Rittmeister Guido Hermann Karl Maria Freiherr von Colard

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 01.06.1938 - 27.10.1939,
KZ Buchenwald 27.10.1939 - 28.02.1941,
Haft 21.05.1943 - 10.09.1943,
KZ Flossenbürg 10.09.1943 - 15.04.1945
Ehrungen:
Bronzene Militär-Verdienstmedaille mit Kriegsdekoration und Schwertern
Silberne Militär-Verdienstmedaille mit Kriegsdekoration und Schwertern
Karl-Truppenkreuz
Bulgarisches Verdienstkreuz mit Kriegsdekoration und Schwertern
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Guido Hermann Karl Maria Freiherr von Colard kommt in Sarajewo als Sohn des k.u.k. Generals der Infanterie, Hermann Freiherr von Colard und Paula Alexia, geborene Österreicher, zur Welt. Er hat eine ältere Schwester. Nach der Volksschule in Lemberg [heute: Lviv in der Ukraine] besucht er die Unterstufe des Stiftsgymnasiums in Kremsmünster und wechselt dann an die Militär-Oberrealschule in Mährisch-Weißkirchen, wo er 1914 maturiert.
Im Oktober 1914 tritt er Berufsoffizier in das Dragonerregiment Nr. 3 'Friedrich August König von Sachsen' ein, wechselt später in das Dragonerregiment Nr. 10 'Fürst von Liechtenstein' und dient in der Folge an unterschiedlichen Kriegsschauplätzen. Nach dem Untergang der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Österreichs dient er noch bis 1920, rüstet als Rittmeister ab und wird danach als Bundesangestellter in den fachtechnischen Dienst der Postsparkasse übernommen, bevor er 1925 in den Dienst der Bundespolizeidirektion Wien tritt. 1936 avanciert er dort zum Amtssekretär.
Am 12. März 1938 muss Guido Freiherr von Colard erleben, wie das freie und unabhängige Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht untergeht. Er wird von den neuen Machthabern dem Passreferat der Gestapo zugeteilt. Dort verhilft er Auswanderungswilligen und Jüdinnen und Juden gesetzeswidrig zu Ausreisebewilligungen.
Dies bleibt nicht unbemerkt und Guido Freiherr von Colard wird am 1. Juni 1938 von der Gestapo verhaftet. Am 27. Oktober 1939 wird er in das KZ Buchenwald deportiert. Am 23. Juli 1940 wird er zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und am 23. August im Konzentrationslager von dem Urteil, lautend auf 'Amtsmissbrauch und Rassenschande' in Kenntnis gesetzt. Aufgrund einer schweren gesundheitlichen Erkrankung wird er am 28. Februar 1941 aus dem Konzentrationslager entlassen.

In Freiheit erzählt Guido Freiherr von Colard Verwandten und Bekannten von den Zuständen in den Konzentrationslagern. Über Bekanntschaften von vor der Besetzung Österreichs 1938 knüpft er Kontakte zu slowakischen Widerstandsgruppen und gründet in Wien, gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Napoleon Bihary und dem Fuhrwerksbesitzer Theodor Tichy, eine Widerstandsgruppe. Sie leiten militärische Informationen über ihre slowakischen Bekannten an ausländische Geheimdienste weiter. 1942 heiratet er Ula Bauer; die Ehe geht jedoch bereits 1945 in Brüche.
Als Anfang 1943 ein englischer Fallschirmspringer in der Nähe des Neusiedlersees abspringt wird er bald darauf in Wien verhaftet. Mit sich führt er die Adresse von Guido Freiherr von Colard. Nachdem dieser gerade in München ist, kann er erst am 21. Mai 1943 von der Gestapo verhaftet werden. Da der verhaftete Fallschirmspringer Guido Freiherr von Colard nicht verrät, kann ihm kein Prozess wegen 'Vorbereitung zum Hochverrat' gemacht werden. Daher wird er ohne Verfahren am 10. September 1943 in das KZ Flossenbürg deportiert. Dort kann er am 15. April 1945, unmittelbar vor der Befreiung durch die US-Army, flüchten.
Im April und Mai 1945 erlebt er die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik. 1946 gründet er eine Handelsagentur und einen Großhandel für Gebrauchsgegenstände und heiratet 1947 in zweiter Ehe Hermine Rutzki, geborene Putz, mit der er einen gemeinsamen Sohn hat. 1948 tritt der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Zwar zerbricht die Ehe 1957, sie heiraten jedoch 1978 wieder.

Als Kaufmann geht Guido Freiherr von Colard in Pension und verstirbt mit 88 Jahren in Großmugl. Er findet seine letzte Ruhestätte im Familiengrab am Friedhof der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt.
Orte
Wohnort:
Verfolgung:
Quellen
Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Guido Freiherr von Colard jun., Privat
Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Hermann_von_Colard
