Medizinalrätin Dr. Frida Maria Louisa Sofia Becher von Rüdenhof

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Entlassung 01.09.1938,
Haft 06.06.1944 - 07.06.1944
Lebenslauf
Frida Maria Louisa Sofia Perels kommt in Wien als eheliche Tochter des Universitätsprofessors Emil Perles und Rose, geborene Volkmar, zur Welt. Ihre Eltern sind jüdischer Abstammung und zum evangelischen Glauben konvertiert. Frida Perels wird ebenfalls evangelisch getauft. Ihr Vater ist Ingenieur und Hochschullehrer, zunächst für landwirtschaftliche Maschinentechnik an der Martin-Luther-Universität in Halle/Saale, später wird er Rektor der Universität für Bodenkultur in Wien.
Frida Perels absolviert das Lehrerinnenseminar in Berlin und heiratet den Oberleutnant Carl Ritter Becher von Rüdenhof. Mit ihm hat sie eine gemeinsame Tochter, die 1896 geboren wird. Im Jahr 1910, mit 36 Jahren, absolviert sie die Matura in Graz, studiert anschließend Medizin in Wien und wird 1915 promoviert. Von 1915 bis 1919 ist Frida Becher von Rüdenhof Assistenzärztin im Sophienhospital in Wien, zwischen 1920 und 1923 dann Assistenzärztin an der Wiener Poliklinik. Parallel dazu baut sie nach dem Ersten Weltkrieg, ab 1919, eine eigene Praxis für Innere Medizin und Kinderheilkunde auf.
Frida Becher von Rüdenhof ist Mitglied des Vereins Wiener Settlement in Ottakring und engagiert sich in diesem Kontext für verarmte Kinder und für Weiterbildungen deren Mütter. Dieses Hilfswerk, Verein Wiener Settlement, ist von den Wienerinnen Maria Lang und Else Federn der Schwester des Wiener Psychoanalytikers Paul Federn gegründet worden. Frida Becher von Rüdenhof ist darüber hinaus Mitglied der am 9. Februar 1919 gegründeten Österreichischen Ärztinnenorganisation (ÖÄO).
Zwischen 1921 und 1926 ist sie Vertrauensärztin der Unionsbank und ab 1926 Schulärztin und ab 1928 zusätzlich Lehrerin für Gesundheitslehre an der Fachlehranstalt für Bekleidungsgewerbe im 9. Wiener Gemeindebezirk.
1928 ist sie, neben Dora Brücke-Teleky, Pauline Feldmann und Else Volk-Friedland, Referentin bei der Delegiertenversammlung der Internationalen Ärztinnenvereinigung in Bologna. Als Vertreterin der österreichischen Ärztinnen nimmt sie 1931 am 4. Internationalen Ärztinnenkongress in Wien sowie 1934 am 7. Internationalen Ärztinnenkongress in Stockholm teil. Frida Becher von Rüdenhof ist in der bürgerlichen Frauenbewegung in Wien aktiv und tritt für die Erwerbstätigkeit von Frauen ein. In den 1930er Jahren ist sie die Leiterin der Eheberatungsstelle in der unter der Führung von Marianne Hainisch gegründeten Österreichischen Frauenpartei und nimmt an deren Versammlungen als Referentin teil.
Am 12. März 1938 muss Frida Becher von Rüdenhof erleben, wie das freie und unabhängige Österreich mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Frida Becher von Rüdenhof als ‘Volljüdin’ gilt. Der Umstand, dass sie mit einem 'Arier' [Anm.: nach nationalsozialistischer Diktion] verheiratet ist und mit ihm ein gemeinsames Kind hat, rettet sie später vor der Deportation.
Frida Becher von Rüdenhof darf nach dem Einmarsch nur mehr Juden in ihrer Praxis behandeln und wird mit 1. September 1938 aus dem Schuldienst entlassen. 1942 werden die Konten ihrer Familie bei Creditanstalt und Länderbank von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Schließlich wird sie aufgrund der falschen Anschuldigung wegen 'Verdachts der Zersetzung der Wehrkraft' für einen Tag verhaftet.
Der Bruder von Frida Becher von Rüdenhof, Emil Perels wird 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert und von dort in das KZ Auschwitz wo ihn die Nationalsozialisten ermorden.
Im Mai 1945 erlebt Frida Becher von Rüdenhof die Befreiung Österreichs. Sie kann sofort ihre Privat- und Kassenpraxis wieder in vollem Umfang aufnehmen, ebenso wie den Unterricht an der Schule.
1949 geht sie als Lehrerin und Kassenärztin in Pension. Sie verstirbt mit 77 Jahren im Jahre 1951 in Wien.
Orte
Wohnort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Frida_Becher_von_Rüdenhof
Das Wort der Frau (1931): Zeitschrift vom 20.9.1931 (Wien)
