Dr. Rudolf Kroyer

Photo von Rudolf Kroyer
Rudolf Kroyer
Bild: ÖCV

Personalia

Geboren:

3. August 1911, Zemendorf

Gestorben:

24. November 1997, Wien

Beruf:

Lehrer

Verfolgung:

Haft 25.03.1938 - 09.04.1938,
Entlassung 30.09.1939,
Haft 26.02.1940 - 11.03.1940

Mitgliedschaften

Reichsbund für Jugend und Sport, K.Ö.St.V. Merkenstein Berndorf, Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Rudolf Kroyer kommt in Zemendorf im Burgenland als ehelicher Sohn von Stefan Kroyer und seiner Gattin Maria, geborene Haider, zur Welt. Er besucht die katholische Pfarrschule in Zemendorf, an der teilweise noch ungarisch unterrichtet wird. Er wird Mitglied im 'Reichsbund für Jugend und Sport'. 1925/26 wechselt er auf das humanistische Gymnasium in Eisenstadt. Während seiner Mittelschulzeit wird er 1929 bei der Mittelschulverbindung Saxo-Teutonia in Wien (heute Merkenstein Berndorf) sowie später im Jugendbund Neuland aktiv. 1932 maturiert er und wird am 1. November 1932 Volksschullehrer in Neutal.

Als Lehrer und Organist an der katholischen Pfarrschule in Rust gründet er zusammen mit weiteren Interessierten einen Ortsverband der Vaterländischen Front. 1934 bis 1938 ist er an der katholischen Pfarrschule in Neutal im mittleren Burgenland und als Mitglied in der Vaterländischen Front im Kulturwerk 'Neues Leben' tätig.

Wer mich in Neutal zwischen 1934 und 1938 politisch wirklich gekannt hat, der wusste um mein sehr überzeugtes Österreich-Bewusstsein.

Rudolf Kroyer in seinen Erinnerungen an die Zeit vor dem 12. März 1938

Der gläubige Katholik und patriotische Österreicher erlebt, wir am 12. März 1938 das freie und unabhängige Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht untergeht. Noch in der Nach des Einmarsches wird Rudolf Kroyer von SA-Männern in das Nautaler Gasthaus gebracht, um ihm eine Machtdemonstration der neuen Machthaber zu geben. Die Erinnerung an die Besetzung Österreichs hält er in seinen Erinnerungen schriftlich fest.

Als Kanzler Schuschniggs ‚Gott schütze Österreich' im Radio zu hören war, ahnte ich, dass meine Zeit als Neutaler Lehrer zu Ende sei. Noch in derselben Nacht, 11. auf den 12. März 1938, holten mich einige illegale Nationalsozialisten in das Extrazimmer eines Neutaler Gasthauses, um mir vor einer großen Hakenkreuzfahne bewusst zu machen, dass eine neue Zeit angebrochen sei. […] Am 25. März fuhr ich nach Neutal zurück, um zu erfahren, wie es mit mir als Lehrer weitergehen soll.

Rudolf Kroyer in seinen Erinnerungen an die Besetzung Österreichs

In der Nacht vom 25. auf 26. März 1938 wird Rudolf Kroyer von SA-Männern verhaftet: („Anziehen, einiges für das Gefängnis mitnehmen!“) und nach Oberpullendorf ins Gefängnis gebracht. Im Bezirksgericht von Oberpullendorf nehmen ihn junge Männer in SA-Uniform, seine ehemaligen Schüler, mit jener Achtung auf, die damals noch einem Dorflehrer selbstverständlich zusteht. Sie bewahren ihn auch vor der Strafe des Straßenkehrens.

Eines Tages fuhr der Tierarzt von Draßmarkt, der ein bekannter Nazi war, beim Bezirksgericht in Oberpullendorf vor und hat verlangt, der Kroyer möge sein Auto waschen. Er wollte mich demütigen und mir zeigen: jetzt sind wir, die Braunen, die Herren, und du als schwarzer Vasall des Ständestaates, du bist jetzt unten durch. Jetzt geschah Folgendes. Die Bewachungsmannschaft dort, SA-Leute aus Neutal, also aus meiner Schulgemeinde, haben zum Tierarzt gesagt: ‚Kommt nicht in Frage. Unser Lehrer wird Ihr Auto nicht waschen!‘

