Hermine Franziska Köllner (geb. Tajovksy)

Photo von Hermine Köllner
Hermine Köllner
Bild: DÖW

Personalia

Geboren:

15. März 1881, Wien

Gestorben:

6. Mai 1963, Wiener Neustadt

Beruf:

Hausfrau

Verfolgung:

Haft 1940 (9 Monate),
Haft 28.03.1941 - 05.02.1943,
Flucht Februar 1944

Mitgliedschaften

Österreichische Freiheitsbewegungen, Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Hermine Franziska Tajovsky kommt in Wien als eheliche Tochter des Hafners Josef Tajovsky und seiner Gattin Margaretha, geborene Weiner, zur Welt. Nach der Schulbildung absolviert sie eine Ausbildung zur Musik- und Gesangslehrerin. 1906 heiratet sie den technischen Ingenieur Otto Köllner. Sie ziehen nach Baden, wo Otto Köllner als Disponent einer Maschinen- und Traktorfabrik arbeitet, während Hermine Köllner den Haushalt betreut.

Otto Köllner wird in den I. Weltkrieg eingezogen und dort schwer verletzt. 1918 erlebt Hermine Köllner die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg. Politisch ist sie in den 1920ern und 1930ern wahrscheinlich nicht aktiv. Im höheren Alter wird sie 1926 Mutter eines Sohnes und tritt 1929 aus der katholischen Kriche aus. 1935 verstirbt Otto Köllner an den Spätfolgen seiner Kriegsverletzung.

Am 12. März 1938 erlebt Hermine Köllner den Untergang des unabhängigen und freien Österreichs mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht. Gemeinsam mit Hans Ferdinand Zimmerl engagiert sie sich ab Frühjahr 1939 in der 'Österreichischen Freiheitsbewegung' um den Augustiner-Chorherren Roman Karl Scholz. Sie sammelt Gegner des Nationalsozialismus um sich und trifft sich mit diesen in ihrer Wohnung, darunter auch Jüdinnen und Juden. 1940 wird sie in Eisenstadt verhaftet und für 9 Monate in einem Schulhaus gefangen gehalten. Die Gründe für diese erste Verhaftung sind nicht erhalten geblieben, aber könnten in Zusammenhang mit einer späteren Verhaftung stehen, in der ihr die 'illegaler Verbringung von Juden nach Jugoslawien' vorgehalten wird.

Ab Juli 1940 werden gut 300 Personen der Widerstandsgruppe 'Österreichische Freiheitsbewegung' vom Burgschauspieler Otto Hartmann verraten (Otto Hartmann wird in der Folge 1947 zu lebenslanger Haft verurteilt und 1957 begnadigt) und Hans Ferdinand Zimmerl von der Gestapo verhaftet. Hermine Köllner bleibt vorerst unentdeckt. Am 28. März 1941 wird sie in ihrer Wohnung in Baden von der Gestapo wegen des 'Verdachts der legitimistischen Betätigung und illegaler Verbringung von Juden nach Jugoslawien' verhaftet. In der Haft weigert sie sich die Namen der ihr Bekannten Jüdinnen und Juden preiszugeben. Am 1. September 1941 erfolgt ihre Überstellung in ein Lager in Prag und am 23. Juni 1942 ihre Rücküberstellung nach Wien. In der Wiener Haftanstalt wird ihr ihre Anklage wegen 'Vorbereitung zum Hochverrat' zugestellt. Bis zur Verhandlung wird sie in eine Strafanstalt in Melk an der Donau in Niederösterreich eingewiesen. Dort erkrankt sie schwer an Magengeschwüren, weshalb sie am 5. Februar 1943 im Wiener Gefängnisspital aufgenommen wird. Ende Mai 1943 wird sie wegen Haftunfähigkeit aus der Gefängnisspital entlassen.

Während sie sich im Februar 1944 gerade mit ihrem Sohn in Mistelbach aufhält, erhält Hermine Köllner einen neuen Haftbefehl, da die Verhandlung vor dem Volksgerichtshof unmittelbar bevorsteht. Sie flüchtet nach Znaim [heute: Znojmo in Tschechien] und versteckt sich dort. Ihr Sohn wird nach zufällig nach Znaim eingezogen, weshalb sie sich mit ihm heimlich treffen kann. Am 9. März 1945 wird er nach Berlin geschickt und fällt dort am 28. März 1945.

In Znaim wird Hermine Köllner am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit und kehrt nach Baden bei Wien, in das befreite Österreich zurück. Dort findet sie ihre Wohnung, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden war, zerstört, geplündert und von der russischen Armee besetzt vor. Sie zieht nach Wien und muss, wie viele andere Österreicher, in ärmsten Verhältnissen leben.

Hermine Köllner tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Aufgrund ihrer schweren gesundheitlichen haftbedingten Beeinträchtigungen und ihres Alters kann sie nicht mehr arbeiten gehen und lebt von einer kleinen Pension. Sie verstirbt mit 82 Jahren in Wiener Neustadt.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Matricula Online

Hermine Köllner

Hausfrau
* 15. März 1881
Wien
† 6. Mai 1963
Wiener Neustadt
Haft, Flucht