Dr. Friedrich Carl Georg Ritter von Wiesner

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Friedrich Ritter von Wiesner
Bild: Bildarchiv Austria

Personalia

Geboren:

27. Oktober 1871, Mariabrunn bei Wien

Gestorben:

5. November 1951, Wien

Beruf:

Richter, Diplomat und Politiker

Verfolgung:

Haft 13.03.1938 - 25.09.1938,
KZ Buchenwald 25.09.1938 - 01.12.1938,
Haft 01.12.1938 - 21.01.1939,
Gauverbot 1939

KZ-Nummer:

10063

Ehrungen:

Orden der Eisernen Krone I. Klasse

Großkreuz des Franz-Joseph-Ordens mit der Kriegsdekoration;

Signum Laudis

Eisernes Kreuz I. Klasse

Mitgliedschaften

Reichsbund der Österreicher, Eiserner Ring, Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Friedrich Ritter von Wiesner kommt in Mariabrunn bei Wien als ehelicher Sohn des Botanikers und späteren Universitätsprofessors Julius Ritter von Wiesner und seiner Gattin Agnes, geborene Skrabl, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er ein Gymnasium in Wien und in Kremsmünster, wo er 1890 maturiert. Anschließend absolviert er ein Einjährig-Freiwilligen-Jahr in inskriberit im Sommersemester 1890 Jus an der Universität Wien, wo er im April 1896 zum Doktor der Rechte promoviert wird.

Nach seiner Promotion tritt Friedrich Ritter von Wiesner als Ministerialsekretär in das k.u.k. Ministerium des Äußern ein. Während der Julikrise 1914 leitet er die nach Sarajevo entsandte Untersuchungskommission zum Attentat auf den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand. Im Ersten Weltkrieg ist er unter anderem beim Armeeoberkommando und später als Pressechef des Außenministeriums tätig; 1917 wird er Hof- und Ministerialrat. In den Jahren 1917/18 nimmt er an den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk teil und wird 1918 zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister ernannt.

Am 10. April 1917 heiratet Friedrich Wiesner Julia, geborene Kober, verwitwete von Kreitner. Die Ehe bleibt kinderlos.

Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg scheidet Friedrich Ritter von Wiesner aus dem diplomatischen Dienst aus und engagiert sich in der legitimistischen Bewegung.

Im Reichsbund der Österreicher nimmt Friedrich Ritter von Wiesner eine führende Stellung ein. 1924 wird er Vizepräsident, 1926 politischer Referent und am 17. November 1928 geschäftsführender Vizepräsident. Damit gehört er bis 1938 zu den maßgeblichen politischen Repräsentanten des organisierten österreichischen Legitimismus.

Friedrich Ritter von Wiesner wirkt zugleich als wichtige Verbindung zwischen den österreichischen Legitimisten und der im Exil lebenden Familie Habsburg-Lothringen. Persönlicher und schriftlicher Verkehr mit der Familie läuft in erheblichem Umfang über ihn; er selbst reist wiederholt zu Otto von Habsburg-Lothringen und seiner Familie nach Belgien. Für 'Der Österreicher', das Organ des Reichsbundes, verfasst er zahlreiche politische Beiträge und tritt bei legitimistischen Versammlungen als Redner auf. Seine politische Tätigkeit richtet sich auf die Wiederherstellung eines selbständigen Österreichs und die monarchische Restauration.

1932 gehört Wiesner zu den maßgeblichen Initiatoren des Eisernen Ringes. Der am 4. August 1932 gegründete Dachverband soll die österreichischen monarchistisch-legitimistischen Vereinigungen unter gemeinsamer politischer Führung zusammenfassen. Friedrich Ritter von Wiesner übernimmt den geschäftsführenden Vorsitz und damit eine zentrale Leitungsfunktion.

Als geschäftsführender Vorsitzender koordiniert Wiesner die Zusammenarbeit der angeschlossenen legitimistischen Verbände, tritt bei Veranstaltungen als Redner auf und wirbt für die Eigenständigkeit Österreichs gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschen Reich. Am 19. Februar 1938 überbringt er Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg ein Schreiben Otto von Habsburgs, in dem dieser angesichts der Zuspitzung der politischen Lage seine Übernahme der österreichischen Kanzlerschaft anbietet.

Darüber hinaus ist er Mitglied der Vaterländischen Front.

Am 12. März 1938 erlebt Friedrich Ritter von Wiesner mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs. Bereits am 13. März 1938 wird er wegen seiner legitimistischen und österreichisch-patriotischen Tätigkeit und seiner strikten Ablehnung des Nationalsozialismus verhaftet. Am 25. September 1938 wird er in das KZ Buchenwald deportiert. Am 1. Dezember 1938 erfolgt seine Überstellung in das Gestapo-Gefängnis nach Berlin, von wo er am 21. Jänner 1939 entlassen wird. Danach wird ihm ein Zwangsaufenthalt in Würzburg vorgeschrieben. Erst Ende 1939 darf er wieder nach Wien zurückkehren. Danach lebt er mit seine Ehefrau zurückgezogen in Wien.

In Wien erlebt Friedrich Ritter von Wiesner die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.

Friedrich Ritter von Wiesner verstirbt mit 80 Jahren in Wien und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Grinzing.

Orte

Wohnort:

Verfolgung:

KZ Buchenwald (Weimar, Deutschland)

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)

Schagerl, Brigitte (2012): Im Dienste eines Staates, den es nicht mehr geben sollte, nicht mehr gab, nicht mehr geben durfte. Friedrich Ritter von Wiesner. Diplomat, Legitimist, NS-Verfolgter. (Dissertation Universität Wien)

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Friedrich Ritter von Wiesner

Richter, Diplomat und Politiker
* 27. Oktober 1871
Mariabrunn bei Wien
† 5. November 1951
Wien
Gauverbot, Haft, KZ Buchenwald