Emilie Gehrig

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Entlassung 18.03.1938,
Haft 19.03.1938 - 27.03.1938,
Haft 09.11.1939 - 09.06.1940
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Emilie Gehrig kommt in Wien als eheliche Tochter des Fabrikanten Johann Heinrich Gehrig und seiner Gattin Emilie, geborene Hefele, zur Welt. Nach der Volksschule besucht sie die Bürgerschule und im Anschluss einen einjährigen Fortbildungskurs in einem Kloster in Döbling. Danach praktiziert sie sechs Monate im Sanatorium Gnadenwald in Tirol, verbringt sechs Monate in Paris und absolviert zurückgekehrt einen zweijährigen Lehrkurs in Retz für Kindergärtnerinnen und Erzieherinnen, den sie 1914 abschließt. Sie praktiziert von Herbst 1914 bis Ende Dezember 1915 am Kaiserin Elisabeth-Kindergarten der Gemeinde Wien und absolviert im Anschluss einen Säuglingspflegekurs im Niederösterreichischen Landeszentralkinderheim und der Reichsanstalt für Mütter- und Säuglingspflege. Emilie Gehrig wird am 1. September 1916 als Fürsorgerin der Gemeinde Wien angestellt.
Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg gibt Emilie Gehrig ihre Stelle bei der Gemeinde Wien auf und übernimmt im Jänner 1919 die Leitung des Erzieherinnenverbandes der Katholischen Frauenorganisation (KFO). Später wird ihr noch die Leitung der Fürsorgeorganisation dieser Organisation übertragen.
Mit 1. Februar 1921 gibt Emilie Gehrig ihre Tätigkeit auf, um den Haushalt für ihre Mutter und ihre Schwester zu führen, mit denen sie zusammenwohnt. Die katholisch-gläubige Legitimistin engagiert sich im Reichsbund der Österreicher und im Verein Logos. Zusätzlich betätigt sie sich schriftstellerisch und trägt im Eisernen Ring vor. 1935 erscheint ihr Buch 'Umjubelt, Verkannt, Verbannt', die erste Biographie über Kaiserin Zitta. Am 24. November 1937 wird sie Hausmutter in der Bundeserziehungsanstalt Wien-Breitensee.
Die gläubige Katholikin und patriotische Österreicherin erlebt, wie am 12. März 1938 mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Aufgrund ihrer betont österreichischen Einstellung und der Publikation 'Umjubelt, Verkannt, Verbannt' wird Emilie Gehrig am 18. März 1938 entlassen und von 19. März 1938 bis 27. März 1938 in Schutzhaft genommen. Sie findet am 1. April 1939 Arbeit als Hilfskraft in der Redaktion des 'Zweipfennigblatts', ist aber laufend Hausdurchsuchungen der Gestapo ausgesetzt.
Bei einer dieser Hausdurchsuchungen findet die Gestapo am 9. November 1939 Emilie Gehrigs Schreibmaschine und ein von ihr vervielfältigtes und an legitimistische Freunde verteiltes Gedicht, welches ursprünglich in der österreichischen Emigrantenzeitung 'Der Österreichische Bote' erschienen war. In das Unterfangen sind ebenfalls die Legitimisten Oberstleutnant a.D. Walter Dürr und Maria Theresia Kattenburg verwickelt.
Ich sehe die gleichen Wälder,
Ich gehe die gleichen Wege einher,
Ich sitze in Mutters Stube
Und hab doch keine Heimat mehr.
Ich sehe die gleichen Menschen,
Die schon als Kind ich gekannt,
Sie grüßen mit fremden Gruße
Und haben das Alte verbannt.
Sie beten zu fremden Göttern
Und dünken sich Göttern gleich -
Ich fühl' mich verlassen und einsam
Und wein' um mein Österreich!
Darüber hinaus finden sie eine Bestätigung der Sakristei der Pfarre Mairazell, dass Emilie Gehrig am 7. August 1939 eine heilige Messe für die baldige Befreiung Österreichs und die Rückkehr des Hauses Habsburg bestellt hat. Sie wird sofort verhaftet und am 9. Mai 1940 aus der Untersuchungshaft entlassen.
In einem Prozess vor dem Sondergericht wird sie am 21. Mai 1940 zu sieben Monaten Haft unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Somit gilt die Strafe als verbüßt. Sie wird aber für ein Jahr in ihrer Wohnung konfiniert [Anm: unter Hausarrest gestellt]. Von August 1941 bis zu ihrem Tod am 17. Mai 1943 pflegt sie ihre Freundin Margit Gräfin Szápáry in Schloss Haunsperg und Ramingstein in Salzburg. Danach arbeitet sie als Landarbeiterin im Stift Ardagger in Niederösterreich.
Im Stift Ardagger in Niederösterreich erlebt Emilie Gehrig die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Sie kehrt zurück nach Wien und tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Mit ihrer Schwester, ihre Mutter war 1939 verstorben, lebt sie in der gemeinsamen Wohnung von einer Kleinstpension. 1970 übersiedeln sie und ihre Schwester in das Altersheim Augustineum in Breitenfurt bei Wien.
Emilie Gehrig verstirbt ledig und kinderlos im Spital in Klosterneuburg bei Wien mit 81 Jahren an einem Lungeninfarkt und findet ihre letzte Ruhestätte am Wiener Zentralfriedhof.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Landesarchiv NÖ
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Matricula Online
Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche
