Franz Josef Kittel

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 18.03.1938 - 16.06.1938,
KZ Dachau 16.06.1938 - 23.12.1938
KZ-Nummer:
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Franz Josef Kittel kommt in Wien als ehelicher Sohn des Maschinenarbeiters Josef Kittel und seiner Gattin Auguste, geborene Kramer, zur Welt. Er ist von klein auf schwer kurzsichtig. Mit 15 Jahren verläßt er die Pflichtschule, tritt der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) [heute: Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ)] bei und wird bezahlter Funktionär in der Jugendabteilung des Zentralvereins der kaufmännischen Angestellten.
Nach dem sozialistischen Februaraufstand im Februar 1934 und dem damit einhergehenden Verbot der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) engagiert er sich in der Friedensbewegung um den katholischen, legitimistischen Vizebürgermeister von Wien, Ernst Winter. Über diese Kreise wird er schließlich Mitglied des Reichsbunds der Österreicher. Dort stemmt sich der entschiedene Gegner des Nationalsozialismus gegen Adolf Hitlers Pläne, das unabhängige Österreich einzuverleiben.
Am 12. März 1938 muss der österreichische Patriot erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Am 18. März 1938 wird er von der Gestapo verhaftet und am 16. Juni 1938 in das KZ Dachau deportiert. Die schweren körperlichen Belastungen, des zur Zwangsarbeit im Straßenbau eingesetzten Josef Kittel führen zu dem Sehverlust des linken Auges. Am 23. Dezember 1938 wird er aus der Haft entlassen und kehrt nach Wien zurück, wo er sich regelmäßig bei der Gestapo melden muss.
Nach einer arbeits- und einkommenslosen Zeit findet er Anstellung bei einer Speditionsfirma. Am 2. Dezember 1939 heiratet er Auguste Jelinek. Die Ehe bleibt kinderlos.

In Wien erlebt Franz Kittel die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP), der Österreichischen Jugendbewegung (ÖJB) [heute: Junge Österreichische Volkspartei (JVP)] und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. In der Österreichischen Jugendbewegung (ÖJB) ist er Gründungsmitglied, Bundesvorstandsmitglied und einer der ersten Landesobmänner der Österreichischen Jugendbewegung - Landesorganisation Wien.
Nie wieder Anschluss! Nie wieder Dachau!
Beruflich eröffnet Franz Kittel eine Trafik und ist bis 1972 Bundesgremialvorsteher der Tabakverleißer. Innerhalb der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich ist er jahrelanger Chefredakteur der Zeitung 'Der Freiheitskämpfer' und Landesobmann-Stellvertreter der Wiener Landesorganisation . Auch schriftstellerisch wird er tätig und schreibt ein Buch mit dem Titel 'Nacht über Österreich'.
Wir müssen zu leidenschaftlichen Bekennern des Friedens werden. Friede in der kleinsten Zelle, in Familie, Schule oder Beruf ist die erste Voraussetzung für den Frieden in der Welt. Kein Mensch ist vollkommen. Ich kann meinen Mitbruder in der Gemeinschaft nur so nehmen, wie er ist. Achte ich seine Haltung, habe ich Verständnis für seine Schwächen, gewinne ich auch sein Vertrauen. Vertrauen ist einer der wichtigsten Grundpfeiler des Friedens.
Stellen wir alles Trennende zurück. Beseitigen wir alle Hemmnisse, die einem friedlichen Zusammenleben entgegenstehen. Es setzt voraus, dass wir bereit sind, auch selbst zu verzichten. Nur dort, wo Menschen zu Menschen in Vertrauen und Verständnis zueinander stehen, wird Eintracht herrschen. Wo Eintracht herrscht, herrscht Friede, wo Zwietracht besteht, gibt es Krieg. Und Krieg heißt Zerstörung, Vernichtung, Untergang und Tod.
Dies wollen und müssen wir der Jugend immer wieder vor Augen führen. Die ganze Scheußlichkeit des Krieges, die Furchtbarkeit der Desorganisation des menschlichen Lebens durch den Krieg müssen wir immer wieder aufzeigen.
Die Jugend muss mit dem Ekel vor dem Krieg erfüllt werden. Niemals soll die Nacht über Österreich hereinbrechen, um in einen neuen Krieg das kostbarste Leben unseres Volkes zu opfern. Eindringlich machte uns das letzte Jahrzehnt klar, welchen Weg wir meiden müssen, um nie wieder in den Abgrund der Katastrophe zu fallen.
Franz Kittel verstirbt überraschend mit 60 Jahren an einem Herzinfarkt. Er findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Ottakring.
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Der Freiheitskämpfer Nr. 5/65 und Nr. 1/75
Arolsen Archives
Matricula Online
Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche
