KZ Bergen-Belsen

Das Konzentrationslager Bergen-Belsen war von April 1943 bis April 1945 ein nationalsozialistisches Konzentrationslager unter der SS-Tarnbezeichnung Aufenthaltslager im Ortsteil Belsen der Gemeinde Bergen im Kreis Celle in der damaligen Provinz Hannover, heute Land Niedersachsen. Teile waren zuvor und dann parallel ein Kriegsgefangenenlager (Stalag XIc) der deutschen Wehrmacht. Die Befreiung durch britische und kanadische Truppen erfolgte am 15. April 1945.

Von März 1944 an wurden Häftlinge aufgenommen, die in anderen Lagern als 'nicht mehr arbeitsfähig' ausgesondert waren; die 'Austauschjuden' wurden in andere Baracken umverteilt. Aus dem stetig erweiterten Teil des ehemaligen 'Häftlingslagers' wurde nunmehr ein 'Erholungslager' (so die euphemistische Bezeichnung des Sterbelagers im SS-Jargon). Denn tatsächlich fehlten ausreichende ärztliche Hilfe und angemessene Verpflegung, um die aufgenommenen Kranken gesundheitlich wiederherzustellen. Vielmehr wurden zahlreiche Häftlinge durch Injizieren tödlicher Substanzen ('Abspritzen') ermordet oder fielen dem geduldeten Terror von kriminellen Funktionshäftlingen zum Opfer.

Von August 1944 an wurde dem Lager eine dritte Funktion als 'Einweisungslager' oder 'Durchgangslager' zugewiesen. An zentraler Stelle sollten Rüstungsfirmen geeignete Zwangsarbeiterinnen auswählen. Mehrere tausend 'arische' polnische Frauen, teils mit Kindern, wurden auf einer Freifläche in Zelten untergebracht. Kurz danach trafen eintausend Frauen aus Auschwitz ein. Im Herbst wurden die Zelte im Sturm zerstört; bis zum Aufbau von zusätzlichen Baracken mussten die Häftlinge sich in den vorhandenen Unterkünften und Magazinen zusammendrängen. Bis zur Befreiung waren 12.500 Frauen Gefangene dieses Durchgangslagers, von denen etwa 10.000 zur Zwangsarbeit in Außenlager weitertransportiert wurden. In diesen Lagerteil kamen auch Anne Frank, Hannah Pick-Goslar und das Mädchenorchester von Auschwitz.

Als von Dezember 1944 an Evakuierungstransporte aus frontnahen Konzentrationslagern eintrafen, wurde das Lager Bergen-Belsen um den bislang von der Wehrmacht verwalteten Teil des Kriegsgefangenenlazaretts erweitert und im Januar 1945 als 'Großes Frauenlager' genutzt.

Zwischen Dezember 1944 und März 1945 trafen 6000 bis 7000 kranke und erschöpfte männliche Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen, 5000 bis 6000 von Außenlagern des KZ Buchenwald sowie weitere aus dem KZ Dora-Mittelbau und den Außenlagern der KZ Natzweiler und KZ Flossenbürg im Lager ein. Einzelne Baracken des 'Häftlingslagers II' waren mit 1500 Menschen belegt; weder Trinkwasserleitung noch Waschgelegenheiten waren vorhanden.

Im Dezember 1944 hatte das nun vom Kommandanten SS-Hauptsturmführer Josef Kramer geleitete Lager 15.257 Insassen und wurde vom WVHA offiziell als 'Konzentrationslager Bergen-Belsen' geführt. Weitere 'Evakuierungszüge' aus frontnahen Lagern trafen in rascher Folge ein. Unterbringungsmöglichkeiten, sanitäre Einrichtungen und Verpflegung reichten in keiner Weise. Seuchen brachen aus; zuletzt gab es kein Essen mehr.

Die Entwicklung der Belegstärke ist nur in groben Zügen zu rekonstruieren. Am 1. Jänner 1945 waren 18.465 Häftlinge im Lager, am 15. Jänner 22.286, am 1. März 41.520, am 15. März 45.117. Allein im März 1945 zählte man in Bergen-Belsen 18.168 Tote. Bis Mitte April kamen rund 35.000 Menschen um. Das Massensterben ging auch nach der Befreiung weiter.

Quellen

  • Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/KZ_Bergen-Belsen

1 Opfer

Ottokar Flanderka

Rechtsanwalt
* 30. Juni 1894
Reichenau an der Knieschna
† 25. März 1945
KZ Bergen-Belsen
Haft, KZ Bergen-Belsen, KZ Dachau, KZ Sachsenhausen