Johann Gustav Philipp Cernoch

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 15.07.1941 - 15.01.1943
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Johann Gustav Philipp Cernoch kommt in Wien als ehelicher Sohn des Kaufmanns Gustav Cernoch und Katharina, geborene Weihs, zur Welt. Ein Teil seiner Großeltern mütterlicherseits ist jüdischen Glaubens. Nach der Volks- und Hauptschule besucht er eine Klasse der Handelsschule. Bereits mit 13 Jahren, im Jahre 1937 tritt er der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) bzw. einem Jugendverband bei.
[Anm.: Auf dem Mitgliedsausweis der KPÖ von 1946 steht als Aufnahmejahr 1941, Johann Cernoch gibt aber bei der Aufnahmeerklärung zum Häftlingsverband das Jahr 1937 an.]
Kurz vor seinem 14. Geburtstag erlebt Johann Cernoch, wie das freie und unabhängige Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 12. März 1938 untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Johann Cernoch als ‘Mitschling II. Grades’ gilt.
Nach der Handelsschule arbeitet Johann Cernoch als Metallgießer. Als er am 4. Juli 1941 in der Parkanlage vor der Hauptverwaltung der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (DDSG) mit seiner Bekannten Stefanie Karger und ihrem Ehemann auf einer Parkbank sitzt, meint er unter anderem, er hätte noch eine Pistole, mit der er Hermann Göring erschießen würde und die im Radio übertragenen Berichte des Oberkommandos der Wehrmacht stimmen nicht.
Am 5. Juli 1941 und am 15. Juli 1941 kritisiert er gegenüber einer weiteren Bekannten, Margarethe Jecklin, die Okkupation Österreichs durch das Dritte Reich, das nationalsozialistische Regime und Adolf Hitler persönlich. Dem SS Untersturmführer Franz Mücksch gegenüber relativiert er, ebenfalls am 15. Juli 1941, den Vorwurf, Russen würden gegen deutsche Soldaten Gräueltaten verüben. Schließlich erklärt er dem Obwehrbeauftragten in der DDSG, dass die Vereinigten Staaten in den Krieg eintreten würden und sich dieser dadurch zu Ungunsten des Dritten Reiches entwickeln würde.
Noch am 15. Juli 1941 wird Johann Cernoch von der Gestapo verhaftet. Es soll zuerst vor das Sondergericht gestellt werden, wird jedoch aufgrund seines jungen Alters vor den Jugendgerichtshof gestellt. In einem Prozess wird er am 19. Februar 1942 wegen des Vergehens der ‘heimtückischen Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniform’ zu einer Strafe von 26 Monaten verurteilt. Er verbüßt die Strafe im Jugendgefängnis Kaiserebersdorf. Aufgrund der Haftbedingungen erkrankt er sowohl physisch, an Lunge und Blase, als auch psychisch. Aufgrund seines Gesundheitszustandes wird Johann Cernoch am 15. Jänner 1943 vorzeitig entlassen und für wehrunwürdig erklärt.
Die Haftzeiten hinterlassen bei Johann Cernoch derart psychische Belastungen, dass bei ihm am 19. November 1943 eine schizophrene Erkrankung festgestellt und er in die Heil- und Pflegeanstalt 'Am Steinhof’ eingeliefert wird. Nach seiner Entlassung arbeitet er als Hilfsarbeiter.
Im Mai 1945 erlebt Johann Cernoch die Befreiung Österreichs durch die Alliierten. Nach dem Krieg engagiert er sich zuerst wieder bei der KPÖ, heiratet die aus Amstetten stammende Schaffnerin Friederike Kloibhofer und arbeitet als Verwaltungsangestellter einer Firma. Später tritt er bei der KPÖ aus und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.
Johann Cernoch verstirbt mit 35 Jahren in Wien.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
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