Frieda Anna Maria Kraus (geb. Weil)

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Entlassung 13.03.1938,
Haft 28.10.1939 - 28.04.1940
Ehrungen:
Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Frieda Anna Maria Weil kommt in Wöllersdorf als eheliche Tochter von Simon und Esther Weil zur Welt. Die Familie ist jüdischen Glaubens. Nach der Volksschule besucht sie eine Bürger- und im Anschluss eine Handelsschule. Danach arbeitet sie als Angestellte in der Rechtsanwaltskanzlei von Heinrich Spachovsky in Wiener Neustadt.
1931 lernt Frieda Weil in Wiener Neustadt den nach Wöllersdorf dienstversetzten Oberstleutnant (und späteren Oberst) Karl Kraus kennen, der bereits getrennt von seiner Ehefrau lebt. 1932 konvertiert sie zum altkatholischen Glauben und heiratet den zwischenzeitlich geschiedenen Karl Kraus. Die Ehe bleibt kinderlos. Im nationalsozialistischen Putschversuch im Juli 1934, bei dem Bundeskanzler Engelbert Dollfuss ermordet wird, ist Karl Kraus mit seinem Bataillon maßgeblich an der Bekämpfung von Nationalsozialisten in der Steiermark und Kärnten beteiligt.
Am 12. März 1938 erlebt Frieda Kraus wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen sie als 'Volljüdin’ gilt. Nur die Ehe mit einem 'Arier', der sich weigert sich scheiden zu lassen, schützt sie vor einer späteren Deportation in ein Konzentrationslager.
Am 13. März 1938 wird sie als Angestellt der Rechtsanwaltskanzlei aus 'rassischen Gründen' entlassen. Im April 1939 wird ihr Gatte aus Rache der Nationalsozialisten verhaftet und schwer misshandelt. Anfang September 1939 trifft sie in Wiener Neustadt mit Erna von Höffern, eine weitschichtigen Verwandten, zusammen. Im folgenden politischen Gespräch erklärt Frieda Weil, dass sie den britischen Radiosender British Broadcasting Corporation (BBC) hört.
Der englische Rundfunk allein bringt die richtigen Nachrichten über den Krieg und nicht der deutsche Rundfunk.
Erna von Höffern zeigt Frieda Kraus bei der Gestapo an und Frieda Kraus wird am 28. Oktober 1939 verhaftet. In einem Prozess vor dem Sondergericht wird sie am 3. März 1940 wegen 'Heimtücke' zu sechs Monaten Haft unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Sie kommt am 28. April 1940 aus der Haft frei.
Danach lebt sie zurückgezogen mit ihrem Ehemann. Im Februar 1943 wird Frieda Kraus zur Hilfsarbeiterin beim Pelzhaus Hucek im 1. Wiener Gemeindebezirk zwangsverpflichtet. Die Zwangsverpflichtung endet erst mit der Befreiung Wiens im April 1945.
Im April bzw. Mai 1945 erleben Frieda und Karl Kraus die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Wie ihr Ehemann, tritt sie der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Sie geht nicht mehr arbeiten, sondern betreut den gemeinsamen Haushalt. 1950 verstirbt ihr Ehemann an den Folgen der Haft.
Frieda Kraus verstirbt mit 93 Jahren in Wien und findet ihre letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Hietzing.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
