Dr. Karl Maria Stepan

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Karl Maria Stepan
Bild: ÖCV

Personalia

Geboren:

24. Juni 1894, Wien

Gestorben:

11. September 1972, Graz

Beruf:

Landeshauptmann der Steiermark

Verfolgung:

Haft 12.03.1938 - 22.04.1939,
KZ Dachau 22.04.1939 - 27.09.1939,
KZ Mauthausen 27.09.1939 - 19.04.1940,
KZ Gusen 19.04.1940 - 02.10.1940,
Arbeitsverbot 1943,
Haft 23.08.1944 - 26.09.1944,
KZ Flossenbürg 26.09.1944 - 04.11.1944,
KZ Dachau 04.11.1944 - 29.04.1945

KZ-Nummer:

33001

Ehrungen:

Silberne Tapferkeitsmedaille II. Klasse

Karl-Truppenkreuz

Großkreuz des österreichischen Verdienstordens

Ehrenring des Landes Steiermark

Großkreuz des heiligen Sylvesterordens

Gregoriusorden

Mitgliedschaften

K.Ö.H.V. Carolina Graz, K.Ö.St.V. Babenberg Graz, K.Ö.St.V. Glückauf Leoben, K.a.V. Norica Wien, Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem - Statthalterei Österreich

Lebenslauf

Karl Maria Stepan besucht die Gymnasien in Wien-Meidling, Wiener Neustadt und Mödling, wo er maturiert. Anschließend beginnt er das Studium der Rechtswissenschaften in Wien und tritt 1913 der Studentenverbindung Norica bei.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldet er sich im August 1914 freiwillig zum Militär. Nach Beendigung des Einjährig-Freiwilligenjahres kommt er als Fähnrich der Reserve an die russische Front. Hier gerät er 1915 bei Dubno (Ukraine) in russische Kriegsgefangenschaft und verbringt fast fünf Jahre in Sibirien in einem Lager in Sterjetensk (östlich des Baikalsees). In den Wirren der russischen Revolution gelingt der erste Fluchtversuch nicht, es folgt eine Internierung in Moskau. Der zweite Fluchtversuch gelingt, Karl Maria Stepan kommt Ende Juli 1920 über Leningrad nach Wien zurück.

Eine schwere Erkrankung und der Verlust der Ersparnisse scheinen zunächst eine Weiterführung des Studiums auszuschließen. P. Wilhelm Schmidt SVD († 1954) und o. Univ.-Prof. P. Dr. Nivard Schlögl OCist. († 1939) ermöglichen es ihm aber, das Jus-Studium fortzusetzen. Er wechselt im Herbst 1921 nach Graz, wo er sich der Studentenverbindung Carolina anschließt und 1924 zum Dr. iur. promoviert wird.

Nach der Gerichtspraxis tritt Karl Maria Stepan in die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Rudolf Trummer ein. 1924–1928 ist er Generalsekretär der Christlichsozialen Partei in der Steiermark. 1928 wechselt er als Direktionssekretär in die „Anstalten des Katholischen Preßvereins in der Diözese Seckau“ [später Druck- und Verlagshaus Styria bzw. Styria Medien AG], wird nach wenigen Monaten deren Direktor bzw. 1929–1934 Generaldirektor.

1932 tritt Karl Maria Stepan aus der CSP aus und informiert im Mai 1933 Bundeskanzler Engelbert Dollfuß über die politischen Aktivitäten des Landeshauptmannes Rintelen. Auf Ersuchen des Bundeskanzlers ist Karl Maria Stepan Februar bis Oktober 1934 Bundesleiter der VF und maßgeblich an deren Auf- und Ausbau beteiligt. Dann tritt er auf Grund persönlicher Spannungen mit Kurt von Schuschnigg zurück und wird am 13. Oktober 1934 zum Landeshauptmann in der Steiermark bestellt; am 2. November 1934 tritt er sein Amt an. Er geht rigoros gegen die Nationalsozialisten vor.

Nach einem Besuch des im Februar 1938 ernannten Bundesministers für innere Verwaltung und Sicherheit, Dr. Arthur Seyß-Inquart († 1946), in Graz muss Karl Maria Stepan am 3. März 1938 als Landeshauptmann zurücktreten und kehrt in den Katholischen Preßverein zurück.

