Oberst a.D. Friedrich Joseph Freiherr Reichlin von Meldegg

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 21.03.1938 - 01.05.1938
Ehrungen:
Orden der Eisernen Krone 3. Klasse KD und Schwertern
Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit KD und Schwertern
Bronzene Militärverdienstmedaille am Bande mit Schwertern
Silberne Militärverdienstmedaille am roten Bande
Militärverdienstmedaille am roten Bande
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Friedrich Joseph Freiherr Reichlin von Meldegg kommt in Wien als ehelicher Sohn des Feldmarschallleutnants Karl Friedrich Freiherr Reichlin von Meldegg und Maria Rosa Susanna Angela Augusta, geborene Reitz, in Wien zur Welt. Nach der Volksschule wechselt er 1884 an die Militärunterrealschule in Eisenstadt und später an die Militäroberrealschule nach Mährisch Weissenkirchen [heute: Hranice na Moravě in Tschechien], wo er 1891 maturiert. Zwischen 1891 und 1894 absolviert er die Theresianische Militärakademie in Wiener Neudstadt und tritt am 1. August 1894 als Leutnant in das Infanterie-Regiment Nr. 1 ‘Kaiser’ ein.
Nachdem er in einigen anderen Regimentern gedient hat, wird Friedrich Freiherr Reichlin von Meldegg am 1. August 1902 zum Oberleutnant im Husaren-Regiment Nr. 5 'Graf Radetzky' befördert. Am 21. Juni 1906 heiratet er die aus einem ungarischen Adelsgeschlecht stammende Gabriella Gosztonyi de Gosztony et Krencs. In der Folge hat er drei gemeinsame Kinder mit ihr.
Am 1. Mai 1911 erfolgt seine Beförderung zum Rittmeister im Husaren-Regiment Nr. 13 ‘Wilhelm Kronprinz des Deutschen Reiches und Kronprinz von Preußen’. Mit diesem Regiment wird er bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges an die russische Front befohlen. Im April 1916 wird er zum Major ernannt und dem Infanterie-Regiment Nr. 14 ‘Hessen’ an der Isonzo-Front zugeteilt. Am 1. August 1917 erfolgt seine Beförderung zum Oberstleutnant und mit Oktober 1918 die Ernennung zum Kommandanten des Husaren-Regiment Nr. 13 ‘Wilhelm Kronprinz des Deutschen Reiches und Kronprinz von Preußen’.

Als Kommandant des Husaren-Regiments Nr. 13 ‘Wilhelm Kronprinz des Deutschen Reiches und Kronprinz von Preußen’ muss Friedrich Freiherr Reichlin von Meldegg den Untergang der österreich-ungarischen Doppelmonarchie und die Vertreibung der Kaiserfamilie aus Österreich erleben.
Nach dem Krief wird er Beauftragter des Internationalen Roten Kreuzes zur Nachforschung von Kriegsgefangenen im Osten.
Am 1. Jänner 1921 wird Friedrich Freiherr Reichlin von Meldegg in den Ruhestand versetzt und gleichzeitig zum Titular-Oberst ernannt.
Friedrich Freiherr Reichlin von Meldegg reicht 1930 in Bezug auf eine waghalsige Waffentat vom April 1915 beim Kapitel des Militär Maria-Theresien-Ordens (MMThO) um Aufnahme ein: Rund um eine Mäanderschlinge des Flusses Dnjester bei Samuszyn in der Nähe von Okna, wo der damalige Rittmeister Friedrich Freiherr Reichlin von Meldegg als Kommandant der 4. Eskadron des Husarenregiments Nr. 13, entgegen einem erhaltenen Befehl auf eigene Faust zum Infanterieangriff gegen russische Einheiten losstürmte, die an unübersichtlicher Stelle den Dnjester mit massiven Kräften überschritten hatten. Wäre es damals nicht gelungen, den in die Samuszynschlinge eingedrungenen Feind zurückzuwerfen, dieses Terrain vom Feind zu befreien und damit die alten Stellungen wieder zu beziehen, so wäre, durch die Rückwirkung auf die Nachbargruppen, das ganze Armeegruppenkommando gezwungen gewesen, die ganze Front der Armeegruppe zurückzunehmen. Nachdem das Kapitel zu diesem Zeitpunkt gerade seine Pforten für immer schließt, wird sein Antrag nicht weiter behandelt.

Als im Ruhestand befindlicher Offizier engagiert er sich in der Zwischenkriegszeit im legitimistischen ‘Reichsbund der Österreicher’. Diese Organisation steht in strikter Gegnerschaft zum Nationalsozialismus und tritt gerade in den 1930ern für ein eigenständiges und unabhängiges Österreich auf.
Als 64-jähriger muss Friedrich Freiherr Reichlin von Meldegg erleben, wie das freie und unabhängige Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 12. März 1938 untergeht. Am 21. März 1938 wird er, aufgrund seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus von der Gestapo in Schutzhaft genommen. Am 1. Mai 1938 wird er wieder aus der Haft entlassen. Er kehrt in seine Wohnung im 13. Wiener Gemeindebezirk zurück.
Im Mai 1945 erlebt er in Wien die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Er verstirbt wenige Monate nach Kriegsende mit 72 Jahren und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Hietzung.
Orte
Wohnort:
Quellen
Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)
Georg Frhr. Reichlin von Meldegg, Privat
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