Sonja Fritz (geb. Fischmann-Kernmaier)
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 31.07.1942 - 10.11.1942,
KZ Auschwitz 10.11.1942 - 09.11.1944,
KZ Ravensbrück 09.11.1944 - 26.04.1945
KZ-Nummer:
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Sonja Kernmaier kommt in Wien als uneheliche Tochter des jüdischen Kaufmanns Lajzer Fischmann und Hildegard Pauline Kernmaier zur Welt. Sonja Kernmaier wird katholisch getauft. Zwei Jahre nach ihrer Geburt heiraten ihre Eltern und sie nimmt den Nachnamen ihres Vaters 'Fischmann' an. 1933 lassen sich die Eltern Scheiden, Lajzer Fischmann kommt für den Kindesunterhalt auf. Nach der Volksschule besucht sie die Hauptschule und im Anschluss die Handelsschule, die sie 1937 absolviert. Danach lebt sie im Haushalt ihrer Mutter. Ihr Vater ist Miteigentümer der Kohlenfirma Laufer & Co in der Hanuschgasse 1, im 1. Wiener Gemeindebezirk.
Am 12. März 1938 erlebt Sonja Fischmann, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen sie als 'Mischling I. Grades' oder 'Halbjüdin’ gilt. Am 15. Juni 1938 tritt sie aus der katholischen Kirche aus.
Nachdem ihr Vater geschieden ist, hat er keinen Schutz aufgrund einer 'Mischehe' und beschließt nach Frankreich zu flüchten. Er übergibt seinem engen Freund Josef Karner, selbst Kaufmann, 6.000 Reichsmark mit der Bitte, das Geld seiner Tochter zukommen zu lassen und flüchtet am 22. Dezember 1938 nach Frankreich. Josef Karner stellt daraufhin Sonja Fischmann in seinem Betrieb zu 250 Reichsmark im Monat an. Die Kohlenfirma Laufer & Co wird 1939 von dem NSDAP-Mitglied Otto Egger arisiert.
Am 31. Juli 1942 wird Sonja Fischmann wegen 'Spionageverdacht' von der Gestapo verhaftet. Worauf sich der Verdacht genau begründet, kann nicht mehr eruiert werden, zumal die Unterlagen vor Kriegsende vernichtet wurden. Sie wird am 10. November 1942 in das KZ Auschwitz deportiert und von dort am 9. November 1944 in das KZ Ravensbrück überstellt. Bei einem Todesmarsch im Rahmen der Evakuierung des Konzentrationslagers schafft sie es im 26. April 1945 zu fliehen.
Sonja Fischmann kehrt nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 nach Wien zurück und tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Nachdem in ihrer Abwesenheit ihre Wohnung geplündert und ausgebombt wurde, muss sie ihre Existenz komplett neu aufbauen.
Nach einer Phase der Arbeitslosigkeit findet sie eine Anstellung als kaufmännische Mitarbeiterin bei einer Firma für Holzexporte. Im ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess zwischen 1963 und 1965 sagt sie als Zeugin aus. 1965 heiratet sie den Bäckermeister Johann Fritz und tritt 1969 wieder in die katholische Kirche ein.
Sonja Fritz geht in Wien in Pension, tritt 1988 abermals aus der katholischen Kirche aus und verstirbt kinderlos mit 87 Jahren in Wien.
Orte
Wohnort:
Verfolgung:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Magistrat Wien - Gewerberecht, Datenschutz, Personenstand
Matricula Online
