Richard Nikolaus (Eijirō Aoyama) Graf von Coudenhove-Kalergi

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Flucht 12.03.1938
Ehrungen:
Großes Silbernes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich
Großes Bundesverdienstkreuz
Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern
Japanischer Erste Verdienstklasse Orden des Heiligen Schatzes und Japanischer Friedenspreis
Ritter der Ehrenlegion
Internationaler Karlspreis zu Aachen
Sonning-Preis
Europäischer Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Konrad-Adenauer-Preis der Deutschland-Stiftung für Politik
Europapreis des Syndicat des journalistes écrivains
Ehrenbürger der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi kommt in Tokio als ehelicher Sohn des österreichischen k.u.k. Geschäftsträgers in Japan Heinrich Graf von Coudenhove-Kalergi und seiner Gattin Mitsuko, geborene Aoyama, zur Welt. In Japan ist er daher auch als Eijirō Aoyama bekannt. Väterlicherseits hatten die brabantischen Coudenhoves den Adelstitel für die Teilnahme am Kreuzzug 1099 erhalten und konnten lückenlos zurückblicken auf den am 3. März 1259 verstorbenen Vorfahren Gerolf. Der Name Kalergi geht auf ein byzantinisch kretisches Adelsgeschlecht zurück, das in den Quellen sowohl als Kalergis als auch als Kalergi erscheint. Die Form Kalergis entspricht der älteren und im Griechischen überlieferten Schreibweise Καλεργής. In der westlichen, vor allem venezianischen Überlieferung finden sich zudem die latinisierten Varianten Calergi und Calergis.
Als Richard Graf von Coudenhove-Kalergi ein Jahr alt ist, übersiedelt die Familie in das elterliche Schloss Ronsperg in Böhmen. Er wird zuerst von Privatlehrern unterrichtet und wechselt im Anschluss auf das Theresianum in Wien, wo er 1913 maturiert. Im gleichen Jahr inskribiert er Philosophie an der Universität Wien. 1915 heiratet er die jüdische Schauspielerin Ida Klausner (Künstlernamen Ida Roland) und wird in weiterer Folge Vater zweier Kinder. 1916 wird er zum Doktor der Philosophie promoviert.
Richard Graf von Coudenhove-Kalergi ist geprägt vom Ersten Weltkrieg, der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg. 1918 nimmt er die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft an.
Den ersten Weltkrieg empfand ich als Bürgerkrieg zwischen Europäern: als Katastrophe erster Ordnung.
1922 entwickelt Richard Graf von Coudenhove-Kalergi als Lehre aus der der Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts, dem Ersten Weltkrieg, die Idee eines 'Pan-Europas' - eines gemeinsamen Vereinten Europas. im gleichen Jahr tritt er der Freimaurerloge 'Humanitas' der Großloge von Österreich [heute: Großloge von Österreich der Alten, Freien und Angenommenen Maurer] bei.
1923 schreibt Richard Graf von Coudenhove-Kalergi auf Schloss Würting in Oberösterreich sein programmatisches Buch 'Pan-Europa'. Im Jahr 1924 gründet er die Paneuropa-Union, die älteste europäische Einigungsbewegung. Im Lauf der Zeit gehören dieser Albert Einstein, Thomas Mann und Otto von Habsburg ebenso an wie Spitzenpolitiker wie Konrad Adenauer, der französische Außenminister und Friedensnobelpreisträger Aristide Briand, der tschechoslowakische Außenminister Edvard Beneš und der französische Ministerpräsident Edouard Herriot. Die österreichische Sektion führen der damalige Bundeskanzler Karl Renner und dessen Stellvertreter Ignaz Seipel an. Richard Graf von Coudenhove-Kalergi ist damit Vordenker der heutigen europäischen Idee und des europäischen Selbstverständnisses und der europäischen Identität. Prinzipien eines Europa im Sinne Coudenhove-Kalergis sind Freiheit, Frieden, Wohlstand und Kultur, die noch heute das Selbstverständnis Europas kennzeichnen.
In den 1930er-Jahrentritt Richard Graf von Coudenhove-Kalergi in verschiedenen Publikationen energisch gegen den nationalsozialistischen Judenhass im Deutschen Reich und den Nationalsozialismus als solches auf. Er führt damit das Werk seines Vaters fort, dessen Studie über das Wesen des Antisemitismus er neu verlegt. Im nationalsozialistischen Deutschen Reich ist die Paneuropa-Union, als Vertreter einer ideologischen Gegenthese streng verboten.
Anfang 1938 ist Richard Graf von Coudenhove-Kalergi in London um ein Bündnis zwischen Frankreich und Großbritannien zur Rettung Europas zu erreichen. Dort erfahren sie vom Berchtesgadener Abkommen vom 12. Februar 1938 und der geplanten Volksabstimmung über den 'Anschluss' Österreichs an der Deutsche Reich für den 13. März 1938. Sofort verläßt er London um über die Schweiz nach Wien zu kommen.
Als wir Anfang März in Wien eintrafen, war die Stadt kaum wiederzuerkennen. Hitlers Drohungen gegen Schuschnigg hatten eine Woge des Patriotismus ausgelöst. Vergessen schien die Feindschaft zwischen Sozialdemokraten und Christlichsozialen. Die Arbeiterschaft Wiens war bereit, unter Schuschniggs Führung mitzukämpfen für die Unabhängigkeit Österreichs.
