Dr. Karl Kummer

Karl Kummer
Bild: ÖVfStG

Personalia

Geboren:

1. Jänner 1904, Wien

Gestorben:

15. August 1967, Warschau

Beruf:

Kammerbeamter und Politiker

Verfolgung:

Haft 12.03.1938 - 02.04.1938,
Widerstandskämpfer (unentdeckt)

Mitgliedschaften

K.Ö.St.V. Aargau Wien, Österreichische Volkspartei, ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich

Lebenslauf

Karl Maria Franz Kummer kommt in Wien als ehelicher Sohn des Kammerdieners Karl Kummer und seiner Gattin Maria, geborene Jelinek, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er das humanistischee Gymnasium in Wien-Hietzing, wo er 1923 maturiert. Zunächst studiert er zwei Semester Chemie an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien und wechselt dann zum Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Wien. 1923 tritt er der Studentenverbindung Aargau bei. Sein besonderes Interesse gilt hier der Sozialpolitik und der Sozialwissenschaft nach den Grundsätzen der katholischen Soziallehre. Er engagiert sich in der Christlichsozialen Partei (CSP). Nach der Promotion zum Dr. iur. absolviert er vier Jahre Gerichtspraxis und wird dann kurzzeitig im Landesinvalidenamt beschäftigt, bis er 1934 als Leiter der Rechtsabteilung der Wiener Arbeiterkammer und später dort Leitender Sekretär tätig wird. Beeindruckt vom Wirken des 'Großstadtapostels' Carl Sonnenschein (1876–1929) hat er bereits in seiner Studienzeit Hilfsaktionen für bedürftige Studenten und Arbeiter organisiert, um so eine Annäherung der studierenden und werktätigen Jugend zu fördern. Er kümmert sich u.a. um Obdachlose und um die Rechtsberatung im Gesellenverein, er arbeitet auch in der Akademikerhilfe mit. Politisch steht er damit im Widerspruch zum Nationalsozialismus.

Am 12. März 1938 erlebt Karl Kummer, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht das freie und unabhängige Österreich untergeht. Noch in der Nacht der Besetzung Österreichs, in der Nacht vom 11. zum 12. März 1938 wird er verhaftet und für drei Wochen in Polizeigewahrsam gehalten. Anschließend kann er noch bis zur Auflösung der Arbeiterkammer am 30. Juni 1938 dort weiter arbeiten. Aus 'politischen Gründen' erhält er anschließend nur kurzzeitige Arbeitsmöglichkeiten, so beim Reichsnährstand als Sachbearbeiter und dann bei der AEG-Union. Als er sich im November 1942 bei der Firma Wertheimer & Co um die Stelle eines Personalreferenten bewirbt, ersucht das NSDAP-Gaupersonalamt die Kreisleitung um eine politische Beurteilung. Hier wird Karl Kummer bescheinigt, dass er der 'NS-Bewegung sympathisierend' gegenüberstehe, von 'einwandfreiem Charakter' sei und 'über sein derzeitiges politisches Verhalten nichts Nachteiliges' bekannt sei. Dem Gaupersonalamt ist zu dem Zeitpunkt aber nicht bekannt, dass Karl Kummer sich 1942 der Widerstandsgruppe um Lois Weinberger angeschlossen hat und mit der Gruppe von Heinrich Maier, Franz Josef Messner und Walter Caldonazzi in Verbindung steht.

Diese unterschiedlichen, für Karl Kummer damals positiven 'politischen' Beurteilungen ermöglichen ihm eine Beschäftigung bei der Firma Wertheimer & Co bis zum 1. Juli 1944. Danach wechselt er zu Rechtsanwalt Herbert Eggstain, wo er bis zum 28. Februar 1945 seine Rechtsanwaltspraxis absolviert. Nach der Ablegung der Rechtsanwaltsprüfung untersagen ihm die nationalsozialistischen Behörden jedoch die Eintragung in die Liste der Rechtsanwälte aus 'politischen Gründen'.

In Wien erlebt Karl Kummer die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er selbst gibt nach der Befreiung bei der Überprüfung über evtl. Parteizugehörigkeit gem. § 4 des Verbotsgesetzes 1947 an, 'nie einen Aufnahmeantrag in die NSDAP oder eine ihrer Gliederungen gestellt zu haben.' Anlässlich des Antrags auf Ausstellung eines Opferausweises wegen der erlittenen Haft kommt es seitens des Wiener Magistrats und der Abteilung 2 des BMI 1951 zur nochmaligen Überprüfung evtl. Parteizugehörigkeit Mit Bescheid vom 24. September 1952 stellt die Behörde fest, dass sie Karl Kummer glaube, weil er in sämtlichen Beurteilungen als Nichtangehöriger der NSDAP bezeichnet worden und eine behauptete Parteianwartschaft überhaupt nicht nachweisbar ist. Auch wenn er in den 'Gauakten' als 'Parteianwärter seit 1938', nicht aber als Parteimitglied geführt wird, so kommt auch die neueste Untersuchung der ÖVP-Mitglieder deswegen zu folgendem Ergebnis:

Somit zählt Dr. Karl Kummer zum Kreis jener Personen, deren Biografie näher untersucht wurde, bei dem ab er im Sinne des Kriterienkataloges keine NSDAP-Mitgliedschaft vorliegt.

Nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 ist Karl Kummer mit Lois Weinberger an der Gründung des Österreichischen Arbeiter- und Angestelltenbundes (ÖAAB) beteiligt und wird dessen erster Generalsekretär. Er ist Mitglied der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich. Am 29. Juni 1953 gründet er u. a. zusammen mit August M. Knüll den 'Verein für Sozial- und Wirtschaftspolitik' und das 'Institut für Sozialpolitik und Sozialreform', heute 'Dr. Karl-Kummer-Institut (KKI) genannt. Beide Einrichtungen sollen gem. § 2 der Satzungen 'eine Reform der Gesellschaft im Sinne der Prinzipien der Katholischen Soziallehre' vorbereiten und entsprechende sozialreformerische Aufgaben durchführen helfen. Von 1956 bis zu seinem Tod 1967 ist Karl Kummer auch Abgeordneter zum Nationalrat.

Völlig unerwartet verstirbt Karl Kummer am 15. August 1967 bei einem Seminar der Vereinten Nationen in Warschau.

Orte

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Krause, Peter/Reinelt, Herbert/Schmitt, Helmut (2020): Farbe tragen, Farbe bekennen. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Teil 2. Kuhl, Manfred (ÖVfStG, Wien) S. 191/192.

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Karl Kummer

Kammerbeamter und Politiker
* 1. Jänner 1904
Wien
† 15. August 1967
Warschau
Haft, Widerstandskämpfer (unentdeckt)