Franz Johann Kratochwil
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 04.12.1939 - 02.07.1940
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Franz Johann Kratochwil kommt in Wien als ehelicher Sohn des Metalldrehers Franz Wilhelm Kratochwil und seiner Gattin Leopoldine, geborene Knapp, zur Welt. Die Ehe seiner Eltern scheitert bald und die Mutter heiratet abermals. Sein Stiefbruder ist Rudolf Steinberg. Nach der Schulbildung wird Franz Kratochwil Chemigraf. [Anm: Ein Chemigraf fertigt Druckplatten (Klischees) für den Buchdruck an.]
Am 1. August 1914 heiratet Franz Kratochwil Hermine Scholdan und wird in weiterer Folge Vater einer Tochter. Wahrscheinlich wird er in den I. Weltkrieg eingezogen, was aber nicht erhalten ist. Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg wird er Chauffeur. Politisch scheint er in den 1920ern und 1930ern nicht aktiv gewesen zu sein. Ende der 1930er Jahre ist er arbeitslos.
Als Arbeitsloser erlebt Franz Kratochwil den Untergang des freien und unabhängigen Österreichs mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht. In der Hoffnung Arbeit zu finden und seine Familie erhalten zu können, tritt der nach der Besetzung Österreichs im September 1938 dem Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) bei. Parallel dazu bringt er ein Ansuchen auf Mitgliedschaft bei der NSDAP ein. Mitte 1939 findet er wieder Arbeit als Chauffeur.
Sein Stiefbruder, der ebenfalls als Chauffeur arbeitet, ist inzwischen zur Wehrmacht eingezogen. Bei einem Heimaturlaub tritt er sich am 4. Dezember 1939 mit Franz Kratochwil. Im Café Dechant in Wien echauffieren sich beide laut über das nationalsozialistische Regime.
Ich scheiß auf die Partei!
Franz Kratochwil und Rudolf Steinberg werden sofort angezeigt und noch im Café Dechant verhaftet. [Laut Rudolf Steinberg handelte es sich um den 2. Dezember 1939.] Während Rudolf Steinberg bereits am 10. April 1940 entlassen wird, erfolgt die Haftentlassung von Franz Kratochwil erst am 2. Juli 1940. Der Parteileitung entgeht jedoch, dass der 'Parteianwärter' Franz Kratochwil regimekritische Äußerungen von sich gibt und führt ihn als Anwärter weiter. Franz Kratochwils Freunde bestürmen ihn, diesen Status weiter aufrechtzuerhalten, da sie andernfalls weitere Verfolgung fürchten. Im Oktober 1944 wird er sogar Mitglied der NSDAP.
In Wien erlebt Franz Kratochwil die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Nachdem er nachweisen kann, dass er regimekritisch und aus politischen Gründen inhaftiert war, was eine Parteimitgliedschaft unmöglich gemacht hätte, wird er nach der Befreiung als ehemaliges Mitglied der NSDAP gestrichen.
Als Chauffeur geht Franz Kratochwil in Pension und verstirbt mit 72 Jahren in Wien. Er findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Hernals.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Matricula Online
