Dr. Johann Josef Holkup

Personalia

Geboren:

5. September 1918, Wien

Gestorben:

7. Jänner 2014, Wien

Beruf:

Arzt

Verfolgung:

Haft 08.04.1939 - 15.05.1941

Mitgliedschaften

Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Johann Josef Holkup kommt in Wien als ehelicher Sohn des Klaviermachers Josef Holkup und seiner Gattin Theresia, geborene Kasáčik, zur Welt. Seine Eltern, die aus der späteren Tschechoslowakei kommen, sind zwar wie Johann Holkup österreichische Staatsbürger, erziehen ihn jedoch im tschechischen Sinne. Er besucht in Wien die tschechische Volksschule und danach das tschechische Realgymnasium im 16. Wiener Gemeindebezirk, wo er 1936 maturiert. Noch im Jahr seiner Matura inskribiert er Medizin an der Universität Wien. In Wien tritt er dem tschechischen akademischen Verein bei.

Am 12. März 1938 erlebt Johann Holkup, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Im Mai 1938 wird er von dem tschechischen Studenten Emmerich Crhak, den er von der Schule und dem tschechischen akademischen Verein kennt und inzwischen für den tschechischen Geheimdienst arbeitet, ersucht, nach Hainburg in Niederösterreich zu fahren um zu erkunden, ob sich dort deutsche Truppen befänden. Er fährt nach Hainburg, stellt fest, dass dort noch keine Truppen sind und teilt dies Emmerich Crhak mit.

Am 7. Mai 1938 fährt er mit dem Studenten Emil Bartak, der wie Emmerich Crhak für den tschechischen Geheimdienst arbeitet, nach Brünn [heute: Brno] um sich dort mit Mitgliedern des tschechischen Geheimdienstes zu treffen. Dort wird er beauftragt, deutsche Truppenteile und deutsche Offiziere auszuspionieren. Johann Holkup fährt am 9. Mai 1938 zurück nach Wien und nimmt seine Spionagetätigkeit auf. Im Herbst 1938 wechselt er den Studienort nach Brünn, da die Gestapo von seiner Tätigkeit informiert ist.

Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in der sogenannten 'Rest-Tschechei' am 15. März 1939 stellt sich Johann Holkup am 8. April 1939 der Gestapo und wird sofort verhaftet. In einem Prozess vor dem Volksgerichtshof am 15. Dezember 1939 wegen 'Landesverrats' wird er zu zwei Jahren Haft unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Er kommt am 15. Mai 1941 aus der Haft. Nach seiner Haftentlassung setzt Johann Holkup sein Studium für ein Jahr fort, bevor er 1942 dienstverpflichtet wird und an einer Chirurgisch-Gynäkologischen Abteilung arbeiten muss.

In Wien erlebt Johann Holkup die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Bereits im Sommersemester 1945 nimmt er sein Studium der Medizin wieder auf und wird am 9. Mai 1947 zum Doktor der Medizin promoviert.

Johann Holkup engagiert sich als Funktionär des Komitees der geschädigten Hochschüler Wien (zuständig für die Absolventenvertretung), sowie als Funktionär des Verbandes der geschädigten Ärzte in Wien. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.

Als Arzt arbeitet Johann Holkup in der Prosektur, der Herzstation, der Internen- und Hals-Nasen-Ohren-Abteilung in der Städtischen Poliklinik in Wien. 1948 wird er zum Arzt an der I. Frauenklinik der Universität Wien bestellt. 1950 heiratet er Anna Johanna Petrik standesamtlich.

Nach Studienaufenthalten in England scheidet er aus der I. Frauenklinik der Universität Wien aus und wird selbständiger Gynäkologe. 1955 heiratet er Anna Johanna Petrik kirchlich.

Als Arzt geht Johann Holkup in Pension und verstirbt kinderlos in Wien. Er findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Grinzing.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Archiv der Universität Wien

Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938

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Johann Holkup

Arzt
* 5. September 1918
Wien
† 7. Jänner 2014
Wien
Haft