Emilie Hofer

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Emilie Hofer
Bild: DÖW

Personalia

Geboren:

29. September 1903, Graz

Gestorben:

9. Mai 1970, Wien

Beruf:

Krankenschwester

Verfolgung:

Haft 06.09.1939 - 05.09.1941,
Haft 07.10.1941 - 31.03.1942

Mitgliedschaften

Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Emilie Hofer kommt in Graz als eheliche Tochter von Alois und Emilie Hofer zur Welt. Über ihre Kindheit und Jugend ist nichts erhalten. In Graz läßt sie sich zu Krankenschwester ausbilden und zieht 1927 nach Wien.

Nach einigen Stationen arbeitet sie schließlich im Spital der Barmherzigen Brüder in Wien. Politisch tritt sie in dieser Zeit nicht in Erscheinung, wiewohl sie offensichtlich dem Nationalsozialismus ablehnend gegenübersteht.

Am 12. März 1938 erlebt Emilie Hofer den Untergang des freien und unabhängigen Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht. In der Nacht zum vom 1. September 1939 auf den 2. September 1939, der Nacht nach dem Beginn des deutschen Überfalls auf Polen, hat sie Nachdienst. Um zwei Uhr morgens trifft sie die Krankenpfleger Franz Lehner und Johann Förster. Ihnen gegenüber äußert sie ihr Missfallen über den begonnenen Angriffskrieg.

Jetzt möchte ich an der Front in Polen sein und fest schießen, aber nicht nach vorne, sondern auf einen Bestimmten zurück.

Emilie Hofer zu Franz Lehner und Johann Förster am 2. September 1939

Der Feind ist nicht vorne, sondern hinten.

Emilie Hofer zu Franz Lehner und Johann Förster am 2. September 1939

So billig wie er [Anm.: Adolf Hitler] Österreich und die Tschechoslowakei bekommen hat, dürfte er Danzig nicht kriegen.

Emilie Hofer zu Franz Lehner und Johann Förster am 2. September 1939

Die beiden Krankenpfleger denunzieren Emilie Hofer bei der Gestapo. Am 6. September 1939 wird sie verhaftet und wegen 'Vergehens nach dem Heimtückegesetz' angezeigt. In einem Prozess vor dem Sondergericht in Wien wird sie am 18. Mai 1940 zu einem Jahr Haft verurteilt. Sie kommt am 5. September 1941 frei.

Nachdem die Gestapo das Urteil für zu milde ansieht, wird sie aber am 7. Oktober 1941 verhaftet. Man hatte im Rahmen einer Hausdurchsuchung ein Gedicht mit legitimistischen Inhalt gefunden. Außerdem wird sie verdächtigt, "einem Parteigenossen gegenüber durch Herausstrecken der Zunge die NSDAP geschmäht zu haben".

Am 7. Jänner 1942 wird das neuerliche Verfahren gegen Emilie Hofer jedoch eingestellt. Sie kommt am 31. März 1942 endgültig aus der Haft frei.

Danach arbeitet Emilie Hofer wieder als Krankenschwester und erlebt im April bzw. Mai 1945 die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Sie tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Auch die bekannte sozialistische Widerstandskämpferin Rosa Jochmann kennt Emilie Hofer aus der Haft und bürgt für sie.

Ich war mit Schwester Emilie Hofer, Wien 6., Linke Wienzeile 128 wohnhaft, geb. 29.9.1903 in Graz, einige Male in Haft und unter anderem kann ich die Haft in der Zeit vom 7. Jänner 1942 bis Ende März 1942 bestätigen.

Es ist mir auch durch Erzählungen anderer Lagerkameradinnen bekannt, dass Schwester Hofer im Jahre 1940 durch viele Monate hindurch am Morzinplatz in Haft gewesen ist.

Ich bitte, der Kameradin Hofer in jeder Art und Weise entgegenzukommen.

Rosa Jochmann am 3. August 1953 über Emilie Hofer

Als Krankenschwester geht Emilie Hofer in Pension und verstirbt ledig und kinderlos mit 66 Jahren in Wien. Sie findet ihre letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Hütteldorf.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche

Emilie Hofer

Krankenschwester
* 29. September 1903
Graz
† 9. Mai 1970
Wien
Haft