Viktor Hubert Hänisch (geb. Sinek)
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
KZ Theresienstadt 25.02.1943 - 08.05.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Viktor Hubert Sinek kommt in Prag im heutigen Tschechien als unehelicher Sohn des Arztes Johann Karl Hänisch und Katharina Sinek zur Welt. Sowohl die Mutter als auch der Vater sind jüdischen Glaubens, weshalb er Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde wird. Nach der Volksschule absolviert er die Realschule.
1894 heiratet Viktor Hänisch im Wiener Stadttempel die Jüdin Helene Neufeld und wird in weiterer Folge Vater zweier Söhne. Zwischen 1896 und 1897 ist er Inhaber der Holzwarenfabrik 'Sinek & Co' mit Niederlassungen in Wien und Tasshof an der Triesting. Im Dezember 1897 meldet er sich mit seiner Familie nach London ab, inskribert in Wien 1902 Forstwirtschaft an der k.k. Hochschule für Bodencultur [heute: Universität für Bodenkultur Wien], beendet das Studium aber nicht und geht 1906 ab. Später hält er sich in Ungarn auf und nimmt in weiterer Folge in Rosenau unter dem Radhoscht im Mähren [heute: Rožnov pod Radhoštěm in Tschechien] einen Posten als Privatsekretär des dortigen Gutsbesitzers Alexander Freiherr Popper von Podhragy an. 1907 tritt er zum evangelischen Glauben A.B. über, seine Ehefrau jedoch nicht.
Vermutlich im Jahre 1910 oder 1911 übernimmt Viktor Sinek die Stelle eines Sekretärs bei der Bukarester Expositur der Wiener 'Wald Explorations-A.G. Tisita' und ist für den Verkehr mit den rumänischen Behörden zuständig. Angeblich verleiht ihm ein rumänischer Minister den den Ehrentitel 'Generalsforstinspektor' und 'Ministerialrat'.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges muss er Rumänien verlassen, wird aber in Wien nicht von der Wald Explorations-A.G. Tisita übernommen, da er angeblich die Leitung des Unternehmens durch seine Bukarester Tätigkeit kompromittiert hat. 1923 ändert er seinen Nachnamen auf 'Hänisch' und nennt sich zuerst 'Hänisch-Sinek', später nur 'Hänisch' oder auch 'Freiherr von Hänisch'. 1925 scheitert ein Versuch in der österreichischen Forstverwaltung in leitender Position aufgenommen zu werden.
In Wien geht Viktor Hänisch keiner Beschäftigung nach, engagiert sich aber ehrenamtlich im Wissenschaftlichen Klub und in der Österreichischen Völkerbund-Liga.
Am 12. März 1938 muss der inzwischen 72-jährige Viktor Hänisch erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen er als 'Volljude’ gilt.
Altersbedingt muss Viktor Hänisch nicht arbeiten. Am 25. Februar 1943 werden er und seine Ehefrau in das KZ Theresienstadt deportiert. Sie überleben das Konzentrationslager und werden am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit.
In Terezín in der Tschechischen Republik erleben Viktor und Helene Hänisch die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Sie kehren nach Wien zurück und treten der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Viktor Hänisch engagiert sich darüber hinaus in der Österreichischen Liga für die Vereinten Nationen.
Viktor Hänisch verstirbt mit 90 Jahren in Wien und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Neustift.
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Archiv der Universität für Bodenkultur
Matricula Online
Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche
