Ing. Johann Rudolf (Hans) Hammerschmied

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 13.12.1943 - 06.04.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Johann Rudolf Hammerschmied, genannt 'Hans', kommt in Laa an der Thaya als ehelicher Sohn des Fürst Reuss’scher Ökonomieverwalters Johann Hammerschmied und seiner Gattin Emma, geborene Lester, zur Welt. Nach der Volksschule in Ernstbrunn besucht er das Untergymnasium in Korneuburg und wechselt im Anschluss an das Technische Gewerbemuseum (TGM) in Wien, wo er 1915 maturiert. Im gleichen Jahr wird er in den Ersten Weltkrieg eingezogen .
Hans Hammerschmied kehrt nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg im November 1918 heim und gründet 1919 in Ernstbrunn in Niederösterreich einen Betrieb bestehend aus einer Landmaschinenfabrik. Er beginnt mit einfacher Erzeugung, Handel und Reparatur. Die Firma Hammerschmied ist ein Dienstleistungsbetrieb für den Hof und die bäuerliche Wirtschaft. 1920 heiratet er Friederike Wojna und wird in weiterer Folge Vater eines gleichnamigen Sohnes.

Hans Hammerschmied baut den Betrieb sukzessive aus. Bekannt wird die Firma bald in ganz Österreich durch die von Hans Hammerschmied selbst konstruierte Oekonom-Mühle S 350, eine Mühle zur Futtererzeugung mit vertikal stehenden Kunststeinen. Diese Mühle bewährt sich sehr und die Firma wächst rasch. Im Jahr 1927 wird eine Maschinenhalle errichtet, in der ab 1930 produziert wird. Das Erzeugungsprogramm umfasst die typischen Hofgeräte der Zeit: Weinpressen und –quetschen, Rübenschneider, Kartoffeldämpfer, Kreissägen und Kreissägewellen in sehr hoher Stückzahl. Im Jahr 1935 wird der Betrieb um eine Eisengießerei erweitert. Sie erzeugt vor allem die Gussteile für die eigenen Landmaschinen, um in der Produktion autark zu sein. Zusätzlich beginnt man auch bald mit der Lohnfertigung für andere Firmen. Im 20. Wiener Gemeindebezirk gründet er darüberhinaus eine Holzwarenfabrik.
Den Nationalsozialismus lehnt Hans Hammerschmied aus tiefer österreichisch-patriotischer und katholischer Überzeugung ab. 1934 wird er Mitglied der Vaterländischen Front; in Ernstbrunn ist er als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus bekannt. Zwischen 1934 und 1938 werden aufgrund seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus oftmals die Fensterscheiben seines Wohnhauses eingeschlagen, ein Plan zu Anschlägen auf seine Fabrik wird rechtzeitig aufgedeckt.
Am 12. März 1938 erlebt Hans Hammerschmied wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Einer Einweisung in ein Konzentrationslager kann er durch Interventionen von anderen Unternehmern und Interessensvertretern entgehen. Nachdem sein Betrieb als kriegsnotwendig angesehen wird, erfolgt mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges keine Einberufung zur Wehrmacht, da er 'uk' (unabkömmlich) gestellt wird.

Nachdem Hans Hammerschmied seine ablehnende Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus nicht geändert hat, versuchen Ernstbrunner Nationalsozialisten ihn hinter Gitter zu bringen. Zunächst wird er im 1943 wegen illegalen Bezugs von Lebensmitteln ohne entsprechende Bezugsscheine angezeigt. Die Anklage ist aber nicht schwer genug für eine Haftstrafe.
Am 7. Dezember 1943 fährt Hans Hammerschmied in einem vollbesetzten Eisenbahnabteil mit der Ortsamtsleiterin der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) und Ortsfrauenwalterin der Deutschen Arbeitsfront (DAF) Elvira Maihart. Nachdem Elvira Maihart und Hans Hammerschmied schon lange bekannt sind, erzählt er ihr von dem Besuch eines Jugoslawen eine Woche zuvor. Dieser sei Partisane und erzählte, dass im besetzten Jugoslawien deutsche Soldaten und Polizeibeamte zu den Partisanen überlaufen würden. Die Partisanen würden die Überläufer sehr gut behandeln. Dann führt Hans Hammerschmied aus, dass die Alliierten nicht Krieg gegen das deutsche Volk, sondern gegen die deutsche Regierung führen und dass es den Arbeitern unter der Kanzlerdiktatur von Engelbert Dollfuss und Kurt von Schuschnigg besser gegangen sei. Auch die Ankündigungen des Regimes über den Wiederaufbau nach dem 'Endsieg' stellt er als überzogen dar.
Die reden alle, dass sie die Häuser alle in einem Jahr aufbauen. Wie wollen sie denn das tun? Wenn man heute schon Monate braucht, um nur eine Wohnung herzurichten.
Elvira Maihart erzählt das Erlebte ihrem Ehemann, der ebenfalls Funktionär der NSDAP ist. Dieser ermutigt sie, die Vorkommnisse im Zug bei der Gestapo anzuzeigen.
Hans Hammerschmied wird am 13. Dezember 1943 von der Gestapo verhaftet. Seine Holzwarenfabrik im 20. Wiener Gemeindebezirk wird konfisziert und liquidiert. Im Rahmen der Anklageerhebung beantragt die Staatsanwaltschaft die Todesstrafe. Durch einen wohlgesonnenen Psychiater, ein wohlwollendes psychiatrisches Gutachten und der Aussage von Familienmitgliedern und Bekannten, gelingt es, Hans Hammerschmied eine 'Psychose' zu attestieren, weshalb er am 19. Februar 1945 in einem Prozess vor dem Volksgerichtshof zu drei Jahren Haft in einer psychiatrischen Anstalt verurteilt wird. Dort wird er am 6. April 1945 von alliierten Soldaten befreit.
In Ernstbrunn erlebt Hans Hammerschmied die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. Sofort beginnt er wieder sein Unternehmen aufzubauen. Zuerst in Wien und schließlich wieder an seinem Stadtort in Ernstbrunn. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.
Hans Hammerschmied ist einer jener Österreicher, die den wirtschaftlichen Aufschwung Österreichs nach 1945 als Unternehmer aktiv mitgestalten. 1954 übergibt er die Leitung des Unternehmens an seinen in Österreich und den Vereinigten Staaten von Amerika ausgebildeten Sohn.
Hans Hammerschmied verstirbt im 65. Lebensjahr und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Ernstbrunn.

Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Matricula Online
Stefan Hammerschmied, Privat
www.hammerschmied.at
