Erwin Karl Maria von Kasperowski

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 12.08.1940 - 26.12.1942
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Erwin Karl Maria Edler von Kasperowski kommt in Innsbruck als ehelicher Sohn des Oberst der k.u.k. Armee Franz Edler von Kasperowski und seiner Gattin Adele, geborene Luger, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er das Gymnasium Feldkirch in Vorarlberg, wo er 1916 maturiert. Er wird unmittelbar danach in den Ersten Weltkrieg eingezogen, an der italienischen Front eingesetzt und der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt zur Offiziersausbildung zugeteilt.
Im November 1918 erlebt Erwin von Kasperowski die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg. Er rüstet als Oberleutnant aus dem Krieg ab. Im Wintersemester 1918/19 inskribiert er an der Exportakademie Wien [heute: Wirtschaftsuniversität Wien] bricht aber sein Studium bereits nach einem Semester ab und arbeitet danach bei einer Bank. Am 3. Dezember 1920 heiratet er die aus Ungarn stammende jüdische, aber aus der Israelitischen Kultusgemeinde IKG) bereits ausgetretene Stella Renee Lengyel. [Anm.: 1928 konvertiert Stella Renee von Kasperowski zum katholischen Glauben und nimmt die Vornamen Elisabeth Maria an.]
Erwin von Kasperowski nimmt eine Anstellung als Handelsangestellter für den Holzverkauf und Export in Niederländisch Ost-Indinen für neun Jahre an. Nach seiner Heimkehr tritt der als Offizier in den Dienst der österreichischen Luftstreitkräfte ein. Politisch ist er in nicht aktiv.
Am 12. März 1938 erlebt Erwin von Kasperowski mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, den Untergang des freien und unabhängigen Österreich. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen seine Ehefrau als 'Volljüdin’ gilt. Im April 1938 kommt sein Sohn zur Welt, der nach den ‘Nürnberger Rassengesetzen’ als 'Mischling I. Grades' gilt.
Dem Umstand geschuldet, dass sich Erwin von Kasperowski weigert, von seiner Ehefrau scheiden zu lassen und sie dadurch vor weiterer Verfolgung schützt, wird er nicht in die Wehrmacht übernommen und aus dem Heeresdienst entlassen. Danach arbeitet er als Generalagent für die Wiener Allianz Versicherungs-AG. Über seinen Arbeitskollegen Alfred von Roth-Limanowa wird er im Winter 1939 auf die Widerstandsgruppe 'Großösterreichische Freiheitsbewegung' um Jakob Kastelic angesprochen. Nach treffen mit Jakob Kastelic tritt Erwin von Kasperowski der Widerstandsgruppe bei und wirbt weitere Mitglieder.
1940 gelingt es, Verbindung mit den 'Österreichischen Freiheitsbewegungen' um den ehemaligen Mitarbeiter der Finanzprokuratur Karl Lederer und den Augustiner-Chorherren Roman Karl Scholz CanReg aufzunehmen. Erwin von Kasperowski nimmt an den Besprechungen teil.
Ab Juli 1940 werden gut 300 Personen dieser Widerstandsgruppen vom Burgschauspieler Otto Hartmann verraten (Otto Hartmann wird in der Folge 1947 zu lebenslanger Haft verurteilt und 1957 begnadigt) und Erwin von Kasperowski wird am 12. August 1940 von der Gestapo verhaftet. Er verbringt die Haft in unterschiedlichen Haftanstalten wie Anrath und Duisburg-Hamborn und wird am 26. Dezember 1942, aufgrund von schweren gesundheitlichen Problemen, aus der Untersuchungshaft entlassen. In einem Prozess vor dem Volksgerichtshof am 20. Juli 1944 wird er wegen 'Vorbereitung zum Hochverrat' zu einem Jahr Haft unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Das sehr milde Urteil ergeht daher, da viele Zeugen nicht mehr verfügbar und Akten bei einem Bombenangriff auf die Berliner Gestapo-Zentrale verbrannt sind.
In Freiheit erlebt Erwin von Kasperowski die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Beruflich findet er Anstellung als Abteilungsleiter bei der Österreichische Radio-Verkehrs AG (RAVAG).
Erwin von Kasperowski verstirbt mit 62 Jahren in Wien und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Döbling.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Archiv der Wirtschaftsuniversität Wien
GenTeam - Die genealogische Datenbank unter www.genteam.at
