Ing. Karl Otto Kunizer

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 26.06.1943 - 07.04.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Karl Otto Kunizer wird als Sohn des jüdischen Gutsbesitzers Franz Emmanuel Kunizer und seiner katholischen Ehefrau Clara, geborene Frieda, in Waidhofen an der Ybbs in Niederösterreich geboren.Er wächst auf dem 170 Hektar großen Gutsbesitz auf und besucht dort die Volksschule. Nach dem Besuch des Gymnasiums und der Matura inskribert er an der technischen Hochschule in Wien, die er positiv absolviert.
Nachdem Karl Kunizer die technische Hochschule in Wien absolviert hat, geht er wieder zurück nach Waidhofen an der Ybbs und arbeitet am Gut seines Vaters, welches er 1938 übernimmt.
Nach der Okkupation Österreichs durch das Dritte Reich bleibt Karl Kunizer weiterhin am Gutshof und kommentiert die politische Lage nicht weiters. Am 2. November 1942 wird er zur Wehrmacht eingezogen, jedoch mit Juni 1943 als 'Mischling I. Grades' wieder entlassen. Vom Militärdienst hat er seinem Vater Briefe geschickt, in denen er Erlebnisse vom Militärleben beschreibt.
Die Offiziere sind anscheinend ambitioniertes Militär. Von den Rekruten läßt sich das nicht sagen, da die meisten zu stark gedäftet sind. Einer ist hier durchgegangen (mit der Uniform, der Esel.). Er kam bis Weißenkirchen und ging dort ins Wasser. Der gefühlvolle Nachruf des Zugführers lautete heute kurz: “Gut, dass der Schuft weg ist.”
Dagegen geht es mir beim Schiessen mit dem MG und Gewehr ganz gut. Kein Wunder. Ich braucht aber nicht zu glauben, dass ich irgendeinen Ehrgeiz entwickle. Ich tue nur gerade soviel, um nicht unangenehm aufzufallen womöglich. Zuerst wurde ich von der Wache angeschnauzt, weil ich nicht grüßte, und dann vom U.v.D., weil ich mich gedrückt hatte. Meine einzige Sorge war, ob ich mich dabei verkühlt habe. Heute war der Batl. Kommandeur da und sagte, dass die Feindpropaganda glatt erlogen sei und die Strategie der Feinde gar nichts ist, während alles was unsere Führung tut, über die Kritik des Normalbürgers erhaben ist.
Den Militärbehörden bleibt der Inhalt der Briefe nicht verborgen und unmittelbar nach seiner Entlassung wird Karl Kunizer von der Gestapo am 26. Juni 1943 verhaftet und in das Polizeigefängnis Rossauerlände gebracht. Am 31. August 1944 wird er in das Landesgericht überstellt, wo ihm am 30. November 1944 vor dem Sondergericht der Prozess wegen Vergehen gegen das Heimtückegesetz gemacht wird. Er wird wegen der Briefe zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und erlebt im Landesgericht Wien die Befreiung Österreichs. Am 7. April 1945 erlangt er wieder seine Freiheit und kehrt anschließend nach Waidhofen an der Ybbs zurück. Er engagiert sich in der Folge in der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich.
Er führt den eigenen landwirtschaften Betriebt weiter und verstirbt dort mit 91 Jahren ledig und kinderlos.
Orte
Wohnort:
Quellen
Landesarchiv NÖ
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