Österreichische Arbeiterpartei
Auf Initiative des Versicherungsangestellten Franz Matzner und Oberstleutnant i.R. Karl Melzer gründete der Wiener Lehrer Karl Polly am 29. Jänner 1940 die ‚Österreichische Arbeiterpartei‘. Ziel war es, die österreichische Arbeiterschaft im Sinne einer österreichischen sozialen Volksmonarchie unter Otto von Habsburg zu organisieren.
Das Programm bestand aus 20 Punkten:
- Soziale Volksmonarchie auf demokratischer Grundlage
- Parlament mit Parteien, Ablehnung staatsverneinender Parteien (Kommunisten, Nationalsozialisten)
- Gründung einer österreichischen Arbeiterpartei, frei von konfessioneller und doktrinärer Bildung
- Arbeiterführer nur aus Arbeiterkreisen
- Familienlohn
- Altersversorgung mit zusätzlicher Nebensiedlung
- Gerechte Preise für Bauern, Ausschaltung des schädlichen Zwischenhandels
- Allgemeine Gewerkschaft, frei von Parteibildung
- Allgemeine Unternehmerverbände, ebenfalls ohne Parteibildung
- Wirtschaftliche und lohnpolitische Fragen werden zwischen Unternehmer und Gewerkschaft besprochen, gemischte Kommission mit gleichem Stimmrecht, bei Nichteinigung staatlicher Schiedsspruch
- Wichtige wirtschaftliche und lohnpolitische Entschlüsse kommen vor das Parlament, Gewerkschaftsvertretung im Parlament
- Ausbau der sozialen Rechte (Arbeitszeit, Urlaub, Verbot der Kinderarbeit, freie Wahl des Arbeitsplatzes)
- Jugenderziehung in der Schule im staatspolitischen Sinn (keine Parteipolitik), sportliche Erziehung, nur staatliche Jugendverbände
- Religiöse Erziehung der Jugend in der Schule durch den Religionslehrer und in religiösen Verbänden
- Freiheit des religiösen Bekenntnisses
- Allgemeines und geheimes Wahlrecht, Wahlalter 24 Jahre
- Politischer Führer und Abgeordneter kann nur sein, wer 1 Jahr eine staatspolitische Schulung mitgemacht hat, nachher freie Wahl der Partei (Mindestalter 30 Jahre)
- Keine militärischen Verbände, Uniform für Militär und Polizei
- Pressefreiheit, Kritik mit Gegenvorschlägen und Namensnennung, keine Angriffe auf Staat und Religion, Ausschaltung privater Pressefehden
- Freie Entwicklung des kulturellen Lebens der Arbeiterschaft in eigenen kulturellen Verbänden, die keine parteipolitische Bindung haben
Die Gruppe hatte etwa um die 30 Mitglieder. Als Bridge- und Schachabende getarnt trafen sich die Mitglieder und besprachen politische Dimensionen ihres Programms. Karl Polly verfasste die Schrift ‚Die soziale Volksmonarchie auf demokratischer Grundlage‘ sowie Berichte über die tagespolitische Lage.
Zusätzlich produzieren sie den Flugzettel ‚Was schenkt der Führer?‘
Was schenkt der Führer seinem Volke zum Geburtstag?
Unser innigstgelieber Führer hat leider schon wieder Geburtstag.
Sein beglücktes Volk durfte im etwas schenken. – Metall!
Da der Krieg – nach seinem Wort – heuer schon den Sieg bringt (Ins neue Jahr zum Sieg!)
Wozu noch Metall???
Was mussten wir alles schon schenken?
Alte Zeitungen (Die neun schenkten wir lieber).
Knochen (auch unsere eigenen).
Hadern und Lumpen (Die größten könnte die Partei schenken).
Kinder (Kanonenfutter für die Zukunft)
Metall (Um „seine“ Kinder dereinst erschießen zu können).
Geld (Weil die Löhne zu hoch sind).
Und was schenkt er uns?
Schenkt uns seine Friedensbereitschaft den Frieden?
Schenkt er uns die so oft zitierte Freiheit?
Schenkt er uns die so viel besprochene sozialen Rechte?
Schenkt er uns etwa gar den „unglaublichen“ Wohlstand des Arbeiters?
Nein, nichts von alldem!
Was er uns schenkt, das sind:
Krieg und Mord und Tod,
Konzentrationslager,
Auflösung von Geschäften,
Stilllegung von Fabriken,
Hungerlöhne und Sklavenarbeit.
Das Recht zu leben (aber wie!)
Das Recht zu sterben (aber wofür!)
Das Recht zu opfern (aber wozu!)
Frauen, wo sind Eure Männer!!?
Mütter, wo sind Eure Söhne!!?
Nieder mit dem Krieg!!
Parteigenossen an die Front!
Karl Polly knüpfte Kontakte zu ungarischen Legitimisten. Die Gruppe wurde jedoch verraten und die Mitglieder der Gruppe von der Gestapo verhaftet.
Mitglieder der Gruppe waren u.a.:
Franz Danihalka, Franz Matzner, Margareta Matzner, Karl Melzer, Gabriel Mesner, Edmund Paurnfeind, Agnes Polly, Karl Polly, Wilhelm Zach,
Quellen
- Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)