Magistratsdirektor Dr. Rudolf Josef Hießmanseder

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Rudolf Hießmanseder
Bild: ÖCV

Personalia

Geboren:

20. Februar 1882, Wien

Gestorben:

20. Dezember 1942, Wien

Beruf:

Beamter

Verfolgung:

Entlassung 13.03.1938,
Haft 26.05.1938 - 04.06.1938

Ehrungen:

Komturkreuz I. Klasse des Österreichischen Verdienstordens

Mitgliedschaften

K.a.V. Norica Wien, K.a.V. Marco-Danubia Wien, K.Ö.H.V. Franco-Bavaria Wien

Lebenslauf

Rudolf Josef Hießmanseder [auch Hiessmanseder] kommt in Wien als ehelicher Sohn des Glashändlers Leopold Eduard Hießmanseder und seiner Gattin Maria, geborene Laska, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er das k.k. Staatsgymnasium Oberhollabrunn. Der Schulbesuch wird durch ein Stipendium der niederösterreichischen Statthalterei ermöglicht. Im Jahre 1900 maturiert er und inskribiert Jus an der Universität Wien. Im gleichen Jahr tritt der der Studentenverbindung Norica bei.

Rudolf Hießmanseder wird 1905 zum Doktor der Rechte promoviert und beginnt in der Bezirksvorstehungskanzlei für den 2. Wiener Gemeindebezirk zu arbeiten. 1906 absolviert er seinen Militärdienst. 1908 ist er an den Gründungen der Studentenverbindungen Marco-Danubia und Franco-Bavaria beteiligt und wird ein Jahr später Mitglied beider Studentenverbindungen. Der Name 'Franco-Bavaria' wird von ihm vorgeschlagen.

Rudolf Hießmanseder wird aufgrund seines Gesundheitszustandes nicht in den Ersten Weltkrieg eingezogen. Während des Krieges ist er der Vertreter Wiens in der niederösterreichischen Volksbildungsstelle und Mitglied der Leitung des Volksbekleidungsamtes der niederösterreichischen Statthalterei. 1917 wechselt er in das städtische Wirtschaftsamt (MA 44), zu dessen Leiter er am 13. Juni 1922 bestellt wird. 1922 heiratet er Emma Hafner und wird 1923 Vater einer Tochter. Nach dem Tod von Emma Hafner im Jänner 1924 heiratet er im September des gleichen Jahres ihre Schwester Margarethe Hafner und wird 1925 Vater eines Sohnes.

Aufgrund des partiellen Aufstandes des sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbundes am 12. Februar 1934 werden der Bürgermeister sowie die übrigen sozialdemokratischen Mitglieder des Stadtsenats bzw. der Landesregierung Wiens sowie die sozialdemokratischen Spitzenbeamten entlassen. Seitens des Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß, der im Juli des gleichen Jahres von den Nationalsozialisten bei einem Putschversuch ermordet wird, wird Richard Schmitz am 13. Februar 1934 zum Bundeskommissär für die Stadt Wien eingesetzt (später wird er Bürgermeister). Am selben Tag wird Rudolf Hießmanseder von Richard Schmitz zum Magistratsdirektor, und damit obersten Beamten der Gemeinde Wien, ernannt. Er ist auch Mitglied der Vaterländischen Front.

Vom Bundeskommissär […] zum Magistratsdirektor ernannt, hat er bei der Neuordnung der Stadtverwaltung […] mitgewirkt. Es seien hervorgehoben: Ordnung der schwierigen Personalfragen nach dem 12. Februar 1934, Organisation der Vaterländischen Front im Bereiche der Stadtverwaltung, Schaffung der Stadtordnung, die die Grundlage für die Berufung des Bürgermeisters, der Vizebürgermeister und der Wiener Bürgerschaft [= Gemeinderat, Anm. d. Verf.] schuf, Neuorganisation des Wiener Magistrats […] (Schaffung der Bezirkshauptmannschaften) [die Bezirksvorsteher wurden damals Bezirkshauptmänner, Anm. des Verf.], Mitwirkung bei der Behebung des Wirtschaftslebens in Wien durch Änderung der Wirtschaftspolitik der Stadt, insbesondere Heranziehung der privaten Betriebe, Umbau des Abgabewesens, Aufstellung von außerordentlichen Investitionsprogrammen. Als Magistratsdirektor […] ist Dr. Hießmanseder […] zur Leitung des gesamten inneren Dienstes berufen und fungiert als unmittelbarer Stellvertreter des Bürgermeisters, als oberster Vorgesetzter des Magistrat. In dieser Eigenschaft ist ihm […] auch das gesamte Personal der städtischen Unternehmen unterstellt. Die Zahl der Angestellten und Bediensteten, die ihm unterstehen, beträgt rund 42.700.

Aus der Beantragung für das Komturkreuz I. Klasse des Österreichischen Verdienstordens 1935

Der überzeugte Österreicher, gläubige Katholik und entschiedener Gegner des Nationalsozialismus muss am 12. März 1938 erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Er wird einen Tag nach der Besetzung Österreichs, am 13. März 1938, fristlos entlassen und zwischen 26. Mai 1938 und 4. Juni 1938 von der Gestapo in Schutzhaft genommen. Am 18. November 1938 wird seine fristlose Entlassung auf seinen Antrag hin in eine Zwangspensionierung mit reduzierten Bezügen umgewandelt. Seiner österreichisch-patriotischen Überzeugung bleibt er weiterhin treu.

Hiessmanseder ist streng klerikal, war der Intimus des Systembürgermeisters Schmitz und ist ein gehässiger Gegner der NSDAP. Er ist politisch gänzlich untragbar. Derselbe ist seit März 1938 im Ruhestand und zur Reduzierung seiner Bezüge beantragt.

Gauleitung Wien vom 22. August 1938

Aufgrund eines Herzleidens verstirbt er mit 60 Jahren und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Inzersdorf.

Sein Sohn , der wie sein Vater Rudolf Hießmansedern heißt, wird später eingezogen und schwer kriegsverletzt. Er erlebt die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 und tritt als Student, wie sein Vater, der Studentenverbindung Norica bei.

Seine Witwe Margarete Hießmanseder erlebt ebenfalls die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik und tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Sie verstirbt 1989 und überlebt ihren Ehemann um 47 Jahre.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)

Biolex des ÖCV

Archiv der Universität Wien

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Rudolf Hießmanseder

Beamter
* 20. Februar 1882
Wien
† 20. Dezember 1942
Wien
Entlassung, Haft