Universitätsprofessor Dr.Dr.hc. Walter Adolf Franz Heinrich

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 16.03.1938 - 15.06.1938,
KZ Dachau 15.06.1938 - 31.08.1938,
Haft 08.04.1939 - 08.01.1940,
Entlassung 31.03.1938
KZ-Nummer:
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Walter Adolf Franz Heinrich kommt in Haid in Böhmen [heute: Bor in Tschechien] als ehelicher Sohn des Bürgerschullehrers Franz Heinrich und seiner Gattin Berta, einer Glasraffineurstochter, geborene Fluch, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er das Gymnasium in Böhmisch-Leipa [heute: Česká Lípa in Tschechien], wo er 1921 maturiert. Seit etwa 1921 ist er in der 'Sudetendeutschen Jungenschaft' aktiv, wo er bald eine führende Stellung einnimmt. 1921 lernt er den österreichischen Nationalökonomen, Soziologen und Philosophen Othmar Spann kennen. Dieser gilt mit seiner Ständestaatslehre des Universalismus als einer der Wegbereiter des österreichischen Ständestaates und der Kanzlerdiktatur in Österreich zwischen 1934 und 1938.
Nach seiner Matura inskribiert Walter Heinrich Staatswissenschaften an der Deutschen Universität in Prag und gleichzeitig in Wien. 1925 legt er in Prag das Absolutorium ab. Im gleichen Jahr übersiedelt er nach Wien, nimmt die österreichische Staatsbürgerschaft an, setzt sein Studium an der Universität Wien fort und wird zum Doktor der Staatswissenschaften promoviert. 1926 wird er wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für politische Ökonomie und Gesellschaftslehre der Universität Wien bei Othmar Spann, zu dessen engsten Vertrauten er fortan gilt.
1928 habilitiert Walter Heinrich in Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien mit einer Arbeit über 'Grundlagen einer universalistischen Krisenlehre'. Daneben baut er sich enge Verbindungen zum österreichischen Heimatschutz auf. Zwischen 1929 bis 1930 ist er Generalsekretär der 'Bundesführung der Heimwehr' und Autor des undemokratischen 'Korneuburger Eides' vom 18. Mai 1930. Nach seinem Rückzug aus dem Heimatschutz 1930 ist Walter Heinrich vor allem in den deutschsprachigen Teilen Tschechiens, dem von den Nationalsozialisten sogenannten 'Sudetenland' aktiv, wo 1930 eine 'Spann-Gruppe', genannt der 'Spannkreis', entsteht. 1933 wird er außerordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wiener Hochschule für Welthandel [heute: Wirtschaftsuniversität Wien]. Im gleichen Jahr tritt er der NSDAP bei, wird aber 1935, aufgrund Aktivitäten im Spannkreis ausgeschlossen.
1934 ist er treibende Kraft bei der Gründung des 'Instituts für Ständewesen' in Düsseldorf / Nordrhein-Westfalen, hier auch 1934 bis 1936 als Dozent tätig. 1935 heiratet er Johanna Epp und wird in weiterer Folge Vater zweier Söhne. Die 'Spann-Gruppe' erstellt ein Konzept für die Tschechoslowakei, in dem der von den Nationalsozialisten verfolgte 'Anschluss des Sudetenlandes' verworfen wird und anstelle dessen eine föderalistische Neuordnung der Tschechoslowakei unter Einbeziehung aller sprachlichen Gruppen verfolgt wird. Dies und seine Aktivitäten in Österreich bringen Walter Heinrich in Konflikt mit dem Nationalsozialismus.
Bereits im Mai 1936 erstellt Heinrich Himmlers Nachrichtendienst, der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, eine Denkschrift mit dem Titel 'Der Spannkreis, Gefahren und Auswirkungen', worin dem Spannkreis vorgeworfen wird, 'das Sudetendeutschtum im Sinne eines römischen Universalismus beeinflußt und dem nationalsozialistischen Deutschland entfremdet' zu haben.
Am 12. März 1938 erlebt Walter Heinrich, wie mit dem Einmarsch der detuschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Bereits am 16. März 1938 wird er von der Gestapo verhaftet und am 15. Juni 1938 in das KZ Dachau deportiert. Bereits am 31. März 1938 wurde er als Professor entlassen. Am 31. August 1938 erfolgt seine Haftentlassung woraufhin er nach Wien zurückkehrt. Am 8. April 1939 wird er abermals verhaftet und kommt am 8. Jänner 1940 frei. Danach findet er Arbeit als leitender Vorstandssekretär und Prokurist des Wiener Industriekonzerns 'Stölzle Glasindustrie A.G.' und der 'Glashüttenwerke vorm. J. Schreibers Hessen A.G.' in Wien.

Im April bzw. Mai 1945 erlebt Walter Heinrich die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Bereits am 27. April 1945 wird er rehabilitiert wieder Privatdozent bzw. Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien und an der Hochschule für Welthandel. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. 1948 erhält er eine außerordentliche Professor und wird 1949 zum ordentlichen Professor berufen. Er begründet 1951 das 'Institut für Gewerbeforschung', dem er ebenso vorsteht wie dem 'Institut für Integrationsfragen und Wirtschaftspolitik' an der Hochschule für Welthandel. 1951 tritt er der Loge 'Zukunft' der Großloge von Österreich der Alten, Freien und Angenommenen Maurer bei.
Walter Heinrich gehört zu den Mitbegründern der 'Österreichischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft' und der 'Gesellschaft für Ganzheitsforschung'. 1962 wird er Korrespondierendes Mitglied der 'Österreichischen Akademie der Wissenschaften' (philosophisch-historische Klasse).
1972 emeritiert Walter Heinrich und verstirbt mit 81 Jahren in Graz.
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Universität Graz unter www.agso.uni-graz.at/archive/webarchiv/agsoe02/bestand/15_agsoe/15bio.htm
Wikipedia unter www.de.wikipedia.org/wiki/Walter_Heinrich_(Ökonom)
Pichler, Hanns J. (1982):Im Prisma des Geistes. Besprechungsaufsätze und ausgewählte Einzelrezensionen über sechs Jahrzehnte von Walter Heinrich. Eine Festausgabe aus Anlass seines 80. Geburtstages (Graz)
Klausinger, Hansjörg (2015): Die Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Welthandel, 1918 - 1973. Department of Economics Working Papier N. 202 (Wien)
Arolsen Archives
