von Splittergräben. Schließlich kritisiert sie die Versorgungslage, meint aber, dass die Furcht des Hungerns noch nicht groß genug sei.
Das NSDAP Migleid Minkendorfer denunziert Johanna Horsky bei der Gestapo und sie wird auf freiem Fuß angezeigt. In einem Prozess vor dem Sondergericht am 9. Juli 1944 wird sie wegen 'Heimtücke' zu sechs Monaten Haft verurteilt. Sie tritt ihre Haft am 24. Juli 1944 an und kommt am 24. Jänner 1945 frei.
In Freiheit erlebt sie die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Bereits am 18. Dezember 1945 erhält sie die Lizenz für ihre Trafik in der Belvederegasse 22 im 4. Wiener Gemeindebezirk zurück. Sie tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.
Als Trafikantin geht Johanna Horsky in Pension. Sie heiratet kein zweites Mal und verstirbt kinderlos in Wien. Sie findet ihre letzte Ruhestätte am Wiener Zentralfriedhof.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Matricula Online
Friedhöfe Wien - Verstrobenensuche
