Margarethe Feineis (geb. Sträussler)
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Zwangsarbeit 16.12.1942 - 02.04.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Margarethe Sträussler kommt in Wien als eheliche Tochter des Schaffners der Nordbahn Samuel Strassler und seiner Gattin Maria, geborene Petersalka, zur Welt. Sie ist die jüngste Tochter, neben Elvira (verehelichte Fürtauer), Ernst Sträussler, Irene (verehelichte Bellak) und Roland Sträussler, der jüdischen Familie. Nach dem Besuch der Volksschule besucht sie die Pflichtschule, um im Anschluss eine Lehre zur Schneidermeisterin zu absolvieren.
In Wien erlebt Margarethe Sträussler 1918 die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg. Ab 1923 arbeitet sie in ihrer bzw. ihrer Elternwohnung als selbständige Schneiderin. 1925 heiratet sie den Katholiken Johann Feineis; die Ehe bleibt kinderlos. Sie heiraten am Magistratischen Bezirksamt, da sie nicht zum katholischen Glauben konvertiert.
Margarethe Feineis beendet 1935 ihre Tätigkeit als Schneiderin und ist ausschließlich im Haushalt tätig. Sie und ihr Ehemann wohnen zusammen mit ihrer Familie weiterhin in der Taborstraße 22. Politisch ist sie nicht aktiv.
Am 12. März 1938 muss Margarethe Feineis erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Margarethe Feines als 'Volljüdin’ gilt, die in einer 'Mischehe' lebt. Der Umstand, dass sie mit einem 'Arier' verheiratet ist, bewahrt sie vor einer Deportation.
Margarethe Feineis und ihre Familie müssen im Februar 1939 als Juden ihre Wohnung räumen. Sämtlicher Hausrat wird dabei vernichtet. Sie schafft es schließlich mit ihrem Ehemann einen Atelierraum im 1. Wiener Gemeindebezirk anzumieten. Am 16. Dezember 1942 wird sie zur Zwangsarbeit in der Wäscherei 'Vereinigte Wäschereien A.G.', in der Hütteldorferstraße 130a, im 14. Wiener Gemeindebezirk verpflichtet. Die Wäscherei hieß bis zur Besetzung Österreichs 'Wäscherei Habsburg', wurde aber aufgrund der Gegnerschaft von Otto von Habsburg-Lothringen und seiner Familie zum Nationalsozialismus von den neuen Machthabern umbenannt. Dort muss sie 12 Stunden täglich, sieben Tage die Woche Schwerstarbeit vollrichten.
Ich selbst wurde anfangs 1943 als Abstammungsverfolgte zur Wäscherei 'Habsburg' dienstverpflichtet. Dort lernte ich Frau Feines, die bereits vor mir dorthin verpflichtet worden war, kennen. Aufgenommen wurden wir ursprünglich als Hand- und Maschinennäherin, doch wurden wir als Jüdinnen beinahe nur für andere Arbeiten verwendet. Wir arbeiteten getrennt von den 'Ariern', vorerst mit den Ukrainerinnen zusammen, später alleine. Vor allem wurde uns die schmutzigste Arbeit und auch die schwerste übertragen. Wir mussten Ballen schmutziger, nasser Wäsche tragen, Rollwagen mit Wäsche beladen, führen, Kohlen schaufeln, u.s.w.
Ein gewisser Werner hatte die Aufsicht über uns. Konnte eine der Arbeiterinnen infolge Körperschwäche nicht mehr weiter, wurde sie zu den schwersten Arbeiten zur Strafe eingeteilt. Auch wenn wir morgens nur 1 Minute zu spät kamen, mussten wir 1 Stunde nacharbeiten. Es waren vorerst 10 Stunden, dann 8 Stunden vorgeschrieben, doch arbeiteten wir bis zu 12 Stunden täglich.[…]
Aufgrund der Schwerstarbeit erleidet Margarethe Feineis Schwächeanfälle und einen Nervenzusammenbruch. Sie wird daraufhin von der evangelisch-gläubigen, aber nach den Nürnberger Rassengesetzen jüdisch geltenden Frida Becher von Rüdenhof behandelt.
Am 2. April 1945, unmittelbar vor der Befreiung Wiens, endet für Margarethe Feines die Zwangsarbeit. In Wien erlebt sie die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Sie tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Kurz versucht sie sich noch einmal als Schneiderin selbständig zu machen, muss dieses Ansinnen aber aufgrund der psychischen Folgeerscheinungen der Zwangsarbeit wieder aufgeben. Sie leidet unter Depressionen und Angstzuständen, stottert und hat Alpträume, in denen ihre Eltern und Geschwister auftreten.
Margarethe Feineis überlebt ihren Ehemann um 24 Jahre und verstirbt mit 85 Jahren in Wien. Sie findet ihre letzte Ruhestätte in der jüdischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs.
Margarete Feineis Vater verstirbt 1940 in Wien. Ihre Mutter, ihre Schwestern und Brüder, sowie deren Familien werden in den Konzentrationslagern ermordet.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
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