Rudolf Kroyer in seinen Erinnerungen an die Besetzung Österreichs

Rudolf Kroyer wird am 19. März 1938 seines Dienstes als Lehrer enthoben. Nach 14 Tagen, am 9. April 1938 wird er aus der Haft entlassen und mit 30. März 1939 vom Bezirks-Schulinspektor fristlos sowie ohne Abfertigung aus dem Schuldienst entfernt. Um weiteren Verfolgungen zu entgehen, geht er dann im Oktober 1938 nach Bremen als kaufmännischer Angestellter in der Speditionsfirma 'Friedrich Bohne'. Wegen einer „defaitistischen Äußerung gegen das NS-Regime“ beim Friseur – beobachtet von einem Gestapomann – wird er am 26. Februar 1940 neuerlich für 14 Tage in Schutzhaft genommen, aus der ihn sein „Chef, ein reicher, angesehener Bremer Spediteur durch Bestechung ‚losgekauft‘“ hat. Da Rudolf Kroyer bei der Haftentlassung ein Revers zur Unterschrift vorgelegt wird, der bei Wiederholung solcher abfälligen politischen Bemerkungen ohne vorherige Gerichtsverhandlung die sofortige Einlieferung in ein KZ androht, zieht er es vor, sich zur Wehrmacht zu melden und so unterzutauchen.

Ich, der Österreicher und Ein-Mann-Widerstandskämpfer ging freiwillig zu den ‚Preußen‘, eben aus politischer und sonstiger Klugheit.

Rudolf Kroyer in seinen Erinnerungen an die Besetzung Österreichs

Er wird mit 1. September 1940 eingezogen, in Frankreich eingesetzt und gerät dort 1944 in Kriegsgefangenschaft. Am 17. Mai 1946 kann er in einem Viehwagen heimkehren und zieht als Hauptschullehrer nach Wien. Er promoviert 1956 zum Dr. phil. und wird von 1959 bis 1971 Hauptschuldirektor. Er engagiert sich der der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich und wird später dort Bundesobmann-Stellvertreter. Rudolf Kroyer ist verheiratet und Familienvater.

In den Umbruchstagen, im März 1938, wurde ich aus dem Schuldienst entlassen und kam 14 Tage in die so genannte Schutzhaft nach Oberpullendorf. Da muss es im Bezirk Nazis gegeben haben, die mein Tun und meine Einstellung, meine Grundeinstellung, verfolgt haben. Ich war in den nationalsozialistischen Kreisen als Vaterländischer bekannt […] Und der Schulinspektor hat nach der Schutzhaft zu mir gesagt, wenn ich mich bekehre und Nationalsozialist werde, könnte ich weiter als Lehrer bleiben. Aber ich habe geantwortet: „Ich bin kein Nationalsozialist, und ich bejahe diese Weltanschauung nicht.“ Darauf hat er gesagt: „Na, dann können wir Sie nicht brauchen.“ […]

Im Gefangenenhaus Oberpullendorf waren mit mir viele Juden aus Kobersdorf. Die Juden hat man schon eingesperrt. Mit mir waren auch – in der Schutzhaft in Oberpullendorf – katholische Priester, die auch bewusste Antinazis waren, und einige Funktionäre der Vaterländischen Front.

Homepage des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW)

Als Hauptschuldirektor tritt Rudolf Kroyer 1971 in den Ruhestand. Er engagiert sich in der Pfarre Maria Treu in Wien und in der Caritas. Zwischen 1972 und 1974 ist er Obmann der Burgenländer Landsmannschaft in Wien.Ab 1977 ist er freier Mitarbeiter beim ORF-Landesstudio Burgenland.

Mit 86 Jahren verstirbt er in Wien und findet seine letzte Ruhestätte am Wiener Zentralfriedhof.

Orte

Wohnort:

Quellen

Krause, Peter/Reinelt, Herbert/Schmitt, Helmut (2020): Farbe tragen, Farbe bekennen. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Teil 2. Kuhl, Manfred (ÖVfStG, Wien) S. 188/189.;

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Österreichischer Cartellverband (ÖCV)

Burgenländische Landsmannschaft in Wien mit Unterstützung der Burgenländischen Landesregierung (1992):70 Jahre Burgenländer in Wien.Chronik der Landsmannschaft (Neusiedl am See) S. 51

Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche

Rudolf Kroyer

Lehrer
* 3. August 1911
Zemendorf
† 24. November 1997
Wien
Entlassung, Haft