Karl Kallenda (geb. Draschke)

Personalia

Geboren:

28. Dezember 1897, Wien

Gestorben:

16. März 1965, Wien

Beruf:

Hilfsarbeiter

Verfolgung:

Haft 27.09.1939 - 22.04.1940

Mitgliedschaften

Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Karl Kallenda kommt in Wien als unehelicher Sohn des gleichnamigen Drechslergehilfen Karl Kallenda und Maria Draschke zur Welt. Drei Jahre nach seiner Geburt heiraten seine Eltern und er nimmt den Nachnamen seines Vaters an.

Er absolviert die Pflichtschule, wobei der dort Schwierigkeiten hat, die gewünschten Ziele zu erreichen. Er macht keine weiterführende Ausbildung, sondern wird Lohndiener (Hilfsarbeiter). Nach 1914 erfolgt seine Einberufung in den I. Weltkrieg, aus dem er als 30-prozentiger Invalide heimkehrt.

im November 1918 erlebt Karl Kallenda die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg. Als Hilfsarbeiter hat er in den 1920ern und 1930ern häufige Wohnortwechsel bzw. ist auf Wanderschaft. So befindet er sich oftmals auch in Deutschland oder in den Bundesländer Österreichs. Politisch tritt er nicht in Erscheinung.

Am 12. März 1938 erlebt Karl Kallenda, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Am 21. September 1939, einem warmen Spätsommertag, kurz nach Ausbruch des II. Weltkrieges, befindet er sich im Wiener Amalienbad. Dort kritisiert er in Anwesenheit von sechs Badegästen den soeben ausgebrochenen Angriffskrieg.

Die Ostmärker sind recht blöd, dass sie für die Preussen ihr Blut vergießen. Ich kann es ja beweisen. Ich selbst bin mit 6000 Ostmärkern bei einem Beschäftigungsbau in Lübek gewesen. Dort mussten wir 100 Meter unter der Erde arbeiten, während die Preussen zusahen und uns auslachten.

Karl Kallenda vor Badegästen im Amalienbad am 21. September 1939

Zwei Anwesende, Alexander Zimmer und Leopold Ofner, denunzieren Karl Kallenda. Am 27. September 1939 wird er von der Gestapo verhaftet und in einem Prozess vor dem Sondergericht am 14. März 1940 zu neun Monaten Haft, unter Anrechnung der Untersuchungshaft, verurteilt. Am 22. April 1940 wird er vorzeitig aus der Haft entlassen.

Am 7. Juli 1943 wird Karl Kallenda schließlich zur Wehrmacht eingezogen und gerät in Kriegsgefangenschaft. Dort er lebt er die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945.

Nach seiner Heimkehr nach Wien Ende November 1945 wohnt Karl Kallenda zuerst in einem Heimkehrerquatier im Ringtrakt der Neuen Hofburg. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Er arbeitet hernach weiter als Hilfsarbeiter und wohnt zeitweise im Männerwohnheim Meldemannstraße im 20. Wiener Gemeindebezirk.

Karl Kallenda verstirbt ledig und kinderlos mit 67 Jahren in Wien und findet seine letzte Ruhestätte am Wiener Zentralfriedhof.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Matricula Online

Karl Kallenda

Hilfsarbeiter
* 28. Dezember 1897
Wien
† 16. März 1965
Wien
Haft