Ministerialrätin Dr. Eleonora Anna Maria Gabriele (Nora) von Hiltl

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 09.11.1939 - 29.04.1940
Ehrungen:
Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs
Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Wien
Lazo de Mérito Civil (Spanien)
Benemerenti (Päpstliche Verdienstmedaille)
Ehrenring für treue Dienste im Bundesministerium für Unterricht und Kunst
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Eleonora Anna Maria Gabriele von Hiltl, genannt 'Nora', kommt in Wien als eheliche Tochter des Oberst der Kavallerie Ernst Ritter von Hiltl und seiner Gattin Elisabeth, geborene von Neumann-Spallart, zur Welt. Ihre jüngere Zwillingsschwester Herta heiratet 1935 Maximilan Pammer, der von den Nationalsozialisten in das KZ Dachau verschleppt wird. Eleonoras und Hertas Ur-Ur-Großvater war der Fleischhauer und Bankier Josef Ettenreich, der Lebensretter von Kaiser Franz Joseph I. beim versuchten Attentat auf Kaiser Franz Joseph I. 1853.
Bedingt durch den Beruf ihres Vaters muss die Familie anfänglich oft den Wohnort wechseln. Nach Ende des Ersten Weltkriegs läßt sich die Familie in Innsbruck in Tirol nieder, wo Eleonora von Hiltl nach der Mittelschule die Reifeprüfung ablegt.
Nach der einjährigen Haushaltsschule der Ursulinen in Innsbruck beginnt Eleonora von Hiltl an der Musikakademie Wien Musik auf Lehramt zu studieren. Nach der 1928 absolvieren Staatsprüfung für Klavier mit Auszeichnung erwirbt sie 1933 die Staatsprüfung für das Lehramt in Musik an Mittelschulen und Lehrerbildungsanstalten.
1933 kehrt sie zunächst an die Haushaltsschule der Ursulinen in Innsbruck zurück, wo sie bis 1935 unterrichtet. Im September 1935 läßt sie sich endgültig in Wien nieder, wo sie beginnt, an verschiedenen Schulen Musikpädagogik zu unterrichten. Die überzeugte patriotische Österreicherin lehnt den Nationalsozialismus entschieden ab.
Am 12. März 1938 muss Eleonora von Hiltl erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Ab September 1939 ist sie ausschließlich am Gymnasium Wenzgasse in Hietzing sowie an der heutigen Berufsschule Mollardgasse in Mariahilf tätig.
Am 9. November 1939 wird Eleonora von Hiltl wegen des Verdachtes des Hoch- und Landesverrates festgenommen und am 1. Februar 1940 wegen 'Vorbereitung zum Hochverrat' angezeigt. Nachdem ihr nichts nachgewiesen werden kann, ermitteln die Behörden, ob ihr Verbrechen nach dem Heimtückegesetz nachgewiesen werden können. Auch dieser Versuch misslingt und sie wird am 29. April 1940 aus Mangel an Beweisen freigelassen. Nach ihrer Haftentlassung teilt die Gestapo der Schulleitung in der Wenzgasse mit, dass gegen eine Weiterbelassung von Eleonora von Hiltl im Schuldienst keine Bedenken bestünden, allerdings sei auf ihr künftiges Verhalten besonders zu achten und gegebenenfalls sofort Mitteilung zu machen.
Als Lehrerin in Wien erlebt Eleonora von Hiltl die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Sie tritt sofort der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und später der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Bereits am 25. November 1945 wird sie für die Landesorganisation Wien der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) in den Wiener Gemeinderat und Landtag gewählt. Ab 1946 ist sie im Bundesministerium für Unterricht tätig, wo sie mit der Leitung der Abteilung 'Allgemeine Frauenbildung' betraut wird.
Die Rechte der Frauen und die Erwachsenenbildung sind Eleonora von Hiltl ein stetes Anliegen. Sie gründet die Wochenschrift 'Frau von heute' und ist bis 1956 deren Chefredakteurin. Sie ist Vizepräsidentin des Verbandes der Wiener Volkshochschulen und Präsidentin der Volkshochschule Wien-West. Jahrelang ist sie auch Präsidentin der Österreichischen Pfadfinderinnen (PPÖ). Nach ihrer Pensionierung engagiert sich Hiltl in ihrer Wohnpfarre St. Hubertus, Wien Hietzing, wo sie vor allem im Kreise der Seniorinnen und Senioren wirkt.
1968 inskribiert Eleonora von Hiltl an der Wiener Universität und belegte die Fächer Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. Das Thema ihrer Dissertation lautet: 'Die Oper am Hofe Kaiser Leopolds I. mit besonderer Berücksichtigung der Tätigkeit von Minato und Draghi'. Mit 69 Jahren promoviert sie zum Doktor der Philosophie. Im gleichen Jahr wird sie in den Bundesrat entsandt, gehört diesem aber nur bis Dezember 1970 an.
Eleonora vom Hiltl verstirbt mit 73 Jahren ledig und kinderlos an einem Gehirnschlag und wird am Helenenfriedhof in Baden beigesetzt.
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Eleonora_Hiltl
Forum Austria unter www.austria-forum.org/af/Community/Alles_über_Österreich/Hiltl%2C_Nora_%28Eleonora%29
Parlament Österreich
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