Getragen von dieser patriotischen Flut, kündigte Schuschnigg für Sonntag, den 13. März, ein Plebiszit an über die Frage der österreichischen Unabhängigkeit. Er war überzeugt, dass siebzig bis achtzig Prozent der Österreicher sich gegen den Anschluss an das Dritte Reich aussprechen würden.
In Erwartung dieses Triumphes über den Nationalsozialismus war Wien in Feststimmung. Das Plebiszit sollte eine Wahlschlacht sein gegen Hitler, ein Sieg für Österreich.
Als am Abend des 11. März 1938 Richard Graf von Coudenhove-Kalergi und seine Ehefrau die Nachricht erreicht, dass Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg unter Druck des Deutschen Reiches und dessen überwältigender militärischen Übermacht sowie dem Bewusstsein, dass kein anderes Land Österreich beistehen würde, demissioniert, um Blutvergießen zu verhindern und Menschenleben zu retten, kippt die österreichisch-patriotische Stimmung.
Richard Graf von Coudenhove-Kalergi und seine Ehefrau haben zu diesem Zeitpunkt Gäste zu Hause. Sofort verabschieden sie die Gäste und fahren in die Schweizer Botschaft. Obwohl sie vom dortigen Botschafter eingladen werden, dort zu übernachten, entschließen sie sich noch in der gleichen Nacht zu fliehen. Nachdem sie in einem Schweizer Diplomatenauto fahren, bleiben sie von den nationalsozialistischen Horden verschont.
Mit einer Pistole in der Hand, für den Fall eines nationalsozialistischen Überfalls auf das Auto, fahren Richard Graf von Coudenhove-Kalergi und seine lEhefrau und Alivne Dollfuss, die Ehefrau des von den Nationalsozialisten ermordeten Bundeskanzler Dollfuss mit einem Chauffeur nach Pressburg [heute. Bratislava in der Slowakei]. Von dort fliehen sie über Budapest nach Agram [heute: Zagreb in Kroatien]. Über Laibach [heute: Ljubljana in Slowenien] fliehen sie nach Italien und weiter in die Schweiz. Dort erfahren sie, wie in der Nacht des 12. März 1938 in Wien mit dem Paneuropa-Büro und der Wohnung Richard Graf von Coudenhove-Kalergi und seiner Ehefrau geschah.
Unser Zentralbüro in der Hofburg wurde sofort besetzt: Der Nazikanzler Seyß-lnquart hatte dort seine Residenz aufgeschlagen. Vierzigtausend Bände des Paneuropa-Verlages wurden vernichtet, ebenso alle unsere Archive und Korrespondenzen seit Beginn der Bewegung. Unsere Wohnung war von der Gestapo durchsucht und versiegelt worden. Der Name Österreichs wurde von der Landkarte gelöscht. Hitlers Stellung in Deutschland und in Europa schien unerschütterlich.
Paneuropa, das vor fünfzehn Jahren aus dem Reich der Utopie zum Leben erweckt worden war, schien nun wieder zurückzusinken in das Reich der Träume.
Im Exil in der Schweiz erhalten Richard Graf von Coudenhove-Kalergi und seine Ehefrau die französische Staatsbürgerschaft. 1942 emigrieren sie weiter in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo Richard Graf von Coudenhove-Kalergi an der New-York-Universität Geschichte, zunächst als Lehrbeauftragter (Lecturer), ab 1944 als Professor lehrt. . Am 22. Juli 1943 wird ihm von der Universität Wien der akademische Grad aberkannt.
In den Vereinigten Staaten von Amerika erleben Richard Graf von Coudenhove-Kalergi und seine Ehefrau die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. 1946 kehren sie zurück nach Wien.
1947 gründet Richard Graf von Coudenhove-Kalergi die Europäische Parlamentarier-Union (EPU), die die Parlamentarier der einzelnen europäischen Parlamente in einer Europa-Versammlung zusammenführen soll. Die EPU behauptet zunächst ihre Eigenständigkeit gegenüber Fusionsangeboten anderer Organisationen, welche die Einigung Europas anstreben. Erst 1952 schließt sie sich der Europäischen Bewegung an. Richard Graf von Coudenhove-Kalergi wird Ehrenpräsident dieser Bewegung. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratet er die Schweizerin Alexandra Gräfin von Tiele, geborene Bally.
Am 18. Mai 1950 erhält Richard Graf von Coudenhove-Kalergi als Erster den internationalen Karlspreis der Stadt Aachen 'in Würdigung seiner Lebensarbeit für ein geeintes Europa'.

Kurze Zeit später unterbreitet er dem Europarat einen Entwurf für eine Europaflagge, der aber wegen der Verwendung des christlichen Symbols des Kreuzes nicht konsensfähig ist. 1955 schlägt er die 'Ode an die Freude', also Beethovens Vertonung von Schillers Gedicht 'An die Freude', als Europäische Hymne vor. Seit 1972 ist die Melodie die Hymne des Europarats und seit 1985 die Hymne der Europäischen Union.
Nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau heiratet er 1968 die Witwe des Komponisten Melanie Benatzky, geborene Hoffmann. Richard Graf von Coudenhove-Kalergi verstirbt mit 77 Jahren in Schruns und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Gstaad in der Schweiz.
Orte
Wohnort:
Ehrung:
Quellen
Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Richard_Coudenhove-Kalergi
Archiv Paneuropa-Bewegung Österreich
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