Oberst Karl Kraus

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Karl Kraus
Bild: WStLA

Personalia

Geboren:

31. Oktober 1882, Prödlitz

Gestorben:

2. Mai 1950, Wien

Beruf:

Soldat

Verfolgung:

Haft 04.02.1939 - 04.04.1939,
Haft 25.04.1939 - 14.10.1939

Ehrungen:

Militärverdienstkreuz III. Klasse mit KD und Schwertern

Bronzene Militärverdienstmedaille

Silberne Militärverdienstmedaille

Karl Truppenkreuz

Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich

Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich

Mitgliedschaften

Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Karl Kraus kommt in Prödlitz im Mähren [heute: Brodek u Prostějova in Tschechien] als ehelicher Sohn von Johann Kraus und Maria Anna, geborene Holzer, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er die Gymnasial-Unterstufe in Mährisch Schönberg [heute: Šumperk in Tschechien] und im Anschluss die Infanterie-Kadettenschule in Königsfeld in Brünn [heute: Královo Pole in Brno in Tschechien], wo er 1901 maturiert.

Am 18. Juli 1901 tritt Karl Kraus in das k.u.k. Infanterieregiment Nr. 10 'Gustav V. König der Schweden, der Goten und Wenden' ein, wird am 1. November 1902 zum Leutnant und am 1. Mai 1905 zum Oberleutnant befördert. Am 9. November 1911 heiratet er in Banjaluka Helene Singer und wird in weiter Folge Vater zweier Söhne. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird er am 1. November 1914 zum Hauptmann befördert und ist an unterschiedlichen Kriegsschauplätzen eingesetzt, wo er verwundet wird, was zur Versteifung dreier Finger führt.

Als Soldat erlebt Karl Kraus die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg. Er wird nicht abgerüstet, am 1. November 1920 zum Major und am 1. Jänner 1921 zum Oberstleutnant befördert. Am 28. Mai 1921 erfolgt seine offizielle Übernahme in das neugegründete österreichische Bundesheer. Er wird dem Radfahrbataillon Nr. 1 mit Sitz in Knittelfeld in der Steiermark zugeteilt, wobei seine Familie in Wien wohnt. 1921 stirbt einer seiner Söhne.

Am 1925 tritt eine Entfremdung zwischen ihm und seiner Ehefrau ein, weshalb er seinen Wohnsitz nach Knittelfeld verlagert. Er meldet dies jedoch der Heeresführung nicht und bezieht weiterhin eine Wohnzulage für einen doppelten Haushalt. 1930 kommt ein außerehelicher Sohn zur Welt. 1931 wrid er nach Wöllersdorf versetzt. 1932 lässt Karl Kraus seine Ehe scheiden, konvertiert zum altkatholischen Glauben und heiratet Frieda Weil, die in Wiener Neustadt in Niederösterreich wohnt. [Anm: Aus außereheliche Kind stammt nicht aus der Beziehung mit Frieda Weil.] Diese Ehe bleibt kinderlos.

Das Radfahrbataillon Nr. 1 ist in Knittelfeld und Wöllerdorf stationiert. Als Bataillonskommandant ist er in weiterer Folge im Februar 1934 an der militärischen Niederschlagung der sozialistischen Februarrevolte beteiligt. Als im Juli 1934 die Nationalsozialisten einen Putschversuch in Österreich machen, bei dem Bundeskanzler Engelbert Dollfuss ermordet wird, ist sein Bataillon maßgeblich an der Bekämpfung von Nationalsozialisten in der Steiermark und Kärnten beteiligt. Im gleichen Jahr wird er zum Oberst befördert.

Im Rahmen seines Ruhestandsverfahrens (Karl Kraus tritt mit 31. März 1935 in den Ruhestand), wird die zu Unrecht bezogene Zulage für doppelte Haushaltsführung bekannt und er wird im Rahmen eines Disziplinarverfahrens zu einer zeitlich befristeten geringeren Pension verurteilt. Er lebt mit seiner Ehefrau in Wiener Neustadt.

Am 12. März 1938 erlebt Karl Kraus wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Die neuen nationalsozialistischen Machthaber wollten Rache an ihm für seine Beteiligung an der Niederschlagung des nationalsozialistischen Putschversuches von 1934 üben und verhaftet ihn zwischen dem 4. Februar 1939 und dem 4. April 1939 und dem 25. April 1939 und dem 14. Oktober 1939. In der Haft wird er schwer misshandelt, was zu bleibenden körperlichen Schäden führt. Obwohl die zu unrecht bezogene Zulage für eine doppelte Haushaltsführung bereits disziplinarrechtlich abgeurteilt wurde, wird er wegen Betruges angeklagt und zusätzlich wegen Missbrauchs der Amtsgewalt und der Beschlagnahmung von Waffen. Von dieser, ausschließlich politisch motivierten Anklage, die den wahren Haftgrund verschleiern soll, wird er am 7. April 1941 freigesprochen.

Danach lebt Karl Kraus weiter mit seiner Ehefrau in Wiener Neustadt. Im April bzw. Mai 1945 erlebt er die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Sein, durch die Misshandlungen in der Haft angeschlagener Gesundheitszustand verschlechtert sich zusehends. Er verstirbt mit 67 Jahren in Wiener Neustadt und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Hietzing.

Orte

Wohnort:

Adlergasse 14 (Wiener Neustadt)

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Karl Kraus

Soldat
* 31. Oktober 1882
Prödlitz
† 2. Mai 1950
Wien
Haft