Leopold Reif

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Leopold Reif
Bild: DÖW

Personalia

Geboren:

29. September 1895, Sieghartsles

Gestorben:

4. Februar 1976, Wien

Beruf:

Beamter

Verfolgung:

11.09.1942 - 06.04.1945

Mitgliedschaften

Sozialdemokratische Partei Österreichs, Kommunistische Partei Österreichs

Lebenslauf

Leopold Reif kommt in Sieghartsles bei Groß Siegharts in Niederösterreich als ehelicher Sohn des Bandmachers (Böttcher) Franz Reif und seiner Gattin Barbara, geborene Schreder, zur Welt. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts erhalten geblieben.

Spätestens 1920 zieht er nach Wien und tritt der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) [heute: Sozialdemokratische Partei Österreich (SPÖ)] bei. 1921 heiratet er Leopoldine Fleischhacker und wird in weiterer Folge Vater zweier Kinder. 1923 findet er Arbeit bei der Wiener Städtischen Straßenbahn [heute: Wiener Verkehrsbetriebe] als Bahnwärter. 1932 konvertiert er vom katholischen zum evangelischen Glauben. Mit dem Verbot der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) tritt er der Vaterländischen Front bei und betätigt sich bei der illegalen Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). Als Kommunist steht er dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber.

Am 12. März 1938 muss er erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Einer seiner langjährigen Freunde ist der Uhrmachermeister Alois Sopper. In dessen Geschäft trifft er sich oftmals mit Alois Sopper, seiner Lebensgefährtin Magdalena Stojka und dem Schweisser August Luka. Gemeinsam politisieren sie in einem sozialistisch-kommunistischen Kontext.

Im Mai 1942 verteilt Leopold Reif in dieser Runde ein kommunistisches Flugblatt, welches er wahrscheinlich über kommunistische Bekannte erhalten hat.

Mit großem Geschrei kündigt Hitler eine neue Offensive an. Das bedeutet neue Blutopfer für unsere Jugend. Das bedeutet aber auch neue Opfer, neues Eldend für uns Arbeiter und Arbeiterinnen.

Arbeiter und Arbeiterinnen!

Denkt stats an dieses sinnlose Blutvergiessen, es ist das Blut Eurer Söhne, Väter, Brüder! Kämpft mit uns gegen Hitler! Er allein ist der Mörder unserer Jungend! Lasst Euch keine neuen Opfer aufbürden! Wir wollen unsere Jugend, unsere Väter und Brüder!

Arbeiter und Arbeiterinnen!

Sabotiert Hitlers Kriegsmaschinerie wo Ihr nur könnt! Arbeitet so langsam wir nur möglich! Jedes Stück weniger dient dem Frieden! Jedes Stück mehr verlängert den Krieg!

Es lebe die Freiheit!

Es lebe der internationale Völkerfriede!

Es lede das internationale Proletariat!

Es lebe der Führer der proletarischen Revolution!

Genosse Stalin!

Zentralkommitee der Kommunistischen Partei Österreichs!

Inhalt des Leopold Reif im Mai 1942 verteilten Flugzettels

Magdalena Stojka reicht diesen Flugzettel an August Luka weiter, in dem Ansinnen, dass dieser ihn vervielfältigt. August Luka verteilt darauf hin die Flugzettel in den 'Vereinigten Emailwerken Austria', zu dieser Zeit ein Rüstungsbetrieb. Die Gestapo erlangt Kenntnis von von der Aktion und Leopold Reif wird am 11. September 1942 verhaftet. In einem Prozess vor dem Oberlandesgericht Wien wird er am 20. Mai 1943 wegen 'Vorbereitung zum Hochverrat' zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Er verbüßt seine Haft in der Justizanstalt Stein an der Donau. Dort kommt er am 6. April 1945 frei.

Im April bzw. Mai 1945 erlebt Leopold Reif die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Er wird rehabilitiert und arbeitet wieder bei den Wiener Verkehrsbetrieben. Politisch bleibt er in der Kommunistischen Partei Österreich (KPÖ) aktiv.

Als Beamter der Wiener Verkehrsbetriebe tritt Leopold Reif in den Ruhestand und verstirbt mit 80 Jahren in Wien. Er findet seine letzte Ruhestätte in der Feuerhalle Wien-Simmering.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landearchiv (WStLA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

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Leopold Reif

Beamter
* 29. September 1895
Sieghartsles
† 4. Februar 1976
Wien
Haft