Karl Gustav Christian

Personalia

Geboren:

29. Juli 1912, Wien

Gestorben:

27. November 2001, Wien

Beruf:

Beamter

Verfolgung:

Haft 15.07.1941 - 20.07.1941,
Haft 28.11.1941 - 26.05.1942

Mitgliedschaften

ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Karl Gustav Christian wird in Wien als unehelicher Sohn des Dienstmädchens Augustine Christian geboren. Nach fünf Jahren Volksschule und drei Jahren Bürgerschule absolviert er die Lehre zum Schildermaler.

Er arbeitet jedoch nicht in dem von ihm gelernten Beruf, sondern tritt 1931 in den Dienst des österreichischen Bundesheeres. Anfangs ist er offensichtlich vom aufkommenden Nationalsozialismus angetan, zumal er 1932 der NSDAP beitritt, jedoch ein Jahr später, 1933 wieder aus der Partei austritt. 1935 wechselt er vom Bundesheer zur Kriminalpolizei in Wien und tritt 1936 der Vaterländischen Front bei.

Kurz vor der Besetzung Österreichs durch die deutsche Wehrmacht heiratet Karl Christian Anna Lehner und wird Vater. Am 12. März 1938 muss Karl Christian erleben, wie das freie und unabhängige Österreich untergeht. Er wird danach in die deutsche Kriminalpolizei übernommen. Kurz scheint er wieder als Anwärter für die NSDAP auf, weigert sich aber seine Mitgliedsbeiträge zu bezahlen und wird wegen Interesselosigkeit abgelehnt. Ob dieses Mitgliedsansuchen auf dienstlichen oder familiären Druck zurückzuführen ist, läßt sich nicht mehr eruieren.

Mit der Besetzung Tschechiens durch die deutsche Wehrmacht im März 1939 wird Karl Christian in das 'Protektorat Böhmen und Mähren' abkommandiert. Dort lernt er Mitglieder des tschechischen Widerstands kennen. Ab 1940 versorgt er diese und jüdische Freunde, die nach 1938 aus Wien nach Paris bzw. London fliehen mussten, mit Informationen. Zusätzlich hört er die im ausländische Radiosender, sogenannte 'Feindsender' und verbreitet die dort gehörten Informationen.

Während er in 'Protektorat Böhmen und Mähren' beruflich tätig ist, hat seine Ehefrau eine Affäre mit einem Soldaten. Nachdem sie von seinen Aktivitäten weiß und nicht schuldig geschieden werden möchte, zeigt sie ihn anonym bei der Gestapo wegen 'Verdachts des Hochverrats, Abhören feindlicher Sendungen und Weiterverbreitung solcher Nachrichten, Feindbegünstigung, Rassenschande und gefährlicher Drohung' an.

Am 15. Juli 1941 wird Karl Christian von einem Gestapo-Sonderkomando in Brünn verhaftet und fünf Tage in Untersuchungshaft gehalten. Danach wird er vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt.

Eine weitere Verhaftung unter den selben Anschuldigungen erfolgt am 28. November 1941 in Wien. Diesmal hatte ihn seine Ehefrau nicht mehr anonym angezeigt. Er wird sechs Monate im Polizeigefängnis Rossauer Lände und im SS- und Polizeigefängnis Wien VII festgehalten. Danach werden die Untersuchungen gegen Karl Christian aus Mangel an Beweisen eingestellt. Am 26. Mai 1942 wird er aus der Haft entlassen und am 7. Jänner 1943 wird das Verfahren gegen ihn endgültig eingestellt. Seine Ehefrau verläßt darauf hin die eheliche Wohnung und läßt das Kind zurück, welches später in Pflege gegeben wird. Danach arbeitet er wieder bei der Polizei.

Nachdem Karl Christian in Wien die Befreiung Österreichs im April bzw. Mai 1945 erlebt, reicht er sofort die Scheidung ein und tritt der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Er wird in die neue österreichische Polizei übernommen und geht als Beamter in den Ruhestand. Er verstirbt mit 89 Jahren in Wien und findet seine letzte Ruhestätte am Wiener Zentralfriedhof.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)

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Karl Christian

Beamter
* 29. Juli 1912
Wien
† 27. November 2001
Wien
Haft