Dr. Ottokar Anton Franz (Otakar) Flanderka
Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 30.07.1940 - 16.05.1941,
KZ Dachau 16.05.1941 - 10.11.1942,
KZ Sachsenhausen 10.11.1942 - 30.03.1945,
KZ Bergen-Belsen 30.03.1945 - 24.04.1945,
Ermordet am 24.04.1945
KZ-Nummer:
Ehrungen:
L’ordre national de la Légion d’Honneur
Lebenslauf
Ottokar Anton Franz Flanderka kommt in Reichenau an der Knieschna in Böhmen [heute: Rychnov nad Kněžnou in Tschechien] als ehelicher Sohn des Rechtsanwalts Friedrich Flanderka und seiner Gattin Maria, geborene Haudek, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er das Gymnasium in Reichenau an der Knieschna, wo er 1913 maturiert. Danach zieht er nach Wien und studiert ein Semester Jus an der Universität Wien, bevor er in den Ersten Weltkrieg eingezogen wird und 1918 als Oberleutnant der Artillerie abrüstet.
Nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg, geht er nach Paris, wo er sein juridisches Studium an der Universität Sorbonne weiterstudiert.
Ottokar Flanderka behält die tschechische Staatsbürgerschaft und arbeitet in Paris als Rechtsvertreter der österreichischen Firma Fez-Fabriken AG. 1926 veröffentlicht er das rechtswissenschaftliches Buch 'Le contrôle de la constitutionnalité des lois en Tchécoslovaquie'. Diese Arbeit gilt als bedeutendes zeitgenössisches Zeugnis über die Funktionsweise der frühen tschechoslowakischen Verfassungsgerichtsbarkeit.
Ottokar Flanderka wird Mitglied der Internationalen Handelskammer, Wirtschaftsattaché bzw. Generalkonsul der Tschechoslowakischen Gesandtschaft und deren Rechtsvertreter in Paris und President der Tschechoslowakischen Kolonie in Paris. In Paris lebt er mit seiner Lebensgefährtin Marie Jeanneu in der Rue St. Dominique 133 zusammen. Seine Schwester heiratet einen ehemaligen Artillerieoffizier in Wien; nach dem Tod seines Vaters 1930 zieht auch seine Mutter nach Wien.
Ottokar Flanderka ist entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und unterstützt nach der Besetzung Österreichs und später des von den Nationalsozialisten sogenannten 'Sudentlands' auch Tschechoslowaken und Juden bei ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten und hilft ihnen ihr Vermögen in die Vereinigten Staaten von Amerika zu transferieren.
Nach der Besetzung der 'Rest-Tschechoslowakei' am 15. März 1939 nimmt er am 17. April 1939 die französische Staatsbürgerschaft an. Nach der Kapitulation Frankreichs am 22. Juni 1940 wird Ottokar Flanderka am 30. Juli 1940 in Paris von der Gestapo wegen 'Fluchtbegünstigung und Vermögensverschleppung' verhaftet und in Untersuchungshaft in Paris, Brüssel, Berlin und Prag gebracht.
Am 16. Mai 1941 wird Ottokar Flanderka in das KZ Dachau deportiert und von dort am 10. November 1942 in das KZ Sachsenhausen überstellt. Am 20. November 1942 werden die Ermittlungen des Oberreichsanwaltes beim Volksgerichtshof gegen ihn offiziell eingestellt. An der Konzentrationslagerhaft ändert dies jedoch nichts.
Im Konzentrationslager Sachsenhausen ist er länger krank bevor er als Schreiber im Krankenbau arbeitet und dann im Außenlager Berlin-Licherfelde und im Zweiglager Heinkel, als Schreiber und Dolmetscher für Tschechisch und Französisch.

Ich kann eidlich bekräftigen, dass er als politischer Gefangener geführt wurde und als Mensch und Kamerad niemals und nirgends das Ethos eines politisch Gefangenen verletzte. Noch mehr: Otakar Flanderka, eine europäisch und demokratisch eingestellte Persönlichkeit, war einer der besten Menschen, die ich jemals kennen und schätzen zu lernen Gelegenheit hatte. Umso schmerzhafter und aufrichtiger ist mein Bedauern, dass er im Frühjahr 1945, knapp vor der Befreiung, den Opfertod fand.
Am 30. März 1945 wird Ottokar Flanderka unter dem Eindruck der herannahenden Roten Armee in das KZ Bergen-Belsen verlegt.
Er [Ottokar Flanderka] legte mir in stundenlangen, sehr ernsten Gesprächen dar, dass man ihn zur Vernehmung nach Prag (CSR) beordert habe, dass man ihm die Freilassung um den Preis des Verrats geboten habe, dass er indes stark blieb und Fürchterliches erlitten habe. Mein Freund und Kamerad Dr. Flanderka war infolge der Behandlung in Prag zu einem menschlichen Wrack geworden.
Ottokar Flanderka verstirbt im KZ Bergen-Belsen am 24. April 1945. Ein Kenotaph wird später für ihn am Friedhof in Prag 3 errichtet.
Seine in Wien lebende Schwester, Maria Bracher, tritt nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.
Orte
Wohnort:
Verfolgung:
Sterbeort:
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Archiv der Universität Wien
Archiv ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich
Arosen Archives
www.myheritage.com
www.vets.cz/vpm/49089-kenotaf-otakar-flanderka/