Am 12. März 1938 erlebt Karl Maria Stepan den Untergang des freien und unabhängigen Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht. Er wird um 3 Uhr früh am Tag der Besetzung Österreichs verhaftet und kommt in das Polizeigefangenenhaus in Graz. Seine Frau wird gezwungen, das Haus der siebenköpfigen Familie an den Fiskus zu verkaufen. Am 25. Mai 1938 wird er in die Untersuchungshaft im Gefängnis des Landesgerichtes für Strafsachen in Graz überstellt. Um auch ihn – wie andere politische Gefangene – zu kriminalisieren, wird eine Voruntersuchung wegen des Verdachts des Diebstahls und der Veruntreuung eingeleitet. Auch bei Karl Maria Stepan misslingt dies. Am 1. Dezember 1938 erfolgen nach erwiesener Unschuld die Einstellung der Voruntersuchung und die Rücküberstellung in das Polizeigefängnis.

Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes wird er in Spitalpflege gebracht, die erwogene Freilassung findet aber aufgrund eines am 5. April 1939 von Berlin ergangenen Schutzhaftbefehls nicht statt. Am 22. April 1939 erfolgt daraufhin die Überstellung in das KZ Dachau, wo er kurz nach seiner Ankunft 92 Tage in Einzelhaft und teilweiser Dunkelhaft im „Kommandanturarrest“ („Bunker“) verbringen muss. Am 27. September 1939 wird er in das KZ Mauthausen verlegt, wo er zunächst im Steinbruch, dann als Eisenbieger im Baukommando arbeitet und schließlich von Dezember 1939 bis April 1940 im Seuchenrevier als Hilfssanitäter tätig ist, wo er unter anderen Adolf Hörhager, Ferdinand Habel und dessen Freund Hermann Lein pflegt. In Prozessen nach 1945 bezeugt er „Tötungen fast zu jeder Zeit und an jedem Ort“ im KZ Mauthausen.

Nach einer Denunziation durch Mithäftlinge, die befürchtet haben, wegen ihres illegalen Handels mit Goldzähnen angezeigt zu werden, kommt Karl Maria Stepan am 19. April 1940 in das Nebenlager Gusen I, wo er Grabungsarbeiten verrichtet. Zu dieser Zeit ist Pfarrer Johann Gruber ab 20. August 1940 Pfleger im Häftlings-Krankenrevier. Karl Maria Stepan übersteht hier besondere Schikanen und wird am 2. Oktober 1940 aus dem KZ entlassen.

Nach erfolgloser Suche nach einer Arbeitsstelle im „Altreich“ wird ein Arbeitsverbot ausgesprochen und Karl Maria Stepan angewiesen, Groß-Graz nicht zu verlassen. Ab dem 1. Dezember 1943 arbeitet er als Magazinarbeiter und Lagerhalter in der arisierten Lederhandlung eines SS-Obersturmbannführers. Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 wird er – wie viele andere bekannte Regimegegner – am 23. August 1944 neuerlich verhaftet und mit dem Haftgrund „rückfällig“ im September 1944 in das KZ Flossenbürg („eine wahrhaftige Hölle“) eingeliefert. Von dort wird er am 4. November 1944 in das KZ Dachau überstellt, wo ihn am 29.4.1945 die US-Army befreit. Er muss aber bis 24. Mai 1945 hierbleiben. Dann bricht er aus der Lagerquarantäne aus und geht zu seinen Kindern in Weißenbach an der Enns (Stmk).

Wie schon im Ersten Weltkrieg hat Karl Maria Stepan auch unter dem NS-Terror insgesamt dreieinhalb Jahre hinter Stacheldraht verbracht. Nicht ohne Kränkung darüber, dass er nicht wieder in die Politik gerufen wird, kehrt er am 1. Oktober 1945 als Öffentlicher Verwalter in den Katholischen Preßverein der Diözese Seckau zurück, dessen Generaldirektor er in der Folge bis 1968 wieder wird. 1952 wird er in den Ritterorden vom heiligen Grab zu Jerusalem (OESSH) aufgenommen, übernimmt aber in weiterer Folge keine politischen Ämter mehr.

Nach langer Krankheit verstirbt Karl Maria Stepan 1972 im Alter von 78 Jahren. Er ist auf dem St.-Leonhard-Friedhof in Graz beigesetzt.

Orte

Verfolgung:

KZ Dachau (Deutschland), KZ Flossenbürg (Deutschland), KZ Gusen (St. Georgen an der Gusen), KZ Mauthausen

Wohnort:

Quellen

Krause, Peter/Reinelt, Herbert/Schmitt, Helmut (2020): Farbe tragen, Farbe bekennen. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Teil 2. Kuhl, Manfred (ÖVfStG, Wien) S. 344 - 346.

Archiv Ritterorden vom heiligen Grab zu Jerusalem (OESSH)

Karl Maria Stepan

Landeshauptmann der Steiermark
* 24. Juni 1894
Wien
† 11. September 1972
Graz
Tätigkeitsverbot, Haft, KZ Dachau, KZ Flossenbürg, KZ Gusen, KZ Mauthausen