Obstlt. a.D. Dr. Johann Bernhard Wilhelm Ludwig Blumenthal

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Johann Blumenthal (DÖW)

Personalia

Geboren:

5. Juni 1895, Wien

Gestorben:

29. April 1964, Baden bei Wien

Beruf:

Beamter

Verfolgung:

Haft 23.07.1940 – 22.01.1944,
KZ Auschwitz 22.01.1944 – 25.01.1945

Mitgliedschaften

Großösterreichische Freiheitsbewegung, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Johann Bernhard Wilhelm Ludwig Blumenthal kommt in Wien als ehelicher Sohn des jüdischen Anwaltes Markus Blumenthal und der jüdischen Rosa, geborene Palester, zur Welt. Er besucht in Wien die Volksschule und das Gymnasium und maturiert 1913 mit Auszeichnung. Im gleichen Jahr konvertiert er zum katholischen Glauben und inskribiert Jus und Geschichte an der Universität Wien.

Am 30. Oktober 1914 tritt Johann Blumenthal in das k.u.k. Regiment der Tiroler Kaiserjäger ein und wird in der Folge an der österreichisch-ungarischen italienischen Front eingesetzt. 1916 wird er zum Leutnant und mit Kriegsende zum Oberleutnant befördert. Nach seiner Heimkehr beendet er sein Studium und absolviert zusätzlich die Prüfung zum Gerichtsdolmetscher in Englisch und Französisch. Danach fängt er im Kriegsarchiv des Österreichischen Staatsarchives an zu arbeiten, ist aber weiterhin dienstrechtlich Soldat des Österreichischen Bundesheeres.

1936 wird Johann Blumenthal Pressereferent im Bundesministerium für Landesverteidigung. Der überzeugte Gegner des Nationalsozialismus muss erleben, wie das freie und unabhängige Österreich mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten untergeht. Noch am Tage der Besetzung Österreichs reicht er um seine sofortige Versetzung in den Ruhestand ein, damit er nicht bei der deutschen Wehrmacht als Offizier dienen muss. Diesem Antrag wird am 30. November 1938 stattgegeben.

Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Johann Blumenthal als ‘Volljude’ gilt. Im Mai 1939 gründet er gemeinsam mit Hauptmann Rudolf Schalek eine Widerstandsgruppe, die sich im Dezember 1939 in der ‚Großösterreichischen Freiheitsbewegung‘ unter dem Widerstandskämpfer Jakob Kastelic anschließt. Mit der Mitgliedsnummer 8 ist er Mitglied des Exekutiv-Ausschusses und Militärreferent. Er engagiert sich aktiv für die Aufbauarbeit in Wien und in Oberösterreich, wo er intensiv mit Gebhard Rath zusammenarbeitet. Darüber hinaus ist er für die Beschaffung von Sprengmitteln und Munition für Sabotageakte zuständig.

Ab Juli 1940 werden gut 300 Personen dieser Widerstandsgruppen vom Burgschauspieler Otto Hartmann verraten (Otto Hartmann wird in der Folge 1947 zu lebenslanger Haft verurteilt und 1957 begnadigt) und Johann Blumenthal am 23. Juli 1940 verhaftet. In einem Verfahren vor dem Volksgerichtshof wird er 1941 wegen ‚Vorbereitung zum Hoch- und Landesverrat‘ zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, welche er in den Zuchthäusern Anrath und Krefeld verbringt. In dieser Zeit wird er so schwer misshandelt, dass er eine lebenslange 60-prozentige Erwerbsminderung davonträgt. Am 22. Jänner 1944 wird er in das KZ Auschwitz deportiert. Unmittelbar vor der Befreiung des Konzentrationslagers schafft er es am 25. Jänner 1945 zu fliehen und sich durch die deutschen Linien in Sicherheit zu bringen.

Am 20. Dezember 1945 gelingt es Johann Blumenthal in seine Heimatstadt Wien zurückzukehren. Am 16. Februar 1946 wird er rehabilitiert und tritt wieder seinen Dienst im Österreichischen Staatsarchiv an. 1948 heiratet er Angela Leopoldine Luise Sagaster, geborene Rezab und engagiert sich in der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich.

1950 geht er aufgrund der gesundheitlichen Schädigungen, die er im Rahmen seiner Haft erlitten hat, in den vorzeitigen Ruhestand. Er verstirbt 1964 kinderlos in Baden bei Wien. Seine Ehefrau überlebt ihn um 11 Jahre.

Orte

Wohnort:

Verfolgung:

KZ Auschwitz (Polen)

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Matricula Online

Johann Blumenthal

Beamter
* 5. Juni 1895
Wien
† 29. April 1964
Baden bei Wien
Haft, KZ Auschwitz