Lajzer (Leo) Fischmann
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Flucht 22.12.1938,
Haft 01.08.1942 - 10.02.1942,
Nervenheilanstalt Pau 10.02.1942 - 14.07.1944,
Haft 14.07.1944 - 06.08.1944
KZ Buchenwald 06.08.1944 - 14.09.1944,
Ermordet nach dem 14.09.1944
KZ-Nummer:
Lebenslauf
Lajzer 'Leo' Fischmann kommt in Tschenstochau in Russland (Kongresspolen) [heute: Częstochowa in Polen] als ehelicher Sohn des Kaufmanns Izaak Moses Fischmann und seiner Gattin Chaja, geborene Zelkowics, zur Welt. Die Familie ist Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde in Tschenstochau. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts erhalten geblieben. Später zieht er nach Wien und nimmt die österreichische Staatsbürgerschaft an.
In Wien ist Lajzer Fischmann zuerst Angestellter, dann selbständiger Kaufmann im Kohlehandel. Er ist Miteigentümer der Kohlenfirma Laufer & Co in der Hanuschgasse 1, im 1. Wiener Gemeindebezirk. 1921 kommt seine uneheliche Tochter Sonja Kernmaier aus einer Beziehung mit der Katholikin Hildegard Pauline Kernmaier zur Welt. Sonja Kernmaier wird katholisch getauft. 1923 heiraten Lajzer Fischmann und Hildegard Pauline Kernmaier, woraufhin Sonja Kernmaier den Nachnamen ihres Vaters annimmt. 1933 wird die Ehe geschieden, Lajzer Fischmann übernimmt den gesamten Unterhalt für seine Tochter. Politisch tritt er in den 1920ern und 1930ern nicht in Erscheinung.
Am 12. März 1938 muss Lajzer Fischmann erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen er als 'Volljude’ gilt. Nachdem er geschieden ist, befindet er sich nicht mehr in einer 'Mischehe' und ist der nationalsozialistischen Verfolgung schutzlos ausgeliefert.
Um den zunehmenden Repressalien der Nationalsozialisten zu entgehen, entschließt sich Lajzer Fischmann zu Flucht nach Frankreich. Er übergibt seinem engen Freund Josef Karner, selbst Kaufmann, 6.000 Reichsmark mit der Bitte, das Geld seiner Tochter zukommen zu lassen und flüchtet am 22. Dezember 1938 nach Frankreich. Josef Karner stellt daraufhin Sonja Fischmann in seinem Betrieb zu 250 Reichsmark im Monat an. Die Kohlenfirma Laufer & Co wird 1939 von dem NSDAP-Mitglied Otto Egger arisiert.
Lajzar Fischmann erlebt am 22. Juni 1940 die Kapitulation Frankreichs und zieht in das unbesetzte Vichy-Frankreich. Er wird am 1. August 1942, kurz vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 11. November 1942, im Camp de Gurs interniert. Offensichtlich um der Verfolgung zu entgehen, läßt er sich in die Nervenheilanstalt Pau am 10. Februar 1943 einweisen. Im Zuge der Verhaftung seiner Tochter Sonja Fischmann wegen Spionageverdachts wird er in der Nervenheilanstalt Pau am 14. Juni 1944 als 'Politischer Jude' verhaftet und nach Paris überstellt. Von dort erfolgt seine Deportation am 6. August 1944 in das KZ Buchenwald. Ein letztes Lebenszeichen gibt es im Rahmen seiner Überstellung in das KZ-Außenlager Holzen/Eschershausen am 14. September 1944. Er wird dort nach diesem Datum ermordet.
Seine Tochter Sonja Fischmann wird ebenfalls in Konzentrationslager deportiert, erlebt aber die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Sie tritt später der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
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